Kölns DauerbaustelleStadt hat eine gute und eine schlechte Nachricht zur Bühnen-Sanierung

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Das Bild zeigt eine Außenaufnahme der Opern-Baustelle samt Bauzaun.

Die Sanierung der Bühnen am Offenbachplatz dauert schon viele Jahre.

Sanierungschef Bernd Streitberger musste bei seinen Pressekonferenzen bislang konstant schlechte Nachrichten verkünden.

Mittlerweile gehört es fast zur Tradition in dieser Stadt, dass Sanierungschef Bernd Streitberger alle zwei Jahre persönlich die Öffentlichkeit über Kölns Baudebakel am Offenbachplatz informiert – und konstant schlechte Nachrichten parat hat. Das war 2017 so, das war 2019 so, das war 2021 so, und das wird teilweise auch an diesem Dienstag so sein, wenn er sich auf einer Pressekonferenz zu neuen Terminen und Kosten äußern will. Es geht um Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleines Haus.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird Streitberger am Fertigstellungstermin 22. März 2024 festhalten, den er im Juni mitgeteilt hatte. Die gute Botschaft soll sein: Wir halten den Termin, damit könnten Oper und Schauspiel zur Spielzeit 2024/2025 aus ihren Interimsspielstätten wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die fast zwölfjährige Bauzeit – geplant waren 2012 knapp dreieinhalb – wäre endlich vorbei.

Kosten von mehr als einer Milliarde Euro

Die schlechte Botschaft wird aber dem Vernehmen nach sein: Es kostet mehr, mal wieder. Die zuletzt prognostizierten 659 Millionen Euro reichen nicht, aber die 700-Millionen-Euro-Marke soll wohl nicht geknackt werden.

Demnach könnten es bis zu 40 Millionen Euro mehr werden, die Bühnen äußerten sich am Montag nicht dazu, eine offizielle Bestätigung blieb aus. Der Stadtrat muss das Budget nochmal anheben, es steht bei 642,7 Millionen Euro. Beim Baubeschluss 2011 war die Verwaltung von 253 Millionen Euro ausgegangen. Es war eine Verwaltung, der Streitberger damals als Baudezernent noch angehörte.

Ist der Termin der Fertigstellung realistisch?

Inklusive der Finanzierungskosten für den Bau von 239 Millionen Euro und der Kosten für die Interimsspielstätten von Oper (Staatenhaus) und Schauspiel (Depot) von 130 Millionen Euro könnten die Sanierung, Stand jetzt , 1,07 Milliarden Euro kosten.

Doch ist der 22. März tatsächlich realistisch? Das ist in 432 Tagen – und der Bau selbst soll in allen vier Häusern Ende Juni beendet sein, so steht es im Monatsbericht der Projektleitung von November. Danach sollen die Inbetriebsetzung und Abnahmen erfolgen, bevor Streitberger am 22. März 2024 den Schlüssel an die Intendanten übergibt. Danach müssen die Häuser aber noch für den Spielbetrieb vorbereitet werden. Der Druck steigt.

Nach internen Unterlagen, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, sehen beteiligte Firmen den Termin als erheblich gefährdet an. Auch der Projektsteuerer selbst hatte im Dezember von einem „unzureichenden Baufortschritt“ gesprochen – eine bemerkenswerte Analyse.

Zur Gegensteuerung eines unzureichenden Baufortschritts wurde eine Umstellung des Bauablaufs vorgenommen.
Projektsteuerer

Nur für das Opernhaus kann demnach der Termin im März gehalten werden, für die anderen drei Häuser muss der Bauablauf umgestellt werden, damit das gelingt. Dafür sollen die Firmen mehr Personal auf die Baustelle schicken.

Es sind Einschätzungen, die schlechte Erinnerungen an das Jahr 2015 hervorrufen. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit sollte die Oper am 7. November eröffnen, trotz etlicher Probleme mit der Haustechnik, also beispielsweise der Lüftung.

Mehr Druck führt zu mehr Problemen

Ein Gutachter hatte über den Einbau in die denkmalgeschützten Häuser von 1957 und 1962 gesagt: „Diese Aufgabenstellung ist gewissermaßen vergleichbar mit dem Einbau der Technik eines dem heutigen Stand der Technik entsprechenden Mercedes-S-Klasse-PKW in einen VW-Käfer Baujahr 1960.“

Zuerst priorisierte die Stadt, stellte Kinderoper und Kleines Haus hinten an, um Oper und Schauspiel fertig zu bekommen, irgendwie. Dann schickte sie mehr Bauarbeiter, doch das sorgte für mehr Chaos und am Ende zur Absage der Eröffnung. Die Chefin der Gebäudewirtschaft, Petra Rinnenburger, sagte: „Dadurch, dass wir soviel Druck in die Baustelle gegeben haben, mussten die Firmen teilweise in Parallelität arbeiten, die sonst nacheinander gearbeitet hätten.

Warum braucht es neue Abläufe, wenn die Pläne „exzellent“ sind?

Zudem kündigte die Verwaltung dem Planungsbüro Deerns, streitet sich bis heute mit diesem vor Gericht über die Verantwortung für die Baumängel. Für Deerns übernahm Innius und plante die Haustechnik neu. Führt der neue Bauablauf mit mehr Arbeitern wie 2015 zu mehr Kuddelmuddel? Streitberger äußert sich dazu auf Anfrage nicht.

Und warum braucht es einen neuen Bauablauf? Streitberger hatte die Pläne der Firma Innius 2021 als „exzellent“ bezeichnet. Doch laut interner Dokumente hat Innius bestimmte Planungen noch gar nicht abgeschlossen. Vertreter der Bühnen wollten zu all dem zunächst keine Stellung nehmen.

Auf der Pressekonferenz wird Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sprechen. Für sie hat die Sanierung eine politische Dimension, sie will das Projekt in ihrer Amtszeit bis 2025 beenden. Reker hat Streitberger 2016 als neuen Chefsanierer installiert, um das Debakel zu beenden. Doch letztlich wird Streitberger acht Jahre und viel Geld brauchen, um seine Aufgabe zu erfüllen. Bei seinem Antritt gab die Prognose 404 bis 460 Millionen Euro her – das erschien schon als große Summe. Reker nannte das 2017 ein „Desaster“. Ein Desaster, das seither immer mehr Geld kostet.

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