Das Verkehrsunternehmen will Rolltore einbauen, damit wohnungslose und drogenabhängige Menschen nicht mehr in der Station übernachten.
KVB-PlanKölner Politiker begrüßen nächtliche Schließung der Station Appellhofplatz

Sicherheitskräfte zeigen an der U-Bahn-Station Appellhofplatz Präsenz.
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Aus der Politik gibt es viel Zustimmung, die Abgänge zur U-Bahn-Haltestelle nachts zu verschließen. Eine schnelle Lösung für eine Verbesserung der Situation rund um die Drogenszene vor Ort ist aber dennoch nicht in Sicht. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wollen wie berichtet 38 zusätzliche Mitarbeiter für einen Einsatz rund um die Uhr einstellen und am Appellhofplatz neue Rolltore einbauen. Diese sollen laut der aktuellen Planung im April dieses Jahres montiert sein. Das Verkehrsunternehmen will die Tore aber nur nutzen, wenn sichergestellt ist, dass die wohnungslosen und drogenabhängigen Menschen, die derzeit in der Haltestelle übernachten, ein alternatives Hilfsangebot nutzen können.
80 Plätze in Notschlafstellen
Die Stadt Köln hat am Mittwoch auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitgeteilt, dass es bereits sieben von der Stadt finanzierte Notschlafstellenangebote mit insgesamt 80 Plätzen gibt. Vier davon mit insgesamt 50 Plätzen befinden sich in der Kölner Innenstadt. Dazu gehören auch zwei Notschlafstellen mit je zwölf Plätzen für drogenkonsumierende Menschen. Diese seien Ende 2025 zu 84 Prozent ausgelastet gewesen. Beide seien zu keinem Zeitpunkt des vergangenen Jahres überfüllt gewesen. Die Auslastung habe in den Monaten Dezember und Januar nie über 95 Prozent gelegen, sagte eine Sprecherin.
In den Wintermonaten steht laut der Stadt die Winterhilfe mit zusätzlichen 72 Plätzen zur Verfügung. Die Einrichtung in Merheim sei auch für eine Überbelegung gerüstet. Auch in dem geplanten neuen Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel in der Innenstadt soll ein Aufenthalts- und Ruheangebot zur Verfügung stehen. Dieses wird allerdings kaum bis zum April fertig sein, möglicherweise noch nicht einmal in diesem Jahr.
Alles zum Thema Bernd Petelkau
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In der Haltestelle am Appellhofplatz übernachten bis zu 50 Menschen. Würde die KVB ihnen den Zugang verwehren, müssten sie sich einen neuen Schlafplatz suchen. Handelt es sich um drogenabhängige Menschen, nutzen sie in der Regel nur Notschlafstellen, in denen der Drogenkonsum toleriert wird. Ob das bereits vorhandene Angebot wirklich ausreicht, dürfte also zumindest fraglich sein, mehrere Politiker haben schon Zweifel geäußert.
„Wir unterstützen die Maßnahmen der KVB, um Sicherheit und Sauberkeit für alle Kölnerinnen und Kölner zu gewährleisten. Gleichzeitig muss es mehr Anlaufstellen für obdachlose Menschen geben, in denen sie Schutz vor Kälte finden und sicher übernachten können“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Joisten.
Appellhofplatz nachts schließen – das sagen die Fraktionen im Einzelnen:
„Die Haltestelle Appellhofplatz kann nachts nur dann geschlossen werden, wenn es ausreichend alternative Schlafstellen in der Nähe gibt“, sagt Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin. Wie das KVB-Sicherheitskonzept mit 38 neuen Stellen finanziert werden soll, müsse im Rahmen der nächsten Haushaltsaufstellung diskutiert werden.
„Wir begrüßen die Absicht, die U-Bahn-Haltestelle nachts zu schließen und für die betroffenen Obdachlosen Notunterkünfte zu organisieren“, sagt CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau. Der bisherige Zustand sei weder den Betroffenen noch den KVB-Nutzern zuzumuten. „Die Kosten für die Maßnahmen müssen durch den städtischen Haushalt gedeckt werden“, fordert Petelkau.
„Wir lehnen eine nächtliche Sperrung der KVB-Haltestelle Appellhofplatz ab, wenn nicht zuvor eine Alternative angeboten wird“, sagt Linke-Fraktionssprecherin Isabel Gerken. Wer Schutzräume schließe, müsse zuvor für neue sorgen. „Eine Alternative besteht für uns nicht in der üblichen lapidaren Auskunft der Sozialverwaltung, es gäbe genug Notschlafstellen“, so Gerken.
„Die geplante nächtliche Sperrung der KVB-Haltestelle Appellhofplatz ist aufgrund der bestehenden Lebensgefahr für dort übernachtende Personen nachvollziehbar“, sagt Sergen Belen (Volt). Eine hohe Summe für zusätzliches Sicherheitspersonal bei der KVB halte Volt lediglich für eine Symptombekämpfung von Wohnungslosigkeit.
„Die FDP/KSG-Fraktion begrüßt die Pläne der KVB, die Haltestelle Appellhofplatz nachts abzusperren“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Harriet Krüger. Die Fraktion schlage zudem vor, die Photovoltaikförderung der Stadt Köln in Höhe von acht Millionen Euro aufzugeben, um das zusätzliche KVB-Personal zu finanzieren.


