Der jüdische Karnevalsverein erinnert mit Stolpersteinen an den Kölner Textilunternehmer und Karnevalisten Moses Stock und seine Familie.
Jüdischer KarnevalsvereinKölsche Kippa Köpp verlegt Stolpersteine für jüdischen Karnevalisten

„Kippa Köpp“-Präsident Aaron Knappstein (links) und Vorstandsmitglied Volker Scholz-Goldenberg (r.) mit Offer Stock, seiner Frau Jennifer Galow und Tochter Ruby vor dem Haus Brabanter Straße 7.
Copyright: Tobias Christ
Nachdenkliche Minuten kurz vor dem Trubel der Sessionseröffnung: Der jüdische Karnevalsverein „Kölsche Kippa Köpp“ hat am Montag vor dem Haus an der Brabanter Straße 7 nahe des Rudolfplatzes drei Stolpersteine verlegen lassen. Sie gelten Moses Stock und seiner Frau Nanni, die am 23. Juli 1943 im NS-Vernichtungslager Sobibor* ermordet wurden. Ein weiterer Stolperstein ist ihrem Sohn Oskar gewidmet, dem es 1934 gelang, nach Palästina auszuwandern.
Moses Stock, der sich auch Moritz nannte, engagierte sich im „Kleinen Kölner Klub K.K.K.“, dem einzigen jüdischen Karnevalsverein vor dem Holocaust. „Aufgrund eines alten Fotos wussten wir, wie er aussah“, so Volker Scholz-Goldenberg, Vorstandsmitglied der Kippa Köpp. Nähere Informationen fehlten jedoch.
Im vergangenen Jahr führten dann zufällig alte Zeitungsannoncen zum Ziel. „Darin wurden Sitzungen des K.K.K. beworben“, so Scholz-Goldenberg: „Und es wurden verschiedene Vorverkaufsstellen angegeben. Darunter das 'Modehaus M. Stock' in der Maastrichter Straße hier im Belgischen Viertel. Dieses Detail führte uns nun in kürzester Zeit zu Moses Stock.“
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Familie ging 1933 in die Niederlande
Das Textilunternehmen hatte der gebürtige Stommelner 1920 gegründet. Anders als viele andere Juden entschlossen sich die Stocks bereits 1933, im Jahr der Machtergreifung der Nazis also, Deutschland zu verlassen. Ihre letzte Adresse in Köln ist die Brabanter Straße Nummer 7, wo auch Sohn Oskar, aber nicht mehr Tochter Bertha zu Hause war. Die Eltern gehen im Herbst 1933 zusammen mit Bertha und Schwiegersohn Paul Velleman in die Niederlande.
Das Ehepaar gerät jedoch 1940 ins Visier der Nazis, wird zunächst im Sammellager Westerbork interniert und direkt nach ihrer Ankunft in Sobibor vergast. Tochter Bertha gelingt die Flucht nach Brüssel. Wie ihr Bruder überlebt sie den Holocaust. Bertha stirbt 1990, Oskar 1983. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd.
Die 2017 gegründeten Kippa Köpp lassen jedes Jahr neue Stolpersteine verlegen, insgesamt sind es mittlerweile 25. Bei der jüngsten Verlegung war auch Offer Stock zugegen, Urenkel von Moses und Nanni Stock. Künstler Gunter Demnig, Erfinder des Stolperstein-Projekts, nahm hingegen nicht teil. In diesem Fall verankerten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Steine im Bürgersteig.
* Aufgrund einer - inzwischen korrigierten - falschen Formulierung in einer früheren Version dieses Beitrags stellt die Redaktion klar: Sobibor war ein 1942 bis 1943 von den deutschen Besatzern auf dem Gebiet des heutigen Polen errichtetes und betriebenes Lager – als Teil des verbrecherischen Plans der Nationalsozialisten zur Vernichtung der europäischen Juden. (ksta)


