Nach 11.11.Kritik an Chaos im Kwartier Latäng: Stadt soll Sitzungen öffentlich machen

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Der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel, OB Henriette Reker und Christoph Kuckelkorn stehen am 11.11 auf der Zülpicher Straße in der feiernden Menge.

Der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel, OB Henriette Reker und Christoph Kuckelkorn am 11.11 auf der Zülpicher Straße.

Nach dem Massenansturm auf die Zülpicher Straße am 11.11. steht die Stadt in der Kritik. Nun soll ein neues Konzept her - schon wieder. Die Sitzungen von OB Reker und Kollegen sollen erstmals öffentlich stattfinden.

Zu den nächsten Sitzungen des Runden Tischs Karneval soll Oberbürgermeisterin Henriette Reker außer den beiden Bezirksbürgermeistern auch die Fraktionsvorsitzenden der Bezirksvertretungen Innenstadt und Lindenthal einladen. Außerdem sollen die Sitzungen erstmals öffentlich stattfinden.

Das hat die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt am Donnerstag einstimmig beschlossen. Vorausgegangen war eine von den Grünen beantragte Aktuelle Stunde zum Geschehen am 11.11. im Kwartier Latäng und der Umgebung, dem Kritik am Sicherheitskonzept der Stadt gefolgt war.

Entsetzt von Massenansturm und Müllberge an Karneval

Die Nachlese in der BV war verbunden mit der Frage, wie man künftig dem Massenandrang der Feiernden besser begegnen könne, als Nächstes im Straßenkarneval 2023. Damit befasst sich auch der Runde Tisch, dem Vertreter der Stadt, der Polizei, der Gastronomie und des Festkomitees Kölner Karneval angehören. Seine Sitzungen waren bisher nicht öffentlich, die nächste ist für den 7. Dezember vorgesehen.

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Müll auf der Uniwiese am Morgen des 12. November 2022.

Müll auf der Uniwiese am Morgen des 12. November 2022. Hierhin waren am 11.11. viele junge Feierende ausgewichen, nachdem Polizei und Stadt den Zugang zum Zülpicher Viertel abgesperrt hatten

Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienste hätten rund um die Zülpicher Straße „einen sehr guten Job gemacht“, bilanzierte Athene Hammerich, Leiterin des Ordnungsamtes. Trotzdem sei auch sie „entsetzt“ gewesen vom Massenansturm, der bisweilen außer Kontrolle zu geraten drohte, und den Müllbergen.

Kölner Karneval: Uniwiesen als Entlastungsfläche einführen?

Der Zustrom war zeitweise so groß, dass der zentrale Einlass zum Quartier geschlossen werden musste. Viele Leute wichen auf die Uniwiese aus, die danach ein desolates Bild bot. „Bisher habe ich noch keine Lösung gesehen, die von der Wiese wegführt“, sagte Hammerich zur viel diskutierten Frage der Entlastungsfläche.

Sämtliche Orte, die als Alternative zum Grüngürtel infrage kommen könnten, seien geprüft und für ungeeignet befunden worden. Trotzdem werde man die Liste der Alternativen – „bis hin zum Stadion“ - noch einmal durchgehen, sagte Dirk Schmaul, der zuständige Leiter des Ordnungsamts. Er dämpfte aber gleich die Erwartungen.

„Einen Tod muss man sterben“, sagte er, jede Entscheidung bringe einen Nachteil mit sich. Konkrete Maßnahmen konnten er und Hammerich den Bezirksvertretern nicht mitteilen, sie verwiesen auf den Runden Tisch.

Kölner Ordnungsamt: „Ich würde am liebsten die Züge umleiten“

Wie man es dreht und wendet: Es bleibt das Grundproblem der andrängenden Massen von Menschen, von denen viele anreisen. „Ich würde am liebsten die Züge in andere Städte leiten“, sagte Hammerich. Viel wäre geholfen, wären weniger Leute betrunken.

„Ich wünsche mir von der Politik, sich beim Land für ein Alkoholverbot starkzumachen. Das wäre sehr hilfreich. Wir als Kommune können das nicht durchsetzen.“ Schmaul sagte, die Jugendlichen stünden durch die sozialen Medien unter dem Druck, dahin zu gehen, „wo man dabei sein muss“.

Und je mehr sich die Stadt bemühe, die Situation im Viertel zu entschärfen, umso größer sei der Reiz, gerade dort mitzumischen - in Schmauls Worten: „Wir bauen eine Burg auf, die erobert werden will.“ Im Übrigen seien die Menschen im Vergleich zu den Vorjahren weniger aggressiv und „ansprechbarer“ gewesen.

Zülpicher Straße: „Wir sind nicht die Saufmetropole“

Das Problem sei ein „gesellschaftspolitisches Thema“, kam es aus den Reihen der Politiker, die Eltern müssten stärker auf ihre Kinder einwirken. Der Karneval solle wieder „dezentral“ werden, dies sei Aufgabe der Karnevalsvereine, sagte ein anderer.

Die Stadt müsse in ihrer Außendarstellung klarmachen: „Wir sind nicht die Saufmetropole“, lautete eine weitere Forderung. Zu Wort kam auch Michael Naumann, Besitzer der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz. „Wir haben nicht die Aufgabe, 30.000 Menschen psychologisch zu betreuen“, befand er schroff. Die jungen Leute verhielten sich „konfrontativ“, und genauso gelte es zu reagieren.

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