Oberbürgermeister Torsten Burmester betonte bei der Veranstaltung auf dem Rathenauplatz die Bedeutung jüdischen Lebens in Köln.
Warnung vor AntisemitismusHunderte Menschen feiern Israel-Tag und jüdisches Leben in Köln

Der jährliche Israel-Tag auf dem Rathenauplatz findet seit 20 Jahren statt.
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Mit einer Liebeserklärung an den jüdischen Staat hat Michael Rado vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln am Mittwoch den 20. Kölner Israel-Tag eröffnet. Mehrere Hundert Menschen waren auf den von Polizeikräften gesicherten Rathenauplatz gekommen, um das 78-jährige Bestehen des Staates Israel zu feiern. Zudem galt es zu würdigen, dass die Deutsch-Israelische Gesellschaft in diesem Jahr 60 wird.
Er liebe Israel vor allem, weil es die Heimat der Familie seiner Frau und ihnen daher wie ein zweites Zuhausem sei, sagte Rado. Als weiteren Grund führte er an, dass die Israelis trotz aller Kriege seit der Staatsgründung glücklich seien: Im „World Happiness Report“ belege das Land den achten Platz. Auch in puncto Wissenschaft und technischer Innovation schneide das Land gut ab. So hätten etliche Personen mit israelischem Pass den Nobelpreis bekommen. In Israel sei der USB-Stick ebenso erfunden worden wie die Internettelefonie, und bei der Entsalzung von Meerwasser sei es Spitzenreiter. Freilich sei das Land – wie jedes andere auch – „nicht perfekt. Ich kann mich über eine Menge Dinge aufregen, die dort geschehen unter der aktuellen Regierung, die wirklich ein sehr eingeschränkter Sympathieträger ist.“
In Israel gebe es Korruption, Extremismus „und nicht jeder Soldat benimmt sich korrekt“, räumte Rado ein. Bei allem dürfe nicht vergessen werden, dass der Staat von Feinden umgeben sei. Die Programme von Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah und Huthis sowie das Regierungsprogramm des iranischen Regimes zielten allesamt auf die Vernichtung des Judenstaates ab. Dazu Rado: „Ich liebe Israel dafür, dass es sich zur Wehr setzt und dass es dadurch überlebt.“ Allerdings finde er es „schlimm, wie viel die Zivilbevölkerung in den Ländern drumherum zu erleiden hat“.
Burmester zeigt sich von Antisemitismus besorgt
An zahlreichen, im Karree aufgestellten Ständen präsentierten sich Vereine, Organisationen und Institutionen, darunter Einrichtungen der Synagogen-Gemeinde Köln wie die Begegnungszentren in Porz und Chorweiler. Vertreten waren unter anderen auch die Initiative Jewlif – Jüdisches Leben in Europa, der Karnevalsverein Kölsche Kippa Köpp, der TuS Makkabi, das NS-Dokumentationszentrum, der Partnerschaftsverein Köln – Tel Aviv-Yafo, die internationale zionistische Frauenorganisation Wizo und die Bündnisse gegen Antisemitismus Koblenz und Köln. Mit jüdischen, israelischen und weiteren Liedern unterhielten die israelische Sängerin Lior Peretz und die Berliner Band Olla.
Der Israel-Tag solle „ins Bewusstsein rufen, wie tief verwurzelt und identitätsstiftend das jüdische Leben für Köln war, ist und bleibt“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester und zeigte sich besorgt: Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe die Zahl antisemitischer Vorfälle in Köln um mehr als 30 Prozent zugenommen. Er setze sich weiterhin dafür ein, dass jeder Vorfall „mit aller Konsequenz und allen Mitteln des Rechtsstaates“ verfolgt werde, so Burmester. Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden werde alles Nötige unternommen, „um jüdisches Leben in Köln zu schützen und zu fördern“. Dies sei geboten in einer Stadt, die sich darum bemühe, das erste Bildungszentrum der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem außerhalb Israels zu beheimaten, und die mit dem Museum „Miqua“ jüdische Geschichte so sichtbar machen werde wie nur wenige andere europäische Städte.
Erinnerungen an Kölner Pionierfiguren
Vor dem grassierenden Antisemitismus warnte auch Karoline Preisler, die als Ehrengast geladen war. Sie ist dadurch bekannt geworden, dass sie sich nicht scheute, auf propalästinensischen Demonstrationen mit antisemitischer oder antiisraelischer Stoßrichtung alleine dagegenzuhalten, indem sie Schilder mit entsprechenden Botschaften hochhielt; dafür nahm sie heftige Anfeindungen bis hin zu Tätlichkeiten in Kauf. „Seit dem 7. Oktober ist etwas ins Rutschen gekommen“, sagte sie. „Der Antisemitismus ist dröhnend laut geworden, sichtbarer und aggressiver.“ Statt wegzuschauen gelte es, aufzustehen „für jüdisches Leben in Deutschland und überall auf der Welt, für die Sicherheit Israels und für unsere gemeinsame Freiheit.“
Johannes Platz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Köln der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, erinnerte daran, dass die Stadt eine bedeutende Wiege des Zionismus war, mit Pionierfiguren wie Moses Hess, Max Isidor Bodenheimer und David Wolffsohn. „Wir stehen zu diesem Erbe und agieren in diesem Licht in der Gegenwart“, sagte er. Die Kölner zionistische Tradition sei Auftrag und Verpflichtung zugleich. Platz schloss mit den Worten: „Lang lebe Israel. Möge Israel immer über seine Feinde siegen.“

