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Kölner „Orange Days“133 Paar Schuhe als Zeichen für getötete Frauen

Lesezeit 4 Minuten
Die Kölner „Orange Days“ am 25. November am Bierbrunnen in der Schildergasse

Die Kölner „Orange Days“ am 25. November am Bierbrunnen in der Schildergasse

In der Schildergasse haben verschiedene Initiativen auf das Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. 

Einen ungewohnten Anblick bot am Samstagnachmittag der Bierbrunnen in der Schildergasse. 133 orangefarbene Schuhpaare standen um ihn herum. Außerdem waren Bänke von derselben Farbe aufgestellt, auf deren Rückenlehnen diese Botschaften standen: „Kein Platz für häusliche Gewalt“ und „Kein Platz für sexuelle Belästigung“. Anlass der Installation, zu der ein Info-Stand gehörte, war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, an dem die „Orange Days“ beginnen.

Die Kölner „Orange Days“ sind ein Kooperationsprojekt des städtischen Amts für Gleichstellung von Frauen und Männern, des Arbeitskreises „Gegen Gewalt an Frauen“ und der Kölner Frauenservice-Clubs von „Zonta International“ und „Soroptimist International“.

„Orange Days“: 133 Schuhpaare auf der Kölner Schildergasse

„Wann setzt Du ein Zeichen?“, lautete das Motto der Aktion. Die 133 Schuhpaare standen symbolisch für die 133 Frauen, die dem Bundeskriminalamt zufolge 2022 in Deutschland von ihrem Partner oder früheren Lebensgefährten getötet wurden. Das seien 20 mehr als im Vorjahr, sagte Petra Engel, kommissarische Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. „Jedes dieser Schuhpaare steht für ein unermessliches Leid. Und die traurige Realität ist, dass es einen deutlichen Anstieg der gewalttätigen Attacken gegen Frauen gibt.“

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Statistisch gesehen erlebe mindestens jede vierte Frau einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft. Täglich fielen 569 Personen häuslicher Gewalt zum Opfer, darunter 469 Frauen. Oftmals werde ihnen auch noch die Schuld gegeben. Wichtig sei, den Frauen zuzuhören „und vor allen Dingen, dass wir ihnen glauben“. Die Männer, die Gewalt ausüben, seien „Straftäter, nicht die Frauen“. Gewalt gehe aber auch von Familienangehörigen, Freunden und anderen Männern aus, so Engel. „Diese Gewalt ist fest in unseren patriarchalen Strukturen verankert und darf nicht hingenommen werden.“

Viele Opfer häuslicher Gewalt trauen sich nicht zur Beratung

„Wir müssen das Thema weiter enttabuisieren“, sagte Margret Schnetgöke von der Beratungsstelle „FrauenLeben“, die dem Arbeitskreis „Gegen Gewalt an Frauen“ angehört. Der Beratungsbedarf wegen sexueller oder häuslicher Gewalt sei schon immer hoch gewesen. Und das „Dunkelfeld“ sei groß, weil viele Opfer sich nicht trauen würden, zur Beratung zu gehen. Das Problem häuslicher Gewalt ziehe sich „durch alle Gesellschaftsschichten“, betonte Gudrun Sievers-Flägel von Soroptimist International Köln. Große Bedeutung komme der Aufklärung und Prävention zu.

Der Serviceclub verteilte Flyer mit Informationen dazu, wie sich „Anzeichen einer toxischen Beziehung erkennen“ lassen. Zu den Mitgliedern des Arbeitskreises gehört auch das Kölner „Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben“. Dessen Projektleiterin Eva Konieczny machte besonders auf die Gewalt an Frauen mit Behinderung aufmerksam. Musikalisch begleitet wurde die Aktion in der City von Martina Augl und Martin Thiedeke.

Kölner Gebäude werden orange angeleuchtet

Als Zeichen der Solidarität wurden etliche Gebäude in Köln orange beleuchtet, von der Lanxess-Arena über das Rheinenergie-Stadion und die Kreissparkasse und bis hin zur Sporthochschule. Zu den weiteren Veranstaltungen der „Orange Days“ zählt unter anderem die Wanderausstellung „Wir schweigen nicht“, die etwa patriarchale Gewalt, Zwangsheirat, Kinderehen und weibliche Genitalverstümmelung thematisiert und noch bis zum 5. Dezember im Bürgerhaus Stollwerck zu sehen ist.

Für den Samstagabend hatte „Lila in Köln“, ein Bündnis autonomer Frauenprojekte, zum Protestmarsch gegen „die allgegenwärtige geschlechtsspezifische Gewalt“ und für „das Recht auf ein gewaltfreies, gleichberechtigtes, freies und selbstbestimmtes Leben“ aufgerufen. Unter dem Motto „Wir nehmen uns die Nacht“ zogen ein paar Hundert Menschen vom Hans-Böckler-Platz zum Breslauer Platz. „Gewalt gegen Frauen ist so alt wie das Patriarchat“, sagte bei der Auftaktkundgebung eine Frau vom „Offenen feministischen Treffen“ und kritisierte zum Beispiel die Prostitution: „Freier sind Täter, und Frauen sind keine Ware!“ Es gelte, Patriarchat und Kapitalismus zugleich zu bekämpfen.

Eine Frau von der Informations- und Beratungsstelle „Agisra“ wandte sich mit scharfen Worten gegen die aktuelle Asylpolitik in Deutschland und der EU. Nachdem eine Rednerin, die für den Iranisch-Deutschen Frauenverein sprach, die katastrophale Lage der Frauen im Iran angeprangert hatte, skandierte die Menge den Slogan „Frau, Leben, Freiheit.“ In den Reden der Abschlusskundgebung ging es unter anderem um die Situation von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten.

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