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Kölner Außengastro
Es braucht mehr als pauschale Bettelverbote

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Auch in Köln gibt es immer mehr verelendete Menschen, die betteln (Symbolbild).

Auch in Köln gibt es immer mehr verelendete Menschen, die betteln (Symbolbild).

Betteln im Umfeld der Außengastronomie zu untersagen wie in Dortmund, löst die Kölner Probleme nicht, meint unser Redakteur Michael Fuchs

Braucht Köln ein Bettelverbot in der Außengastronomie wie in Dortmund? Um diese Frage zu klären, hilft ein Blick in die Geschichte. Im Mittelalter gehörten Bettler im „hillije Kölle“ zum Stadtbild dazu und erfüllten eine wichtige Funktion. Wer den Bedürftigen Almosen gab, sicherte sich durch Wohltätigkeit sein eigenes Seelenheil. Der Satz „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt“ war den Gläubigen nur allzu gut bekannt. Und so sah sich selbst der größte Geizhals verpflichtet, den Armen zu geben – wollte er seine Chancen auf das ewige Leben nicht zunichte machen. Im Gegenzug beteten die Bettler für das Seelenheil ihrer Spender. Salopp gesagt, könnte man von einer Win-win-Situation sprechen.

Doch die Mildtätigkeit, für die Köln und seine Bürger über Jahrhunderte bekannt waren, führte auch zu Problemen. Die reiche Stadt lockte schließlich so viele Bettler an, dass sich der Rat 1435 veranlasst sah, eine Bettelordnung einzuführen. Fortan war es Bettlern etwa untersagt, ihre Krankheiten oder Verstümmelungen zur Schau zu stellen, in der Hoffnung, bei potenziellen Spendern mehr Mitleid zu erregen. Nach den Maßstäben der heutigen Kölner Stadtordnung, die seit 2014 Regeln für die öffentliche Sicherheit und Ordnung definiert, fiele diese Praxis vermutlich unter die Kategorie „aggressives Betteln“ und wäre damit ebenso verboten.

Die mittelalterlichen Regeln zielten auch darauf ab, auswärtige Bettler aus Köln fernzuhalten. Nur arme Einheimische durften in der Stadt um Almosen bitten. Dazu benötigten sie eine Erlaubnis vom Rat oder einer Pfarrgemeinde. Fremde Bettler wurden bei Androhung schwerer Strafen aus der Stadt vertrieben.

Am Problem der offenen Drogenszene ändert ein Bettelverbot nichts

Vor diesem Hintergrund mag eine Fünf-Meter-Sperrzone für Bettler im Umfeld der Außengastronomie wie eine Lappalie wirken. Doch sie stellt ebenfalls eine rigide Form der Ausgrenzung dar. In Dortmund hat der Stadtrat ein solches Bettelverbot testweise eingeführt, weil man der Probleme offenbar nicht anders Herr wurde. Gastronomen und Gäste hatten sich zuvor beschwert, sie würden an Tischen von Restaurants und Cafés häufig belästigt und regelrecht belagert – eine Erfahrung, die auch in Köln immer mehr Menschen machen.

Die Stadt Dortmund spricht von rund 20 „Intensivtätern“, die in der Innenstadt teils aggressiv betteln würden. Gegen dieses Verhalten hätten Ordnungsamt und Polizei allerdings auch ohne neue Paragraphen vorgehen können. Eine Fünf-Meter-Sperrzone erleichtert aber den Ordnungskräften die Arbeit. Denn seitdem ist klar, dass niemand mehr legal an einen Tisch herantreten kann, um zu betteln – egal, ob er sich völlig daneben benimmt oder einfach höflich um Geld bittet.

Kölner Ordnungsdienst könnte Präsenz zeigen

Manche Wirte in Köln wünschen sich eine solche Sperrzone um ihre Tische. Andere haben bereits mit Blumenkübeln oder Stellwänden dafür gesorgt, dass die Kundschaft auf der Außenterrasse möglichst von den Auswüchsen der Großstadt verschont bleibt. Am Problem der offenen Drogenszene mit all ihren Folgeerscheinungen ändert das jedoch nichts. Und was käme als Nächstes? Eine Bannmeile für Bettler vor Geschäftseingängen? In Fußgängerzonen? Die Kritik sozialer Initiativen, der öffentliche Raum drohe für die Schwächsten der Gesellschaft zur Tabuzone zu werden, ist nicht von der Hand zu weisen.

Es braucht mehr als pauschale Verbote, um die Ursachen der Bettelei zu bekämpfen. Hilfsangebote für drogenkranke und wohnungslose Menschen gehören dazu. Den berechtigten Interessen der Gastronomen und Gäste kann die Stadt Rechnung tragen, indem sie den Ordnungsdienst Präsenz zeigen lässt und Verstöße gegen die Stadtordnung konsequent ahndet.