LandtagswahlHoffnung trotz großer Enttäuschung bei der Kölner SPD

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Enttäuschung in den Gesichtern von Parteichefin Christiane Jäger und Fraktionschef Christian Joisten

Köln – Die Enttäuschung über das eigene schlechte Abschneiden bei der Landtagswahl stand den Sozialdemokraten bei ihrer Wahlparty im Stapelhaus in der Altstadt am Sonntag deutlich ins Gesicht geschrieben. Das Spitzenpersonal hatte unmittelbar vor Verkündung der ersten Prognose um 18 Uhr in der ersten Reihe Platz genommen und diese fast reglos zur Kenntnis genommen.

Fraktionschef Christian Joisten bewegte seinen Kopf beim Blick auf den TV-Bildschirm immer wieder von oben nach unten, ganz so, als wolle er ob der SPD-Niederlage zustimmend nicken. „Die bundespolitische Stimmungslage ist ganz offensichtlich nicht an uns vorbeigegangen“, sagte Joisten. Er vermute, dass viele Wählerinnen und Wähler ihre Erst- und Zweitstimmen zwischen zwei Parteien aufgeteilt hätten.

Lob für Einsatz der vielen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer

Joisten lobte den Einsatz der vielen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer innerhalb der eigenen Partei. „Wir haben super gekämpft, auch wenn der Abstand zur CDU am Ende größer war als zunächst gedacht“, so Joisten.Hatte es zunächst noch die Hoffnung gegeben, das Kölner Ergebnis könnte möglicherweise besser sein als das landesweite Ergebnis, machte sich in diesem Punkt ebenfalls Ernüchterung breit. Die SPD verlor auch in Köln im Vergleich zu 2017 mehrere Prozentpunkte und musste Platz eins an die Grünen abtreten.

Alles zum Thema Jochen Ott

„Ein deutlicher Zuwachs bei den Grünen in den Großstädten war zu erwarten“, sagte Joisten, der am frühen Abend noch eine Rest-Option auf eine Regierungsbeteiligung seiner Partei sah. Zu einer rot-grünen Mehrheit im Landtag fehlten zu diesem Zeitpunkt lediglich zwei Sitze. Eine Ampelkoalition mit Beteiligung der FDP hätte sogar über eine komfortable Mehrheit verfügt. „Aus Berlin wird es für diese Konstellation Rückenwind geben“, sagte Christian Joisten. Die Schnittmengen zwischen SPD und Grünen seien gerade in Nordrhein-Westfalen größer als die zwischen CDU und Grünen.

Christiane Jäger blickt mit Sorge auf Wahlbeteiligung

„Wir haben auf Landesebene enttäuscht, aber die Landesregierung ist mit der Klatsche für die FDP abgewählt“, sagte Parteichefin Christiane Jäger. Die niedrige Wahlbeteiligung bereite ihr „große Sorgen“. „Das können wir nicht zulassen – alle demokratischen Parteien müssen sich das genau anschauen und gemeinsam überlegen, was wir unternehmen müssen, damit sich das wieder ändert“, so Jäger.

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Zu diesem Zeitpunkt hoffte die Parteichefin darauf, dass möglichst viele der SPD-Direktkandidaten ein Landtagsmandat gewinnen würden und dass die Briefwahlergebnisse das positiv beeinflussen könnten. Um 21.45 Uhr lagen mit Lena Teschlade (Wahlkreis 16 Köln IV) in Chorweiler und Carolin Kirsch (Wahlkreis 19 Köln VII) in Mülheim jedoch nur zwei der sieben Kandidatinnen vor der Konkurrenz. 2017 konnte die SPD noch vier Direktmandate erringen.

Teschlade und Kirsch kandidierten statt Kossiski und Börschel

Lena Teschlade kandidierte in Chorweiler anstelle des bisherigen Landtagsabgeordneten und ehemaligen Kölner Oberbürgermeisterkandidaten Andreas Kossiski, der seine politische Karriere beendete. Carolin Kirsch trat anstelle des ehemaligen SPD-Fraktionschefs im Kölner Stadtrat und bisherigen Landtagsabgeordneten Martin Börschel an, der sich ebenfalls aus der Politik zurückziehen will.

Der ehemalige Parteichef und Landtagsabgeordnete Jochen Ott unterlag aller Voraussicht nach in Ehrenfeld deutlich seinem Grünen Mitwerber Arndt Klocke – obwohl er sich als schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag in den vergangenen fünf Jahren profilieren konnte. Ott wird allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem erneut in den Landtag einziehen, da er über den sehr aussichtsreichen Platz fünf auf der Landesliste der SPD abgesichert ist.

Christian Joisten liefert sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Fraktionschef Christian Joisten lieferte sich in Porz ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten, der sich dort 2017 bereits gegen Jochen Ott durchsetzen konnte, der damals noch in diesem Wahlkreis angetreten war.

Florian Schuster, Berit Blümel und Lisa Steinmann lagen um 21.45 Uhr in ihren jeweiligen Wahlkreisen hinter ihren Mitwerbern zurück.

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