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Wildblumen statt RasenDenkmalgeschützter Pauliplatz in Braunsfeld soll zur Blühwiese werden

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Die Rasenfläche auf dem Pauliplatz in Braunsfeld soll zu einer Blühwiese werden – einige Anwohner stört das.

Die Rasenfläche auf dem Pauliplatz in Braunsfeld soll zu einer Blühwiese werden – einige Anwohner stört das.

Der Rasen am Pauliplatz in Braunsfeld soll in eine artenreiche Blumenwiese umgewandelt werden. Das gefällt nicht jedem in der Siedlung.

Akkurat gestutzter Rasen, umrahmt von kleinen Bäumchen, dahinter malerische Hausfassaden mit Sprossenfenstern, Giebeln und Erkern: So präsentierte sich der Pauliplatz in Braunsfeld auf historischen Fotografien aus der Kaiserzeit. Erbaut 1913/14 von Architekt Fritz Klein zur Kölner Werkbund-Ausstellung, gilt die Siedlung als Musterbeispiel für das Prinzip der Gartenstadt und steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Die schmucken Hausfassaden sind geblieben, doch der Rasen soll bald Geschichte sein. Denn die Stadt Köln wird hier bald „eine artenreiche Wiese für Insekten“ anlegen, kündigt ein Schild an. Der Zugang zu der kleinen Grünfläche ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, das Gras ist hoch gewachsen und offensichtlich schon länger nicht gemäht worden.

Anwohner Gerrit Schumann (52), der seit 19 Jahren in der Siedlung lebt, ist von den Plänen der Stadt nicht begeistert. Artenreiche Wiesen seien ja an sich eine gute Sache, so der Unternehmer, „aber muss es ausgerechnet hier sein? Das passt doch gar nicht ins Bild dieser kleinen, denkmalgeschützten Grünanlage.“ Seine Befürchtung: Ist der Rasen erst einmal umgepflügt, damit an seiner Stelle Blumen wachsen können, könnten Anwohner die Grünfläche nicht mehr betreten. Dann sei der Bewuchs zu hoch, schließlich würden Blühwiesen nur zweimal im Jahr gemäht. „Warum legt die Stadt nicht mehr blühende Wiesen in den großen Parks an? Dort ist Platz genug dafür“, betont Schumann.

Anwohner spendeten 12.000 Euro für die Erneuerung des Pauliplatzes

Was ihn und einige andere Nachbarn irritiert: Als die ehemals verwilderte Grünanlage im Jahr 2011 umfassend saniert werden sollte, hatte die Stadt Köln mit Blick auf ihre leeren Kassen die Bewohner der Siedlung gebeten, sich finanziell zu beteiligen. Mit rund 12.000 Euro spendeten die Nachbarn 40 Prozent der Gesamtkosten von 30.000 Euro, auch die Kölner Grün Stiftung unterstützte das Projekt. Die Stadt dankte für die „großzügigen Spenden engagierter Anwohner“ und verpflichtete sich, die Pflege der Grünfläche dauerhaft zu übernehmen. Bei der Sanierung hatte man die Anlage aus der Kaiserzeit weitgehend originalgetreu wiederhergestellt – mit Rasen, Ligusterhecke und einer Reihe von Zierapfelbäumchen. „Wurzelunkräuter“ müssten beseitigt und die Rasenfläche wiederhergestellt werden, erklärte das Grünflächenamt damals.

„Dass die Stadt diese denkmalgerechte Gestaltung jetzt aufgibt, ohne jegliche Beteiligung der Anwohner, ist schon ein starkes Stück. Statt für mehr Sauberkeit und Platz für Begegnung zu sorgen, werden Haushaltsmittel für so etwas verschwendet. Und ich sehe ja jetzt schon, wie der Platz verwahrlost“, meint Gerrit Schumann. Auch seine Nachbarn Rebecca und Patrick Pihan kritisieren die Stadt: „Der Pauliplatz ist ein historischer und bewusst gestalteter Aufenthaltsort - keine Fläche, die man einfach sich selbst überlassen kann. Der Platz steht unter Denkmal- und Kulturlandschaftsschutz. Gerade deshalb hätten wir uns einen sensiblen Umgang gewünscht und keine Maßnahmen nach dem Motto: umzäunen und verwildern lassen. Die eigentlichen Probleme sind mangelnde Pflege und Hundekot - nicht, dass dort zu wenig Wildwuchs existiert.“

Zwei Männer und eine Frau stehen auf einer Grünfläche am Pauliplatz in Köln-Braunsfeld.

Die Anwohner Patrick und Rebecca Pihan sowie Gerrit Schumann (v. l.)  sehen die Pläne zur Umgestaltung des Pauliplatzes kritisch.

Schumann fragte bei der Stadtverwaltung nach. Antwort: Selbst wenn Anwohner Geld für den Pauliplatz gespendet hätten, könne die Stadt „über eine Umgestaltung entscheiden, ohne die Bürgerschaft mit einzubeziehen. Es wird ohnehin nicht möglich sein, alle Anwohner zufrieden zu stellen, somit wäre eine entsprechende Beteiligung nicht zielführend.“ Die Umgestaltung erfolge „auch als Reaktion auf die Unfähigkeit bzw. den Unwillen von Hundehaltern, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu entsorgen“. Dadurch entstehe „eine enorme Geruchsbelastung, zu der uns zahlreiche Beschwerden erreichen. Vor diesem Hintergrund wurde entschieden, die Fläche umzunutzen und ökologisch aufzuwerten.“

Auf Nachfrage beim Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege erfuhr Schumann, dass die Denkmalbehörde an der Entscheidung für die Blühwiese nicht beteiligt wurde. Sie teilte mit: „Aus denkmalpflegerischer Sicht stellt eine veränderte Bepflanzung zunächst keinen ‚massiven‘ Verstoß gegen den Denkmalschutz dar.“ Auf Anfrage dieser Redaktion erklärt das städtische Presseamt, man habe die Denkmalpflege „nicht mit einbezogen, da die Maßnahme den Denkmalschutz in keiner massiven Tiefe berührt“. Das klingt, als werde mit der Umgestaltung des Pauliplatzes durchaus gegen den Denkmalschutz verstoßen – aber nicht genug, um sie zu verhindern.

Vorschlag für Blühwiese in Braunsfeld kam vom Grünflächenamt

Wegen der Verschmutzung durch Hundekot seien sowohl die Nutzung als auch die Pflege der Grünanlage „nur noch eingeschränkt möglich“ gewesen, betont die Stadt. „Häufigere Kontrollen durch das Ordnungsamt waren nicht zielführend.“ Die Bezirksvertretung Lindenthal hatte die Anlage der artenreichen Wiese am 23. Juni 2025 auf Vorschlag des Grünflächenamts beschlossen. Dafür wurden 20.000 Euro bereitgestellt.

Das sei viel Geld angesichts der prekären Haushaltslage der Stadt Köln, meint Schumann. Er kritisiert, dass „insgesamt 150.000 Euro für ähnliche Maßnahmen im Bezirk Lindenthal verschleudert werden“. So bewilligte die Politik 2025 im Rahmen der so genannten Stadtverschönerungsmittel auch 15.000 Euro für die Anlage einer kleinen, artenreichen Wiese an der Diepenbeekallee in Weiden.

Die Stadt verteidigt die Umgestaltung des Pauliplatzes: „Das Erscheinungsbild der Anlage wird stark aufgewertet. Wo bisher circa viermal im Jahr gemäht werden konnte und somit bereits in der Regel der Rasen die meiste Zeit über das Jahr höher stand, entsteht nun eine artenreiche Wiese, welche den Grundcharakter der Anlage nicht verändert, aber positive Effekte erzielt.“ Neben einem besseren Erscheinungsbild gebe es ökologische und klimatische Vorteile „durch die Förderung der Vielfalt in Bezug auf Flora und Fauna“.

Befürchtungen von Anwohnern, die Grünfläche werde künftig eingezäunt, um Hunde fernzuhalten, trat die Stadt entgegen. Man werde lediglich für rund vier Wochen eine mobile Absperrung an der Nordseite des Pauliplatzes aufstellen, um die Fläche während der Keimung der artenreichen Wiese zu schützen. Der Platz werde den Bürgern „weiterhin als aufgewertete, öffentliche Anlage zur Verfügung stehen“.