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„Eine Perspektive“SPD erwägt ganz neuen Trainingsplatz für 1. FC Köln

5 min
Nächstes Jahr will der FC mit dem Bau seines Leistungszentrums beginnen.

Nächstes Jahr will der FC mit dem Bau seines Leistungszentrums beginnen. 

Echte Perspektive oder doch nur der x-te Anlauf? Die SPD will die Platznot des 1. FC Köln lindern – nachdem der Klub die Partei kritisiert hatte.

Der Stadtrat genehmigt Fußball-Erstligist 1. FC Köln nahe dem Geißbockheim den Bau dreier Fußballplätze und der Klub bezahlt sie im Gegenzug. Das ist in Kurzform der Vorschlag der SPD-Fraktion, den sie im Stadtrat am 2. Juli zur Abstimmung stellen will.

Die Idee der SPD: So könnte der Klub losgelöst vom Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster rund um die einst angedachten Fußballplätze auf der Gleueler Wiese möglicherweise schneller vorankommen. Der FC sieht „endlich eine Perspektive“ für seine Platznot – aber ob es für die Pläne in der jetzigen Form eine Mehrheit gibt, ist offen.

Vorige Woche hat der Klub angekündigt, in jedem Fall nächstes Jahr mit dem Bau eines Leistungszentrums für 50 bis 60 Millionen Euro auf einem Fußballplatz neben dem Franz-Kremer-Stadion zu beginnen. Damit würde er den ersten Teil seiner Ausbaupläne umsetzen. Der zweite wären die neuen Plätze. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist der Vorschlag der SPD-Fraktion?

Sie will drei Satellitenplätze für den 1. FC Köln ermöglichen. Der Begriff steht für geplante neue Fußballplätze, die nicht direkt am Geißbockheim sind, sondern in der Nachbarschaft. Der FC hatte den Begriff und das Konzept der Satellitenplätze 2024 erstmals selbst genannt.

Diesen alternativen Plan hatte der FC erwogen, weil die 1-A-Lösung aus Sicht des Klubs, drei neue Plätze auf der Gleueler Wiese, seit 2020 Teil eines Gerichtsprozesses ist und das OVG vorige Woche den Verhandlungstermin auf unbestimmte Zeit verschoben hatte. 

Das Geißbockheim mit dem Trainingsplatz eins (links) und einem Teil des Traingsplatzes zwei (ganz links im Bild).

Das Geißbockheim mit dem Trainingsplatz eins (links) und einem Teil des Traingsplatzes zwei (ganz links im Bild).

Welche Plätze bringt die SPD ins Spiel?

Erstens, und das ist neu: Den zuletzt nicht genutzten sogenannten Platz zwei direkt neben dem Profi-Trainingsplatz am Geißbockheim. Er ist ein früherer Rasenplatz und soll in einen Hybridrasen mit Drainage zur Entwässerung und Flutlicht umgewandelt werden, also eine Mischung aus natürlichem und künstlichem Rasen.

Zweitens, und nicht neu in der Diskussion: Der Ascheplatz an der Eichenkreuzanlage nördlich der Gleueler Wiese und rund 1,5 Kilometer vom Geißbockheim entfernt. Der Platz soll ein Kunstrasen werden, ebenfalls mit Drainage, Kabinen und möglicherweise Flutlicht.

Blick auf den als Kampfbahn bezeichneten Rasenplatz der Bezirkssportanlage Eichenkreuzanlage nahe des Haus am See.

Blick auf den als Kampfbahn bezeichneten Rasenplatz der Bezirkssportanlage Eichenkreuzanlage nahe des Haus am See.

Und drittens, ebenfalls nicht neu: Die sogenannte Kampfbahn, der Rasenplatz liegt rund 1,8 Kilometer vom Geißbockheim entfernt und rund 300 Meter nördlich des Ascheplatzes. Dort soll ein Hybridplatz mit Drainage und möglicherweise Flutlicht entstehen.

Und das geht so einfach im Landschaftsschutzgebiet?

Das ist offen. Auch die SPD weist daraufhin, dass rechtliche Fragen geklärt werden müssen.

Was ist mit dem Breitensport, der die Plätze jetzt schon teils nutzt?

Er soll den umgewandelten Kunstrasenplatz am Wochenende und werktags nach 19.30 Uhr kostenfrei nutzen, wenn der FC ihn nicht braucht. Ebenso soll der Breitensport die umgebaute Kampfbahn nutzen dürfen, den Platz neben den Profis aber nicht.

Der sportpolitische Sprecher der CDU, Eric Haemig.

Der sportpolitische Sprecher der CDU, Eric Haemig.

Wer soll die Umbauten zahlen? Die Stadt ist in einer schwierigen Finanzlage.

Der FC-Geschäftsführer Philipp Türoff sagte: „Er ist ein pragmatischer Kompromiss und schafft eine echte Win-win-Situation: Wir nehmen als 1. FC Köln eigenes Geld in die Hand, um veraltete städtische Sportanlagen zu ertüchtigen.“ Zu den Kosten gibt es noch keine Aussagen.

Warum kommt der Antrag gerade jetzt?

Durch die Vertagung vor Gericht wächst der Druck auf die Beteiligten. Der FC hat gerade wieder angekündigt, verbal mehr in die Offensive zu gehen, was in der Vergangenheit allerdings selten erfolgreich war. 

Gibt es noch andere Gründe?

Am Mittwoch äußerte sich Türoff positiv zur SPD, doch das war vor sechs Wochen noch ganz anders. Da hatte Türoff SPD-Oberbürgermeister Torsten Burmester und auch der SPD trotz ihrer langjährigen Unterstützung der FC-Ausbaupläne fehlende Aktivität vorgeworfen: „Die Rhetorik der SPD und des Oberbürgermeisters im Wahlkampf war positiv, an der Handlung fehlt es noch.“ Burmester hatte im Wahlkampf und danach die Nähe der Klubbosse gesucht, doch bisher konnte er keine spürbaren Fortschritte beim Ausbau präsentieren. 

Und das ist jetzt die große Lösung?

Das bleibt abzuwarten. Das frühere Mehrheitsbündnis von Grünen, CDU und Volt hatte im Oktober 2024 schon beschlossen: „Die Verwaltung wird beauftragt, zeitnah zusätzlich Trainingskapazitäten zu schaffen.“ Das hat in mehr als eineinhalb Jahren nicht funktioniert. Der jetzige Antrag soll durch das konkretere Nennen der Plätze laut SPD verbindlicher sein. 

Drohen Probleme?

Ja, bei der Kampfbahn. Vor zwei Jahren beschlossen Grüne, CDU und Volt „keine baulichen Änderungen“. Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin erneuerte diese Haltung am Mittwoch. Die CDU äußerte sich konkret zur Kampfbahn nicht, ihr sportpolitischer Sprecher Eric Haemig sagte: „Die Verwaltung muss nun dafür sorgen, dass die notwendigen Alternativplätze rechtzeitig zur Verfügung stehen.“ Nun gibt es kein Bündnis im Rat mehr, die drei großen Fraktionen Grüne (22 Sitze von 90), CDU und SPD (je 18) arbeiten aber etwa bei Personalfragen zusammen.

Der sportpolitische Sprecher der SPD, Oliver Seeck, sagt, seine Fraktion reiche den anderen die „Hand zur Mitarbeit – nun aber ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen.“

So bleibt aktuell offen, ob es für den Umbau der Kampfbahn eine Mehrheit gibt – und ob dort Flutlicht, Hybridrasen und Drainagen erlaubt sind. Das bezweifeln Beteiligte. Die Verwaltung kündigte eine „eingehende Prüfung“ an, falls der Rat das beschließe. „Da es sich dabei  aber um sehr komplexe baurechtliche und naturschutzrechtliche Fragestellungen handelt, ist diese Frage unter Vorwegnahme dieser Prüfung nicht zu beantworten.“

Was noch?

Der Trainingsplatz zwei neben dem der Profis ist im alten Bebauungsplan von 2020 als Ausgleichsfläche für die neuen Plätze auf der Gleueler Wiese ausgewiesen. Die Idee: Der Rasen soll vom Sport- zum Gebrauchsrasen umgewandelt werden, um die einst geplanten Fußballplätze samt Zäunen und Kabinen auf der Gleueler Wiese zu kompensieren.

Heißt: Wäre der Plan durch ein neues OVG-Urteil wirksam, müsste man prüfen, ob man auf dem Zweier-Platz überhaupt einen Fußballplatz anlegen darf.