Der Dezernent für Stadtentwicklung erläutert bei seinem Besuch in der Bezirksvertretung Lindenthal seinen Traum von der „15-Minuten-Stadt“.
Visionen von der WeststadtAndree Haack stellt sich Fragen der Lindenthaler Politiker

Andree Hack (l.) sitzt neben dem Lindenthaler Bezirksbürgermeister Roland Schüler.
Copyright: Susanne Esch
Alle träumen von der „15-Minuten-Stadt“. Diese soll gemäß Auskunft von Andree Haack in der „Weststadt“ Realität werden. Unter diesem Titel wird das riesige Areal zwischen Aachener Straße, Militärring, Venloer Straße und Gürtel gerade entwickelt: Wo ehemals vor allem Gewerbe angesiedelt war, entstehen große Wohn- und Bürokomplexe. Wenn die fertige Weststadt dem Vorbild der „15-Minuten-Stadt“ genügen soll, müssten dort später alle essenziellen Einrichtungen des täglichen Bedarfs innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein, also der Arbeitsplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Bildungs- sowie Gesundheitseinrichtungen und Freizeitflächen.
Low Line soll die grüne Route durch die Weststadt werden, analog dem Vorbild der High Line in New York
Als wesentliches Element einer solchen Entwicklung der Westadt sprach Haack die geplante Fuß- und Radverbindung, die „Low Line“ an. Nach dem Beispiel der „High Line“ in New York benannt, soll sie wie diese einer ehemaligen Bahnlinie verlaufen, und zwar beginnend am Ehrenfelder Bahnhof und enden am Militärring. Sie soll so einen Weg durch das große Areal, zu dem Ehrenfelder und Lindenthaler Stadtviertel gehören, bieten und zu einem neuen Park im Herzen des Gebietes. Das Problem: Die Grundstücke, über die die Low Line verlaufen soll, gehören zum großen Teil nicht der Stadt. Erforderlich sind also Verhandlungen mit den Grundstücksinhabern: Man müsse den Projektentwicklern vermitteln, dass sie an einer Seite jeweils 10 bis 20 Meter dafür Platz ließen. „Wir können die Low Line über städtebauliche Verträge absichern“, versprach Haack, „so dass vielleicht erste Teilbereiche entwickelt werden, wie Puzzlestücke, die man irgendwann mal zu einem Puzzle zusammensetzen kann.“
Das Schaffen von Wohnraum stehe bei der Entwicklung im Fokus, sagte Haack. Man müsse aber gleichzeitig darauf achten, nicht die wenigen noch vorhandenen Gewerbeflächen für Wohnungsbauprojekte zu opfern. „Die gewerblichen Inseln drohen gerade wegzuschrumpfen und damit geht natürlich auch ein wenig die ortsnahe Versorgung der Bevölkerung mit wirtschaftlichen Leistungen verloren“, so Haack. Insbesondere das Handwerk sei sehr stark gebeutelt, weil es kaum noch adäquate Flächen in der Stadt fände. Vom Grundsatz her solle Gewerbefläche also als solche erhalten bleiben.
Etwas anderes gelte für Büros, die in der Weststadt auch entstehen. Da sei Augenmaß erforderlich: Spätestens seit Corona und dem Trendwechsel hin zum Homeoffice gehen die Nutzungszahlen zurück, erläuterte Haack „Wir hatten in Köln immer eine Leerstandsquote an Büros von zweieinhalb bis dreieinhalb Prozent“, sagte Haack. Die liege mittlerweile bei etwa 5,5 Prozent. Fachleute würden davon ausgehen, dass ein funktionierender Markt einen Leerstand von 3 bis 5 Prozent benötige, damit umziehende Unternehmen schnell einen neuen Standort finden.
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Bürogebäude sind nur in Zentrumslage sinnvoll
Neue Büroprojekte seien nur in zentralen Lagen sinnvoll. In den städtischen Randlagen würde es in Zukunft vermehrt Leerstände geben. „Und da bin ich dann durchaus auch bereit, darüber zu diskutieren, ob man diese Leerstände vielleicht zum Wohnen umnutzen kann“, betonte der Dezernent. Man könne das aber nicht mit jedem Wohngebäude tun. Die nötigen Wasseranschlüsse zu installieren sei beispielsweise unter Umständen schwierig. Am Ende sei die Frage, welche Kosten der Umbau auslöse und zu welchem Preis man ihn später anbieten kann.
