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Politik zum Markt auf dem Rudolfplatz„Nicht so lange mit Bürokratie überziehen, bis am Ende niemand mehr Lust hat“

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Der Markt auf dem Rudolfplatz am 30. August.

Der Markt auf dem Rudolfplatz am 30. August

Die Politik fordert erneut rechtssichere Rahmenbedingungen für den abendlichen Wochenmarkt auf dem Rudolfplatz.

Die verzwickte Situation rund um den abendlichen Wochenmarkt auf dem Rudolfplatz beschäftigt auch die Kölner Politik. Wie berichtet, klagte der Veranstalter, die Deutsche Marktgilde, gegen eine Anordnung der Stadt, nach der 50 Prozent des Marktangebots aus unverarbeiteten Lebensmitteln bestehen müssen. Die Quote scheint derzeit aber kaum einhaltbar, da die Nachfrage nach klassischen Wochenmarktprodukten zur Abendzeit gering ist und sich deswegen kaum Händler finden, die ein solches Angebot schaffen.

Im Hauptausschuss des Stadtrats am Montag forderte die SPD-Fraktion per mündlicher Anfrage Antworten der Stadt zum Rudolfplatz. Sie will von der Verwaltung nun unter anderem wissen, welche Instrumente sie für die zukünftige Ausgestaltung eines Markts sieht. „Für uns ist entscheidend, dass am Rudolfplatz ein rechtssicherer, aber zugleich attraktiver und wirtschaftlich funktionierender Abendmarkt möglich ist“, sagte Maria Helmis-Arend für die SPD-Fraktion. Die Frage müsse auch gesamtstädtisch betrachtet werden. „Wo ist eine klassische Wochenmarktnutzung das richtige Instrument und wo brauchen wir andere Möglichkeiten, etwa über Sondernutzungen?“ Angebote, die Veedel beleben und Begegnungen schaffen, müssten ermöglicht und unterstützt werden.

Beim Thema Rechtssicherheit spielt das städtische Vergabekonzept für Innenstadtplätze eine wichtige Rolle. Wenn ein Wochenmarkt nicht die Anforderungen der Gewerbeordnung – vor allem ein ausgewogenes Wochenmarktsortiment – erfüllt, wird er rechtlich zum Spezialmarkt. Laut Vergabekonzept sind aber nur sechs Spezialmärkte pro Jahr auf dem Rudolfplatz möglich. Ein wöchentlicher Schlemmer- und Abendmarkt ist deshalb dort bislang ausgeschlossen. 

Politik setzte sich für den Erhalt des Vorgängermarkts ein

Aus diesem Grund ließ die Stadt die Genehmigung des Vorgängermarkts „Meet & Eat“ auslaufen. Grüne, CDU, SPD, Linke, FDP und Volt hatten sich noch im Sommer 2025 für den Erhalt des Markts eingesetzt und von der Stadt gefordert, die Genehmigung rechtlich abzusichern.

„Dass nun auch der Nachfolger von ‚Meet & Eat‘ mit denselben bürokratischen Problemen kämpft, zeigt doch, dass wir ein grundsätzliches Problem haben“, sagte Volker Görzel, Fraktionsvorsitzender der FDP/KSG-Fraktion, auf Anfrage. „Wenn ein Abendmarkt bei den Menschen funktioniert, Händler und Gastronomen aber an Vorgaben scheitern, die offensichtlich nicht zur tatsächlichen Nachfrage am Abend passen, läuft etwas schief.“

Er wünsche sich von der Verwaltung eine „marktfreundliche Auslegung und eine wohlwollende Prüfung der vorhandenen Spielräume“. Positive Aushängeschilder wie den Markt auf dem Rudolfplatz „sollten wir möglich machen und nicht so lange mit Bürokratie überziehen, bis am Ende niemand mehr Lust hat, sie zu veranstalten“. Der Markt könnte aus Sicht der FDP-KSG-Fraktion im Rahmen des Platzvergabekonzepts möglich gemacht werden. „Dafür müsste das Konzept angepasst werden, damit kleinere Formate dieser Art regelmäßig stattfinden können.“

CDU: Markt abwechselnd auf dem Rudolfplatz und vor St. Aposteln

„Grundsätzlich begrüßen wir einen attraktiven Abendmarkt auf dem Rudolfplatz, vorzugsweise mit lokalen und regionalen Anbietern“, sagte Manfred Richter für die Grünen-Fraktion. „Wenn sich keine ausreichende Nachfrage nach klassischen Wochenmarktprodukten zeigt, müssen wir prüfen, welches Format den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher entspricht, das zugleich rechtssicher ist.“

„Es verwundert nicht, dass das Wochenmarkt-Konzept an dieser Stelle bereits zum zweiten Mal scheitert“, sagte Bernd Petelkau (CDU). „Die gewählte Veranstaltungsform ist zwar kostengünstig, gestattet aber nicht, dass umsatzstarke Getränkepavillons mit Alkoholausschank genutzt werden.“ Es sei sinnvoll, über andere Gestaltungsformen nachzudenken. „Um die direkte Belastung der Anwohner zu reduzieren beziehungsweise die Zahl der Veranstaltungstage zu begrenzen, könnte der Markt auch abwechselnd auf dem Rudolfplatz und vor St. Aposteln stattfinden.“

Jennifer Glashagen, Fraktionsvorsitzende der Volt-Fraktion, sagte: „‚Meet & Eat‘ zeigt, wie wir gemeinsam unsere Stadt lebendig und sicher gestalten können. Wir finden es nicht nachvollziehbar, dass in der Frage um die Genehmigung eines solchen Feierabendmarkts kein anderer Weg als der Rechtsweg gefunden werden konnte. Kommunalpolitik sollte vor allem eines sein: Möglichmacherin.“