Zum Ende des Fastenmonats Ramadan hat die IG Keupstraße nach Mülheim eingeladen. An einer langen Tafel kamen mehrere tausend Menschen zusammen.
Ein Tisch für alleTausende Besucher beim gemeinsamen Fastenbrechen auf der Keupstraße

Besucherinnen und Besucher beim Fastenbrechen auf der Keupstraße.
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Mehr als drei Minuten dauert es, von einem Ende der Tafel auf der Keupstraße bis zum anderen zu gehen. Mehr als 1000 Gäste nehmen am Mittwochabend an der Tafel Platz, als die Interessensgemeinschaft (IG) Keupstraße wieder zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen hat.
Bereits zum achten Mal findet das gemeinschaftliche Fastenbrechen, der Iftar, mitten in Köln-Mülheim statt. Zwischen Restaurants, Bäckereien und Juwelieren sind einen Tag vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan alle, die wollen, eingeladen. „Die Keupstraße steht für Vielfalt und Miteinander und heute sitzen wir hier nicht nur mit muslimischen Freunden, sondern auch Freunden, egal welcher Konfession“, so der 1. Vorsitzende der IG Keupstraße Bünyamin Köksoy.
„Das ist das schönste Stadtbild, was ein Ort haben kann!“
Kurz vor Sonnenuntergang sind bereits die meisten Plätze besetzt. Wo es geht, wird zusammengerückt, um neuen und alten Freunden Platz zu machen. Auf den Tischen stehen bereits Baklava, Datteln, Fladenbrot und Ayran. Aus den umliegenden Restaurants werden pausenlos Töpfchen mit Linsensuppe, Reis und Hühnchen getragen und an die eintrudelnden Besucherinnen und Besucher verteilt.
Auch Fabio, Linda, Mouaz und Mara sitzen eng beieinander. Sie sind heute zum ersten Mal hier. „Wir fühlen uns richtig willkommen“, erzählt Fabio und alle nicken. „Total, ich finde es super schön, wie sich alle mit allen unterhalten und füreinander Platz machen. Ich habe schon drei neue Handynummern eingespeichert!“, fügt Linda hinzu.
Einige Politikerinnen und Politiker sitzen ebenfalls an der Tafel. Oberbürgermeister Torsten Burmester freut sich, dass so viele Gäste gekommen sind: „Dieser Tisch ist stärker als Vorurteile und zeigt, was Zusammenhalt, Nachbarschaft und Respekt bedeuten“. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Berîvan Aymaz ist regelmäßig auf der Keupstraße unterwegs: „Jedes Mal spüre ich, dass diese Straße lebt.“

Oberbürgermeister Torsten Burmester wird beim Fastenbrechen auf der Keupstraße freundlich empfangen.
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In Gedenken an den rechtsextremistischen Anschlag 2004 in der Keupstraße, sagt sie: „Diese Tat ging gegen die Vielfalt und Lebendigkeit, die ich hier spüre, und heute wird wieder deutlich, sie ist nicht weg!“ Sie lässt ihren Blick die 300 Meter lange Tafel entlangschweifen und kommt zu dem Schluss: „Das ist das schönste Stadtbild, was ein Ort haben kann.“
Fastenbrechen mit Datteln und Wasser
Mittlerweile duftet die ganze Keupstraße nach Essen, ein Imam blickt auf seine Uhr: 18:43, noch sechs Minuten bis Iftar. Köksoy reicht ihm ein Mikrofon und der Imam beginnt mit dem traditionellen Bittgebet zum Fastenbrechen, dem Dua. Kaum spricht er das letzte Wort, reicht man sich an der Tafel Wasser und Datteln, traditionell die erste Mahlzeit nach den Stunden des Fastens. Und dann lässt es sich die ganze Keupstraße schmecken.
Auch Robin und Philipp: Die beiden sitzen auf dem Bordstein. „Ich bin zu Besuch bei Philipp in Köln und wir sind direkt vom Bahnhof hierhergekommen. Sitzplätze am Tisch gab’s zwar keine mehr, aber ein Bäcker hat uns direkt was geschenkt“, erzählt Robin und zeigt auf das riesige Fladenbrot in seiner Hand. „Der Gedanke des Teilens wird hier deutlich. Wir sitzen zwar nicht am Tisch, aber alle haben uns was vom Essen angeboten und es ist einfach voll schön“, sagt Philipp. Die Kosten für das Essen zum Iftar übernehmen die Geschäftsleute der Keupstraße, von Linsensuppe bis Baklava.
Das Herz von Mülheim schlägt stark
Für Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz ist die Keupstraße mehr als nur eine Straße: „Sie ist eine Institution, denn das Herz von Mülheim schlägt hier. Ich finde es wunderschön, dass hier heute so viele Menschen friedlich und gemeinschaftlich Iftar feiern.“ Laut Veranstalter sind 5000 Menschen zusammengekommen.
Suzan ist jedes Jahr hier, meistens mit ihren besten Freundinnen: „Wir planen das jedes Jahr und ich kann wirklich guten Gewissens alle herzlich einladen“. Sukran vom Nebentisch ist extra aus Bensberg gekommen und bewundert vor allem den Zusammenhalt hier auf der Straße: „Man merkt, dass alle miteinander anpacken: Die Geschäftsleute, die IG Keupstraße, alle die da sind. Ich finde es sehr schön hier.“
Während an der Tafel langsam Ruhe einkehrt, ist der Abend auf der Keupstraße lange noch nicht vorbei. Am Freitag beginnt das Fest des Fastenbrechens, auch Eid-al-Fitr oder Zuckerfest genannt, und viele Gäste nutzen den restlichen Abend, um bereits erste Besorgungen zu machen oder noch schnell einen Friseurtermin zu vereinbaren. Während des dreitägigen Fests stehen neben Gebet auch Familienbesuche und Geschenke an. Damit markiert Eid-al-Fitr einen Höhepunkt im islamischen Kalender. Und das gemeinsame Fastenbrechen auf der Keupstraße war auch in diesem Jahr wohl wieder ein Höhepunkt im Kölner Kalender.

