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Kosten und Kita-KonkurrenzKölner Tagespflege-Eltern in Not

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Vertrautes Verhältnis: Kindertagespflegerin Saggia Roagna mit einem ihrer Schütztinge.

Vertrautes Verhältnis: Kindertagespflegerin Saggia Roagna mit einem ihrer Schütztinge.

Der Verein Kölner Kindertagespflege klagt über schwierige wirtschaftliche Bedingungen für Kindertagespflegepersonen. Zugleich müssen sie immer stärker mit U3-Kitas konkurrieren.  

Die ersten Kinder, die Alice Birkenfeld und Saggia Roagna als Tagesmütter betreuten, sind wahrscheinlich jetzt auf der Uni, in der Ausbildung – oder haben bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Vor rund 20 Jahren eröffneten die beiden ihre Tagespflege „Pinta Caminos“, ein bilingual deutsch-spanisches Betreuungsangebot. Es richtet sich sowohl an Familien aus spanischsprachigen Ländern, als auch an deutschstämmige Eltern, die Interesse haben, ihrem Kind Spanisch als Zweitsprache zu ermöglichen. „Wir sind uns konzeptionell immer treu geblieben“, blickt Birkenfeld zurück. Am Maarweg 94–96 in Braunsfeld liegen in benachbarten Ladenlokalen drei Großtagespflegestellen mit insgesamt 27 Plätzen nebeneinander.

Doch schon seit Jahren plagen die Großtagespflegestellen zunehmend finanzielle Sorgen. „Wir fingen 2021 an, unruhig zu werden, als die massive Inflation einsetzte und wir merkten, dass die Preissteigerungen die Erlöse auffressen.“ Derweil blieben die Einnahmen im Wesentlichen konstant. Diese bestehen – jeweils pro Kind und Stunde – aus der Förderleistung, die jährlich inflationsbedingt um zwei Prozent erhöht wird, einer Sachkosten-Erstattung, sowie bei Tagespflegen in externen Räumen – wie in diesem Fall – einem Mietkostenzuschuss. Alle drei Zahlungen kommen von der Stadt. Die Eltern zahlen wiederum einen einkommensabhängigen Betrag an die Stadt, zudem an die Kindertagespflegepersonen ein monatliches Essensgeld. „Wir hatten aber während der Zeit in unseren Räumen allein sieben Mieterhöhungen“, so Birkenfeld.

Wachsende Konkurrenz mit Kitas um U3-Kinder

Neben der rein finanziellen Seite sorgt die Tagespflegestellen für eine zunehmende Konkurrenz um Unter-Dreijährige mit Kindergärten. „Kitas nehmen bevorzugt U3-Kinder, da der Landeszuschuss hier höher ist als bei Ü3-Kindern“, haben die beiden beobachtet. „Manche Eltern werden mit der Perspektive auf einen Ü3-Kitaplatz unter Druck gesetzt, ihr Kind auch schon viel früher in die Kita zu geben.“ In der Vergangenheit haben die beiden, wie andere Pflegestellen, zahlreiche Fälle gehabt, bei denen Eltern ihren Betreuungsplatz in der Kindertagespflege kurzfristig absagten, um ihr Baby in eine Kita zu geben. Derzeit stellt die Tagespflege knapp ein Fünftel der rund 14.000 U3-Plätze, den Rest die Kitas.

Eine nützliche Funktion: Die grünen Punkte auf der Karte des Kindertagespflege-Vereins zeigen freie Plätze in den Pflegestellen auf. Rot bedeutet: alles belegt.

Eine nützliche Funktion: Die grünen Punkte auf der Karte des Kindertagespflege-Vereins zeigen freie Plätze in den Pflegestellen auf. Rot bedeutet: alles belegt.

Um ihre Situation zu verbessern und sich zu vernetzen, wurde 2024 der Verein „Kölner Kindertagespflege“ gegründet, dessen Vorsitzende Birkenfeld ist. Besonders stolz ist der Verein auf seine interaktive Karte für freie Plätze, welche die Pflegepersonen selbst einstellen können und auf einem Stadtplan per grünem Punkt sichtbar sind. „Überhaupt vermitteln wir Kindertagespflegepersonen die meisten unserer Plätze selbst, und nicht die städtische Kontaktstelle Kindertagespflege Köln.“

Mehr Betreuungsplätze, aber weniger Geburten in Köln

Im vergangenen Jahrzehnt wurde die Betreuung in Köln massiv ausgebaut: Seit August 2013 gibt es für Kinder ab einem Jahr einen Anspruch auf Betreuung; doch auch unabhängig davon wurden über die Jahre immer mehr U3-Plätze nachgefragt, weil Eltern weiter arbeiten wollten oder mussten. Jeder neue Platz für Unter-Dreijährige, ob in der Kita oder in der Tagespflege, war da hochwillkommen. 

Seit rund zehn Jahren gibt es in Köln bei den Geburten jedoch einen Abwärtstrend: Waren es 2015 noch 11.337 Neugeborene, kamen im vergangenen Jahr nur noch 9059 Kinder zur Welt. Besonders stark sind die Rückgänge seit 2022. 2024 gab es einen geringfügigen Anstieg, der inzwischen durch wieder gesunkene Geburtenzahlen mehr als kompensiert ist. Es gibt also immer weniger Kinder, um die über rund 15 Jahre massiv ausgebauten Kapazitäten auszulasten.  

Angesichts der schwierigen Gesamtlage geht die Zahl der Tagespflegestellen zurück: Im ersten Quartal 2025 habe es laut des Vereins „Kölner Kindertagespflege“ noch 815 Kindertagespflegepersonen gegeben, die insgesamt 3230 U3-Kinder betreuten. Im 23. städtischen Statusbericht zum Ausbau der Kindertagesbetreuung, mit Stichtag 31. Juli 2025, waren es noch rund 800 Pflegepersonen mit 3053 Kindern. Laut der aktuellen Quartalszahlen des Kölner Vereins sind es aktuell nur noch 732 Personen, die insgesamt 2836 Kinder betreuen – ein Rückgang bei den Kinderzahlen um ein Achtel innerhalb eines einzigen Jahres, und um ein Zehntel bei den Anbietern.

Stadt will Tagespflege weiter unterstützen

Bei der Stadt betont man, dauerhaft auf die Kindertagespflege als Stützpfeiler der U3-Betreuung zu setzen. „Die Kindertagespflege stellt nach wie vor einen unverzichtbaren Baustein in der Kindertagesbetreuung als gesetzliche Pflichtaufgabe dar“, so Pressesprecherin Eva Fiedler. Zudem habe der Rat im September 2025 höhere Vergütungen in der Tagespflege beschlossen. So stieg rückwirkend ab August 2025 die Förderleistung pro Kind und Stunde von 3,47 auf 4,06 Euro, bei besonderem Förderbedarf von 12,15 auf 13,93 Euro, der Mietzuschuss für externe Räume von einem auf 1,20 Euro pro Kind und Stunde. Auch die Erstattung von Sachaufwendungen stieg von 1,73 auf 1,97 Euro. Zudem mache die Stadt regelmäßig auf die Betreuungsform aufmerksam, etwa mit dem Tag der offenen Tür in der Kindertagespflege im vergangenen März. Wie Birkenfeld entgegnet, gleiche die zweiprozentige jährliche Erhöhung die gegenwärtige Inflation von 2,7 Prozent jedoch nicht aus; deshalb habe man erneut einen Einkommensrückgang zu verkraften.


www.kindertagespflegekoeln.dewww.pintacaminos.de