Seit 40 Jahren begleiten die Grünen Damen Patienten im Krankenhaus in Bayenthal. Was sie schenken, ist wichtig: Zeit und Aufmerksamkeit.
Zeit und ein offenes Ohr„Grüne Damen“ begleiten Patienten im St. Antonius seit 40 Jahren

Dorothea Grünwald und Cornelia Lehmann engagieren sich seit vielen Jahren mit Herz und Seele als „Grüne Damen“ im St. Antonius-Krankenhaus.
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Mit ihrem grünen Kittel und einem Lächeln im Gesicht betritt Cornelia Lehmann das Krankenzimmer auf der Diabetesstation im Antonius-Krankenhaus. „Guten Morgen, wie geht es denn heute?“, fragt sie. „Sehr gut, ich finde, ich kann bald wieder nach Hause“, antwortet Luise Kohlvenbach munter. Die 96-Jährige liegt seit mehr als einer Woche wegen Problemen an den Zehen im Krankenhaus. „Kann ich denn etwas für Sie tun?“, bietet ihr Lehmann an. Zu erledigen gibt es nichts, doch schon nach wenigen Augenblicken sind die beiden Frauen in eine angeregte Plauderei vertieft.
Seit zehn Jahren gehört Lehmann zu den Grünen Damen im Bayenthaler Krankenhaus. Kleine Besorgungen erledigen, Kekse aus dem Supermarkt oder Shampoo aus der Drogerie besorgen, Patientinnen und Patienten bei einem Spaziergang durch den Krankenhauspark begleiten, falls nötig, Patienten mit Kleidung aus der hauseigenen Kleiderkammer versorgen – all das gehört zu den Aufgaben der ehrenamtlichen Krankenhaushelferin – und vor allem zuhören. Die Grünen Damen schenken Patienten etwas, das im Krankenhaus besonders kostbar ist – Zeit.

Luise Kohlvenbach freut sich über den Besuch von Cornelia Lehmann. Diese ist seit zehn Jahren als „Grüne Dame“ im St. Antonius-Krankenhaus unterwegs.
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In diesem Jahr feiert die christliche Krankenhaushilfe im St. Antonius-Krankenhaus ihr 40-jähriges Bestehen. Sie entstand auf Anregung eines Seelsorge-Mitglieds. Ziel war es, den Patientinnen und Patienten zusätzlich zur medizinischen und pflegerischen Versorgung eine zusätzliche Betreuung anzubieten. Heute engagieren sich 13 Frauen und ein Mann ehrenamtlich im Antonius-Krankenhaus. Jede und jeder übernimmt einmal pro Woche für drei bis vier Stunden eine feste Station.
„Man erfährt oft ganze Lebensgeschichten“
Cornelia Lehmann kam nach ihrer Pensionierung zu den Grünen Damen. Nach vier Jahrzehnten in einem Großunternehmen, zuletzt im Controlling und im Betriebsrat, wollte sie etwas ganz anderes machen. „Ich hatte immer mit Zahlen zu tun und wollte mich jetzt mit Menschen beschäftigen. Ich habe schon immer gerne geholfen, und jetzt kann ich das endlich mit genügend Zeit tun“, berichtet die 69-Jährige. Besonders schätzt die Rodenkirchenerin die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. „Man erfährt oft ganze Lebensgeschichten“, sagt sie.
Für viele Patienten ist das Gespräch eine willkommene Unterbrechung im oft hektischen Klinikalltag. Für viele ist es auch eine wirkliche Entlastung: Hier können sie sich Ängste, Sorgen und Kummer von der Seele reden – die Grünen Damen hören zu. Sie unterliegen – wie alle Mitarbeitenden des Krankenhauses – der Schweigepflicht.
Unterstützung auch für Angehörige
Auch Dorothea Grünwald weiß, wie wichtig diese Gespräche sein können. Die 75-jährige Sürtherin engagiert sich seit 2012 im Antonius-Krankenhaus und ist auf der Schmerz- und Palliativstation im Einsatz. „Hier sind es auch oft die Angehörigen, die Unterstützung, ein offenes Ohr und Zuspruch brauchen“, sagt sie. Den Kontakt zu den Menschen empfindet sie als Bereicherung.
„Man hat mit einer Vielzahl an Charakteren zu tun. Oft sagen die Menschen, dass man ihnen geholfen hat, und das ist ein schönes Gefühl.“ Auch den Austausch mit dem Klinikpersonal schätzt sie. Besonders bewegt sie, wenn alleinstehende Patienten Angst vor der Rückkehr nach Hause haben. Dann geben sie und ihre Kolleginnen Hinweise auf Nachbarschaftshilfen und andere Unterstützungsangebote.
Die meisten Patienten nehmen das Angebot der Grünen Damen dankbar an. „Ich freue mich, wenn sie kommt. Sie ist einfach ein Goldstück“, sagt Luise Kolvenbach über Cornelia Lehmann. „Ich fühle mich hier im Krankenhaus gut aufgehoben, auch wegen der Grünen Damen“, berichtet Nela Marietta Radu nach einem langen Gespräch mit Dorothea Grünwald.
Für das Krankenhaus sind die Ehrenamtlichen unverzichtbar. „Sie bringen für unsere Patientinnen und Patienten ein Plus an Zeit mit und sind damit auch eine große Unterstützung für unser Pflegepersonal“, sagt Pflegedirektor Ansgar Holzkamp. Viele Patienten empfänden den Besuch der Grünen Damen als besonderen Lichtblick während ihres Aufenthalts, weiß er.
Krankheiten heilen können die Grünen Damen nicht. Aber sie sorgen dafür, dass Menschen sich in einer schwierigen Lebensphase weniger allein fühlen. Seit 40 Jahren ist genau das ihr wichtigster Beitrag im St. Antonius Krankenhaus.
