Ein Zeppelin wird zum fliegenden Labor: Forscher messen über Köln, Düsseldorf und Essen Schadstoffe und Spurengase in der Luft.
Im Tiefflug unterwegsDieser Zeppelin untersucht die Luft über Köln

Dieser Zeppelin ist derzeit über Köln und der Region zu sehen.
Copyright: Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau
Die Farbe fällt am Himmel sofort auf – blau-gelb-weiß gestreift ist das Luftschiff. Seit Anfang August schwebt der Zeppelin über der Metropolregion Rhein-Ruhr. Wissenschaftler der Universität zu Köln und des Forschungszentrums Jülich haben den Zeppelin vom Typ NT kurzerhand in ein fliegendes Labor umgebaut.
Der Zeppelin fliegt noch bis zum 17. August überwiegend in einer Höhe zwischen 100 und 300 Metern – und bewegt sich mit rund 65 Stundenkilometern durch die Luft.
Zeppelin mit Hightech an Bord fliegt über Köln
Gerade diese Kombination aus Langsamkeit und niedriger Flughöhe macht ihn für die Forschung so wertvoll. „Der Zeppelin bietet uns Möglichkeiten, die andere Forschungsplattformen nur eingeschränkt bieten“, erklärt Juniorprofessorin Dr. Eva Pfannerstill von der Uni Köln. „Durch seine langsame und stabile Flugweise können wir hochpräzise Messungen in niedriger Flughöhe durchführen und Gebiete gezielt überfliegen.“
In der Passagierkabine haben die Forscher unter anderem ein Massenspektrometer installiert – ein Gerät, das Spurengase in der Luft präzise identifiziert und misst. Insgesamt bringen die wissenschaftlichen Messgeräte 780 Kilogramm auf die Waage.

Der Zeppelin ist mit jeder Menge Hightech ausgestattet.
Copyright: Mathias Martin | Universität zu Köln
Zusätzlich wurde in den Nasenmast an der Spitze des Zeppelins ein neu entwickeltes hochauflösendes Windmesssystem integriert. Die Technik stammt von verschiedenen Instituten des Forschungszentrums Jülich sowie externen Partnern.
Das Ziel: die Luft über Köln, Düsseldorf und Essen auf sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOC) zu untersuchen – Spurengase, die eng mit dem Klimawandel zusammenhängen.
Forschung im Zeppelin: Auch Wälder geben Gase ab
Neben Stadtgebieten überfliegt der Zeppelin auch Waldgebiete, um zu messen, welche Gase gestresste Wälder abgeben – etwa durch Schädlingsbefall. Aus den Daten sollen hochaufgelöste Karten der Emissionen entlang von Stadt-Wald-Gradienten entstehen.

Juniorprofessorin Dr. Eva Pfannerstill von der Uni Köln begleitet das Projekt.
Copyright: Mathias Martin | Universität zu Köln
Dr. Georgios Gkatzelis vom Forschungszentrum Jülich interessiert sich dabei besonders für die Stadtluft: Was geht in Köln in die Atmosphäre, das weder aus Verkehr noch aus Industrie stammt? Haushaltschemikalien zum Beispiel.
Die Messkampagne ist auf zwei Wochen angelegt. Wann genau der Zeppelin über welchen Städten erscheint, ist wetterabhängig. Die Flüge dauern jeweils rund sieben Stunden und folgen nach wissenschaftlichen Kriterien exakt geplanten Routen.
