Stadt Köln über „Spectaculum“-Festival„Können keine Abstriche bei Sicherheit machen“

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Spectaculum Fühlinger See

Das Festival Spectaculum fand in diesem Jahr letztmalig am Fühlinger See statt.

Köln – Nach dem Ärger um das letztmalig in Köln durchgeführte Mittelalter-Festival am Fühlinger See und die Vorwürfe des Veranstalters an die städtische Bauaufsicht hat die Behörde die Anschuldigungen zurückgewiesen und einem Entgegenkommen bei Sicherheitsfragen eine Absage erteilt. „In dieser Stadt wird viel gefeiert, aber die Regeln müssen eingehalten werden. Nur so kann man sicher feiern“, sagte Baudezernent Markus Greitemann im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wir können keine Abstriche bei der Sicherheit machen“, fügt Manfred Amrehn, stellvertretender Leiter des Bauaufsichtsamts, hinzu und reagiert damit auf heftige Kritik an seinem Amt wegen des Genehmigungsverfahrens dieser Veranstaltung.

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Das mit kompletter Bezeichnung „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ lautende Event fand Anfang August aller Voraussicht nach zum letzten Mal in Köln statt. Organisator Gisbert Hiller hatte in der vergangenen Woche kritisiert, die Bauaufsicht sei „in keiner Weise gesprächs- oder kompromissbereit“ gewesen und habe den Organisatoren „Knüppel zwischen die Beine geworfen“. Gemeint waren Auflagen wie Flutlichtmasten für die Gehwege und Alternativen zu aufgestellten und nicht befestigten Bierzeltgarnituren. Menschen könnten über umgefallene Bierbänke stolpern und sich in Paniksituationen gegenseitig verletzen, begründete Amrehn die Auflage. „Die Bänke müssen also verankert werden. Wenn das zuvor nicht geschehen ist, kann der Veranstalter von Glück sprechen, dass bisher nichts passiert ist.“ Die neuen Auflagen bedeuteten aber Mehrkosten in Höhe von 40.000 Euro, die das Festival nicht mehr rentabel machten, sagte Hiller. Überdies sei er von der Bauaufsicht nicht vernünftig betreut worden. Für das kommende Jahr strebt er nun eine Ausrichtung auf der Rennbahn in Neuss an.

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230 Genehmigungen pro Jahr

Zwar ist das Spectaculum bei weitem nicht die größte jährliche Veranstaltung in der Stadt, doch 15 Jahre lang kamen zunächst Hunderte, später Tausende Besucher. Zunächst als Markt begonnen, entwickelte sich das Spectaculum zu einem hybriden Event, das neben einem Marktbereich auch ein Areal hatte, auf dem Konzerte stattfanden. „Aus diesem Grund war der Veranstalter gehalten, ein formelles Baugenehmigungsverfahren zu beantragen“, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Corona-bedingt musste die Veranstaltung außerdem in zwei Bereiche – eben den Markt- und den Konzertbereich – unterteilt werden. Die Brücke zwischen zwei Inselteilen durfte nicht mehr als Übergang genutzt werden. „All das tun wir uns hier nicht mehr an“, resümierte Hiller. Dass das Festival so im ersten Jahr nicht wirtschaftlich sei, könne „nachvollziehbar“ sein, sagte Greitemann. „Aber womöglich hätte es sich im zweiten oder dritten Jahr gerechnet.“

Markus Greitemann: „Kreative Zonen muss man gleichzeitig mitgestalten, sonst gibt es ein Problem.“

Etwa 230 Veranstaltungen genehmigt die Bauaufsicht üblicherweise pro Jahr. 2020 waren es wegen Corona nur knapp 100. Die Pandemie bringt für größere Veranstaltungen wie die Deutzer Kirmes ohnehin Verschärfungen mit sich – wie kontrollierte Zu- und Abgänge. Dazu kommen schon seit vielen Jahren gestiegene Sicherheitsanforderungen – unter anderem durch den Flughafenbrand in Düsseldorf 1996 und die Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010, wie Amrehn betont.

Greitemann: „Kein Image-Schaden für Köln“

Dass es nun insgesamt zu einem Imageverlust für die Stadt kommt, sieht Bau- und Wirtschaftsdezernent Greitemann nicht. „Köln ist eine Stadt, in der man gut feiern und Events veranstalten kann. Und ich hätte auch das Spectaculum natürlich gerne gehalten. Ich sage aber auch ganz ehrlich: Es ist gut, dass die Veranstaltung in einer anderen Stadt überhaupt stattfinden kann. Da bin ich auch nicht traurig oder verärgert. Ich sehe auch keinen Schaden darin, dass die Veranstaltung weg ist. Ich sehe aber einen Schaden darin, dass uns öffentlich in der Presse vorgeworfen wird, wir würden nicht fair mit den Veranstaltern umgehen. Das Gegenteil ist der Fall.“

Selbst war Greitemann in 15 Jahren nie beim Mittelalter-Festival. „Summerjam kenne ich natürlich, aber vom Spectaculum hatte ich bis vor einigen Wochen noch nicht gehört“, sagt er. „Aber ich muss nicht jede Veranstaltung in der Stadt kennen.“ 

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