Betreiber der Poller Location Boris Witschke kritisert mangelnde Transparenz und fehlende Bereitschaft der Stadt, zu kommunizieren. Das sagt die Stadt.
„Es gibt mehr als Oper und Karneval“Südbrücke veranstaltet wieder – Kritik an Stadt Köln bleibt

Konzert der Donots an der Südbrücke (Archiv)
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An der Location Südbrücke in Poll dürfen die Veranstalter wieder Konzerte, Märkte und andere Open-Air-Events durchführen. Das teilten die Betreiber auf ihrer Webseite und ihren sozialen Kanälen mit. Die Stadt habe eine Baugenehmigung für Einzeltermine erteilt, bestätigt ein Stadtsprecher auf Nachfrage. Weiter heißt es: „Es erforderte erheblichen Aufwand, den Bauantrag in so kurzer Zeit und unter Beteiligung anderer Fachdienststellen abschließend zu bearbeiten.“
Vor etwa zwei Wochen war bekanntgeworden, dass die Stadt Köln per Ordnungsverfügung Veranstaltungen auf dem Gelände an der Alfred-Schütte-Allee untersagt hat (wir berichteten). Die Ordnungsverfügung wurde jedoch nicht zurückgezogen, so der Sprecher. Weiterhin seien Einzelanträge notwendig. „Es konnte ‚sehr schnell gehen‘, nachdem ein Bauantrag (für Einzeltermine) gestellt wurde“, so der Sprecher. „Wir sind dankbar, dass wir die Restsaison nun spielen. Der Dank geht aber neben unseren Freundinnen und Freunden ausdrücklich an die Sachbearbeiter der Bauaufsicht, die die nachzureichenden Anträge fast in Rekordzeit bearbeitet haben“, sagt Südbrücken-Betreiber Boris Witschke auf Nachfrage.
Erlass für Südbrücke nicht mehr gültig
Die freie Kulturszene, die lokale Politik und die Klubkomm, der Verband der Kölner Clubs, haben sich für die Location eingesetzt. Eine Petition zur Rettung wurde von rund 5300 Menschen unterschrieben. Boris Witschke versteht trotz aller Freude immer noch nicht, warum die Stadtverwaltung in diesem Jahr die Situation anders bewertet habe als im vergangenen Jahr. „Es ist und bleibt rätselhaft, wie seit zwei Jahren zunächst etwas gehen kann, und zwar bis Mai, dann auf einmal nicht mehr und dann durch eine sofort vollziehbare Ordnungsverfügung zur Gefahr erklärt wird. Die Verwaltung hat uns mitten in der Saisonvorbereitung von einem Tag auf den anderen etwas weggenommen, was sie bei uns und vielen anderen lange praktiziert und verfahrensmäßig zugelassen hatte. Bei anderen soll es auch noch heute in Ordnung sein. Bei uns nicht. Das ist nicht nachvollziehbar.“
Witschke bezieht sich dabei auf einen NRW-Erlass von 2024: Dieser regelt, dass Veranstalter für bis zu 25 Events im Jahr mit unter 5000 Besuchern keine Einzelgenehmigung der Bauaufsicht brauchen, sofern alle Gutachten wie etwa zu Schall- und Umweltschutz sowie Sicherheitskonzepte vorliegen. Für die Südbrücke galt der Erlass in diesem Jahr als einzige Kölner Location nicht. Die Klubkomm kritisierte das als „widersprüchlich“ und „sprunghaft“.
Die Stadt hatte wie berichtet hierzu mitgeteilt, dass sie sich auf einen Beschluss des Kölner Verwaltungsgerichtes von 2026 beziehe, aber offen gelassen, auf welchen konkret. „Demnach gilt der Runderlass vom 17.06.2024 nur für Ausnahmefälle der vorübergehenden oder einmaligen Nutzung von baulichen Anlagen für Veranstaltungen, ohne zugrunde liegendes Ziel der Etablierung einer dauerhaften Veranstaltungsfläche.“

Südbrücken-Betreiber Boris Witschke mit Kira Wolter auf dem Open-Air-Gelände
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Da die Location Südbrücke aber laut Stadt ein klar abgegrenztes Veranstaltungsgelände sei, mit dem Ziel einer dauerhaften Nutzung, sei der „Erlass zur Verfahrensfreiheit von temporären Sonderbauten hier nicht anwendbar“, so die Sprecherin.
Südbrücke: Betreiber laden Stadtspitze ein
Auf den NRW-Erlass müssten sich die Südbrücken-Betreiber nicht berufen, wenn sie die Genehmigung zur langfristigen Nutzung erhielten, die seit Jahren aussteht. Boris Witschke fordert diese nun „ganz schnell“. Er kritisiert, dass sich die Bauaufsicht mit den Betreibern dazu noch nicht zusammengesetzt habe. „Es ist mit uns immer noch nicht zielgerichtet geredet worden. Wir würden gern wissen, woran es hapert und welche Hürden es gibt, um sie zu lösen“, sagt Witschke. Die Stadt Köln äußerte sich zuletzt zu den Gründen nach mehrmaliger Nachfrage nicht, teilt nun aber mit: „Aktuell ist dieser Bauantrag (auf dauerhafte Genehmigung) immer noch unvollständig in Sachen Emissionen und Verkehr und daher noch nicht genehmigungsfähig.“
Boris Witschke lädt die Stadtspitze um OB Torsten Burmester, den Kultur- sowie Baudezernenten und die Bauaufsicht ein, „herzukommen und sich das Gelände einmal anzuschauen. Es gibt kaum einen besseren Platz, die schönen Seiten Kölns anzuschauen, die engagierten Mitarbeiter zu sehen und die ökologische Nutzung der Fläche. Die Einladung gilt auch für Konzerte.“ Witschke bedauert, dass sich etwa der Kulturdezernent überhaupt nicht zur Angelegenheit geäußert habe. „Gibt es etwa nur die Oper und das Schauspielhaus? Ich finde es toll, dass wir das haben. Aber es gibt viel mehr Kultur in den Vierteln und vor allem für junge Menschen, und das überwiegend privat finanziert, auch jenseits des Karnevals“ sagt Witschke.
