Mit der Kunstaktion stellt der Künstler Moritz Riesenbeck eine neue „künstlerische Intervention“ an der Einsturzstelle des ehemaligen Stadtarchivs vor.
Kunst und Gedenken am Kölner WaidmarktEine japanische Wohnkapsel an der Archiv-Einsturzstelle

Der Künstler Moritz Riesenbeck vor der japanischen Wohnkapsel, die nun am Waidmarkt zu finden ist.
Copyright: Arton Krasniqi
Was hat es mit der japanischen Wohnkapsel auf sich, die seit Kurzem auf dem Waidmarkt steht, schräg gegenüber dem Ort, an dem im März 2009 beim Bau der unterirdischen Nord-Süd-Stadtbahn das Stadtarchiv einstürzte? Das weiße kubische Objekt mit einem großen, runden Fenster ist das zentrale Element der zweiten künstlerischen Intervention des Teilprojekts „Kunst und Gedenken am Waidmarkt“, das zur „Umsetzungsstrategie Waidmarkt“ gehört.
Die neue Aktion, die sich „Mapping Waidmarkt“ nennt, hat ein von einer Jury ausgewähltes interdisziplinäres Team um den 34-jährigen Künstler Moritz Riesenbeck entwickelt. Die Ein-Raum-Kapsel, in der sich unter anderem ein Bett und ein kleines Schreibpult befinden, kann dank Rollen den Standort leicht wechseln. Sie fungiert als sichtbares Zeichen der Intervention und dient zugleich als Arbeitsort und Treffpunkt.
Projekt teilt sich in zwei Phasen ein
Im Mittelpunkt des Projekts steht die akustische Erforschung des Orts. In der ersten Phase im Mai und Juni, der Phase des Dialogs, wird die Umgebung gemeinsam mit den Bürgern und Bürgerinnen durch Ortsanalysen – geführte, kollektive Begehungen des Waidmarkts – und sogenannte Soundwalks erschlossen und erfahrbar gemacht. Soundwalks sind geführte Hörspaziergänge, die die Aufmerksamkeit auf die akustischen Eigenschaften eines Orts lenken und die Wahrnehmungen, Erinnerungen und Perspektiven der Teilnehmenden einbeziehen.

Die Ein-Raum-Kapsel, in der sich unter anderem ein Bett und ein kleines Schreibpult befinden, kann dank Rollen den Standort leicht wechseln.
Copyright: Arton Krasniqi
Projektleiter Riesenbeck spricht von einem „niederschwelligen Zugang“ zum Stadtraum und seiner Geschichte. Die Eindrücke würden nicht nur durch Aufzeichnungen gesammelt, sondern auch miteinander verbunden und zu Audiodateien verarbeitet. Auf diese Weise entsteht ein Klangarchiv. In der zweiten Phase von Juli bis Oktober werden die gesammelten Eindrücke von eingeladenen Künstlern in Performances und Klangarbeiten transformiert und öffentlich präsentiert. Vier Veranstaltungen, die den Ort auf unterschiedliche Art atmosphärisch erfahrbar machen, sind auf dem Platz vorgesehen.
Vor allem die Menschen, die hier wohnen, sollen einbezogen werden
„Diese Herangehensweise ist neu und ungewöhnlich“, sagte Kulturdezernent Stefan Charles, als das Projekt am Freitag vor der Kapsel vorgestellt wurde. Zentral sei „die Einbeziehung der Menschen, die hier wohnen“. Das Ergebnis der Intervention solle in den städtebaulichen Planungsprozess einfließen.
Im vorigen Jahr hatte der Stadtrat die „Umsetzungsstrategie Waidmarkt“ beschlossen. Sie nimmt das Konzept „Auf dem Weg zu einem Neuen Waidmarkt“ auf, das eine Projektwerkstatt mit Experten, die von den Initiativen „Archivkomplex“ und „Köln kann auch anders“ benannt wurden, gemeinsam mit der Stadtverwaltung erarbeitet hat. Die Strategie sieht zwei Phasen vor.
In der „Entwicklungsphase“ von 2025 bis 2028 inszenieren künstlerische Interventionen das Gelände zeitweilig neu und nähern sich so der künftigen Gestaltung an. In der „Verstetigungsphase“ von 2029 bis 2031 soll ein verbindliches Konzept für den Waidmarkt entwickelt werden. Die erste künstlerische Intervention trug den Titel „Panorama Waidmarkt“ und wurde von der Rotterdamer Gruppe „Observatorium“ organisiert.
Die Vernissage der zweiten Intervention fand vergangenen Samstag an der Kapsel statt. Dezernent Charles sprach ein Grußwort, und Riesenbeck stellte das Projekt „Mapping Waidmarkt“ vor. Es folgte ein gemeinsamer Hörspaziergang mit anschließendem Austausch. Wer an einer der folgenden Veranstaltungen – Ortsanalyse oder Soundwalk – teilnehmen will, möge sich unter www.waidmarkt.xyz anmelden.
