Bis die KVB den U-Bahn-Tunnel fertiggebaut hat, wird der Waidmarkt für künstlerische Projekte genutzt. Das zweite wurde nun vorgestellt.
Archiv-EinsturzstelleNeues Kunstprojekt am Waidmarkt setzt Akustik in den Fokus

Der Blick auf den Waidmarkt mit dem Pavillon „Panorama Waidmarkt“, dem ersten Kunstprojekt vom vergangenen Jahr. (Archivfoto)
Copyright: Alexander Schwaiger
Um das akustische Erleben des Raums geht es beim nächsten Kunstprojekt am Waidmarkt – an dem Ort, wo vor 17 Jahren das Historische Archiv der Stadt Köln bei Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn einstürzte. Mit der „künstlerischen Intervention“ beauftragt sei eine Gruppe um den Künstler Moritz Riesenbeck, informierte Karin Koerdt vom Dezernat für Kunst und Kultur, als sie in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt das Projekt skizzierte. „Drittes Terrain“ laute der Arbeitstitel. Geplant seien „Soundwalks“: ein Dutzend geführte Veranstaltungen, bei denen „die Wahrnehmung über das Hören stattfindet“. Die Vernissage der Aktionen, die bis Oktober dauern, sei für den 9. Mai angesetzt. Oberbürgermeister Torsten Burmester sei angefragt; auf jeden Fall werde Kulturdezernent Stefan Charles teilnehmen.
Wie bei der ersten künstlerischen Intervention, die den Titel „Panorama Waidmarkt“ trug und von der Gruppe „Observatorium“ aus Rotterdam organisiert wurde, wird es laut Koerdt am selben Platz eine feste, von ihr „Kapsel“ genannte Anlauf- und Informationsstelle geben. „Observatorium“, das sein Projekt von November 2024 bis Juni 2025 umsetzte, bot einen Raum für das Gedenken an den Einsturz des Stadtarchivs.
Zunächst reiste der Künstler Andre Dekker mit einem mobilen Zeichenstudio durch öffentliche Einrichtungen und Orte rund um die Einsturzstelle. Ziel war es, gemeinsam mit Anwohnern und Anwohnerinnen, Schülern und Schülerinnen, Gewerbetreibenden und weiteren Interessierten die „Leerstelle“ im Stadtgefüge zu beobachten und zeichnen. Für den zweiten Teil des Projekts wurde auf dem Waidmarkt ein Holzpavillon errichtet, der als Begegnungs- und Veranstaltungsort, Atelier, offener Schulraum und gleichsam Archiv auf Zeit diente. Besucher und Besucherinnen waren eingeladen, zum „Logbuch der Zwischenzeit 2009 bis 2025“ etwas beizutragen.
Projekt fokussiert sich auf Zukunft
Bei „Panorama Waidmarkt“ habe der Schwerpunkt auf der „Retrospektive“ gelegen, sagte Koerdt. In Abhebung davon fokussiere sich das neue Projekt auf die Zukunft. Als Motto für den Wettbewerb vorgegeben war „Magischer Realismus: Verwandlungspotenziale und ungeahnte Perspektiven für ein außergewöhnliches Stück Stadt“. Für das Kunstprojekt stehen laut Koerdt 200.000 Euro zur Verfügung.
Zurzeit bereite sie die Ausschreibung für das dritte Projekt vor. 2027 werde es um „Freiraumvisionen“ gehen, das heißt um Möglichkeiten, die unbebaute Fläche zu gestalten. Für alle Wettbewerbe sei ein zweistufiges Verfahren vorgesehen. Die Entscheidung treffe eine Jury, zu der Vertreter von drei umliegenden Schulen, der Kulturdezernent, die Leiterin der Artothek und der Leiter der städtischen Stabsstelle Kulturraummanagement gehören.
1991 in Warendorf geboren, studierte Moritz Riesenbeck sowohl Architektur als auch Kunst im öffentlichen Raum in Münster. Das Kunststudium schloss er 2022 als Meisterschüler an der Kunstakademie Düsseldorf ab. Seither lehrt er Architektur, Industrie- und Intermedia-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 2025 gewann er das Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst der Stadt Köln. Zu ihrer Entscheidung merkte die Jury an: „Mit gutem Gespür identifiziert Riesenbeck Orte und analysiert deren Potenziale. Er schreibt mit verschiedenen künstlerischen Mitteln das Vorgefundene fort, inszeniert, fügt neue Kontexte hinzu.“
Zwei Phasen in der Strategie für den Waidmarkt
Im vorigen Sommer hatte der Stadtrat die „Umsetzungsstrategie Waidmarkt“ beschlossen. Sie nimmt das Konzept „Auf dem Weg zu einem Neuen Waidmarkt“ auf, das eine Projektwerkstatt mit Experten, die von den Initiativen „Archiv-Komplex“ und „Köln kann auch anders“ benannt wurden, gemeinsam mit der Stadtverwaltung erarbeitet hat. Die Strategie sieht zwei Phasen vor. In der Entwicklungsphase von 2025 bis 2028 inszenieren künstlerische Interventionen das Gelände zeitweilig neu und nähern sich so der künftigen Gestaltung an. In der Verstetigungsphase von 2029 bis 2031 wird im Rahmen eines kooperativen Werkstattverfahrens ein verbindliches Konzept für den Waidmarkt entwickelt. Dann kann die Bebauung beginnen.
Nachdem klar geworden war, dass sich aus technischen Gründen ein unterirdischer Gedenk- und Kunstraum im Bereich des Gleiswechselbauwerks nicht realisieren lassen würde, stellten die am Bau der Nord-Süd-Stadtbahn beteiligten Unternehmen stattdessen 4,8 Millionen Euro zur Verfügung, um den Waidmarkt zu beleben. Einen Teil davon investiert die Stadt in künstlerische Projekte, die dabei helfen sollen, ein Zukunftsszenario für den Ort zu entwerfen.

