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Unterschriften für einen UnterstandVerwaltung lässt Fahrgäste am Wiener Weg im Regen stehen

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Die Haltestelle „Wiener Weg“ besteht aus einer Busbucht und einem Halteschild auf dem Gehweg.

Die Haltestelle „Wiener Weg“ besteht aus einer Busbucht und einem Halteschild auf dem Gehweg.

Ein Bürgerverein fordert mit 250 Unterschriften Unterstände für Bushaltestellen am Wiener Weg. Politik stimmt zu, doch die Stadt sieht keinen Umbauweg.

Im strömenden Regen, im Schneesturm oder bei Hagel ist das Warten auf den Bus eine Qual – besonders am Wiener Weg. Ein Unterstand fehlt an den Haltestellen, wo jeweils vier Buslinien in Richtung Innenstadt und in die Gegenrichtung nach Weiden und Marsdorf verkehren.

Dort warten oft viele Menschen, morgens auf dem Weg zur Arbeit oder zum Krankenhaus Hohenlind oder dem Ärztezentrum an der Bunzlauer Straße in Weiden. Auch zum Umsteigen wird die Haltestelle genutzt.

Tausende Menschen sind in den Hochhäusern am Wiener Weg und in der Nachbarschaft zu Hause – und es satt, an den Haltestellen Wind und Wetter ausgeliefert zu sein. Über 250 Unterschriften hat der Bürgerverein „Aktives Leben Junkersdorf“ gesammelt und die Verwaltung aufgefordert, dort endlich Unterstände für die Fahrgäste zu errichten, wie die Lindenthaler Bezirkspolitik es bereits im Jahr 2024 beschlossen hat.

Zahlreiche Nachbarn und Nachbarinnen sind gekommen, um mit Bezirksbürgermeister Roland Schüler über die fehlenden Unterstände zu diskutieren.

Zahlreiche Nachbarn und Nachbarinnen sind gekommen, um mit Bezirksbürgermeister Roland Schüler über die fehlenden Unterstände zu diskutieren.

Ärger und Unverständnis über fehlenden Unterstand

Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Vereins Aktives Leben in Junkersdorf, ärgert sich: „Alle anderen Bushaltestellen in der Nähe haben einen Unterstand, nur hier fehlt er. Dabei gäbe es am Wiener Weg überhaupt keine Möglichkeiten, sich anderweitig unterzustellen. Die Hauseingänge seien so weit entfernt, dass man den Bus von dort nicht mehr kommen sieht.“

Bezirksbürgermeister Roland Schüler versteht die Bürger sehr gut: „Die Verwaltung sollte sich die Situation vor Ort einfach einmal anschauen.“ Bislang habe sie immer behauptet, es gäbe hier keinen Platz für einen Unterstand. Man müsste ein Privatgrundstück aufkaufen, um den zu schaffen, was aber nicht möglich sei. Schüler hält das für eine Ausrede.

Busbuchten entsprechen nicht dem Stand der Technik

Die Haltestelle müsste ohnehin umgebaut werden. Sie entspräche nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, erläutert Schüler. Busse sollten heutzutage nicht mehr zum Halten in eine Busbucht fahren wie derzeit am Wiener Weg, sondern an der Fahrbahn stehenbleiben. So muss der Bus keine Schlenker fahren, bei denen die Ein- und Aussteigenden, die nicht sitzen, gefährdet sind.

Wenn der Bus künftig aber auf der Fahrbahn hält, sei im Bereich der jetzigen Busbucht auch Platz für den Unterstand. Sie würde bei einem Umbau zudem so erhöht, dass ein barrierefreier Ein- und Ausstieg möglich ist.

Verwaltung sieht keine Möglichkeit, die Unterstände zu bauen

Die Stadtverwaltung sieht allerdings keine Möglichkeit, das zeitnah zu tun: „Der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen erfolgt gemäß dem vom Rat der Stadt Köln beschlossenen Nahverkehrsplan“, schreibt Robert Baumanns, Sprecher der Stadt. „In diesem Zusammenhang wurde eine Prioritätenliste entwickelt, nach der die Linien und Haltestellen nacheinander ausgebaut werden. Die Haltestelle am Wiener Weg wird von den KVB-Buslinien 136, 143 und 148 bedient. Im Nahverkehrsplan ist die Linie 143 mit (niedriger) Priorität 9 eingestuft“, so Baumanns. Der Ausbau einzelner Haltestellen würde nur dann vorgezogen, wenn Straßen voll ausgebaut oder saniert würden. „Ein Ausbau des Wiener Weges ist derzeit nicht vorgesehen. Dementsprechend könne ein konkreter Zeitpunkt für den barrierefreien Umbau der Haltestelle leider noch nicht genannt werden.“

„Prioritätenliste basiert auf historischem Dokument“

Bezirksbürgermeister Schüler ärgert das: „Es verkehren vier, nicht drei Buslinien am Wiener Weg, seit 2020 auch die Linie 173“, betont er. Die Zahl der Fahrgäste, die dort ein- und aussteigen, die der Stadt Köln vorläge, sei wahrscheinlich veraltet. „Mir ist bis jetzt keine Buslinie bekannt, deren Haltestellen alle einen barrierefreien Einstieg aufweisen.“ Somit sei die Stadtverwaltung bei der Abarbeitung der Prioritätenliste über die Ziffer Null wohl noch nicht hinausgekommen. „Und der Nahverkehrsplan ist von 2017, ein historisches Dokument.“