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Glockenläuten um 13.58 Uhr„Halten die Erinnerung wach“ – Gedenken an der Stadtarchiv-Einsturzstelle

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Bei der Veranstaltung zum Gedenken an den Archiveinsturz am Waidmarkt nahmen der aktuelle OB Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker teil.

Bei der Veranstaltung zum Gedenken an den Archiveinsturz am Waidmarkt nahmen der aktuelle OB Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker teil.

Zum 17. Jahrestag der Katastrophe am Waidmarkt gedachten Angehörige und Stadtvertreter der Opfer in Köln und mahnten zur Verantwortung.

Als am 3. März 2009 beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn das Stadtarchiv einstürzte und die Nachbarhäuser mit sich in die Tiefe riss, starben der Student Khalil G. und der Bäckerlehrling Kevin K. Später nahm sich eine Seniorin, die ihre Wohnung verloren hatte, das Leben. „Das ist und bleibt das Schlimmste, das mit diesem Ort verbunden ist“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester am Dienstag, dem 17. Jahrestag der Katastrophe, bei der Gedenkfeier an der Einsturzstelle. „Für die Angehörigen ist der 3. März der Tag, der das ganze Leben in ein Davor und Danach teilt. Ihnen gilt heute unser erstes Wort, unser Mitgefühl, unser Respekt und unser Versprechen, dass wir die Erinnerung wachhalten.“

Waidmarkt als Ort der Kultur

Zur Feier gekommen waren unter anderen Marvin Pagel, der Halbbruder von Kevin K., Ex-Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Dezernenten Stefan Charles, Andree Haack und Ascan Egerer sowie KVB-Vorständin Alexandra Rohlmann. Ebenso Innenstadt-Bezirksbürgermeisterin Julie Cazier, Kölns ehemaliger Stadtdirektor Guido Kahlen und Vertreter und Vertreterinnen von Initiativen, denen die Gestaltung des Waidmarkts als Ort der Kultur und des Gedenkens ein Anliegen ist.

„Dieser Ort ist eine Wunde im Herzen dieser Stadt und ein Ort der Verantwortung dafür, genau hinzuschauen, dafür, aufzuklären, und dafür, aus Fehlern zu lernen“, sagte Burmester, der die einzige Ansprache hielt. Köln habe in den Jahren seit dem Einsturz, bei dem ungeheure Mengen an Archivalien in der Grube verschwanden, erlebt, wie wichtig kritisches Bürgerengagement sei. Initiativen, Angehörige, Anwohner und engagierte Künstler hätten nicht locker gelassen: „Sie haben nachgefragt, eingefordert, erinnert. Das war nicht immer bequem, aber es war richtig.“

„Stadtentwicklung im Dialog“

Burmester ging darauf ein, dass der Stadtrat im vorigen Sommer die „Umsetzungsstrategie Waidmarkt“ beschlossen hat. Sie nimmt das Konzept „Auf dem Weg zu einem Neuen Waidmarkt“ auf, das eine Projektwerkstatt mit Experten, die von den Initiativen „ArchivKomplex“ und „Köln kann auch anders“ benannt wurden, gemeinsam mit der Stadtverwaltung erarbeitet hat. „So stelle ich mir Stadtentwicklung vor. Nicht von oben herab, sondern im Dialog“, sagte der Oberbürgermeister.

Die Strategie sieht zwei Phasen vor. In der „Entwicklungsphase“ von 2025 bis 2028 inszenieren künstlerische Interventionen das Gelände zeitweilig neu und nähern sich so der künftigen Gestaltung an. In der „Verstetigungsphase“ von 2029 bis 2031 wird im Rahmen eines kooperativen Werkstattverfahrens und erneut unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft ein verbindliches Konzept für den Waidmarkt entwickelt.

Die Umsetzung soll beginnen, sobald der Rohbau für das Gleiswechselbauwerk der Nord-Süd-Stadtbahn fertiggestellt ist. Dies wird voraussichtlich 2031 der Fall sein. „Für mich ist entscheidend: Wir müssen Vertrauen stärken, durch Transparenz, klare Kommunikation und sichtbare Schritte“, so Burmester. „Dazu gehört, vor Ort besser und verständlicher zu informieren, analog am Bauzaun und digital, für alle zugänglich.“

Die Feier endete mit einer Schweigeminute, während wie jedes Jahr um 13.58 Uhr, dem Zeitpunkt des Einsturzes, die Glocken der Südstadt-Kirchen läuteten, um an die Katastrophe zu erinnern.