Dadi Freyr bringt sein drittes Album „Too much not enough“ raus - und begrüßt den ESC-Boykott Islands wegen der Teilnahme Israels.
Isländischer ESC-Star„Ich interessiere mich gerade nicht wirklich für den Wettbewerb“

Der isländische Musiker Dadi Freyr bringt sein drittes Album heraus.
Copyright: Yael Bar Cohen
Die Herzen flogen dem Pechvogel Dadi Freyr im Frühjahr 2021 nur so zu, als er wegen einer Corona-Infektion nicht beim Eurovision Song Contest auftreten durfte. Immerhin: Seine Band Gagnamagnið trat ohne ihn an und belegte den vierten Platz. Ein Jahr zuvor war der Auftritt der Isländer, die auch mit ihren schrägen Outfits Aufsehen erregten und als Favoriten galten, geplatzt, weil der ESC wegen der Pandemie komplett abgesagt werden musste. Dadi Freyrs Lied „Think about things“, wurde trotzdem zum Hit mit mehr als 150 Millionen Streams bei Spotify und ebnete ihm den Weg zum internationalen Erfolg.
Gerade hat der 33-jährige Isländer und Solokünstler – die Band wurde nur für den ESC zusammengestellt – sein drittes Album „Too Much Not Enough“ veröffentlicht. Dass es eine Woche vor dem ESC-Finale am 16. Mai in Wien veröffentlicht wird, ist reiner Zufall. Freyr wird das Finale in diesem Jahr nicht verfolgen. Die Songs der diesjährigen Teilnehmer hat er sich gar nicht erst angehört. „Ich interessiere mich gerade nicht wirklich für den Wettbewerb“, erklärt er.
Island nimmt in diesem Jahr nicht am ESC teil, so wie auch die Niederlande, Irland, Slowenien und Spanien. Der isländische Rundfunk hatte den Wettbewerb wegen der Teilnahme Israels boykottiert – umso bemerkenswerter in einem Land, in dem der ESC ein riesiges kulturelles Event ist. Freyr unterstützt diese Entscheidung vollends. Auf den Einwand, dass viele Menschen in Israel gegen ihre Regierung protestieren und Künstler mit dem Boykott für das Handeln ihrer Regierung bestraft werden, reagiert er beim Interview in Reykjavik mit einem Verweis auf Russland, das ebenfalls ausgeschlossen wurde. „Ich finde nicht, dass Israel beim Eurovision Song Contest antreten sollte.“

Konzert von Daði Freyr im Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln Ehrenfeld im Jahr 2022
Copyright: Alexander Roll
Alles zum Thema Corona
- Urteil Drei Jahre Gefängnis für Corona-Betrüger aus Leverkusen
- So bleibt man motiviert Kölner Sportwissenschaftler Froböse gibt hilfreichen Tipp
- Planänderung in Deutz Der Umbau der Kasemattenstraße fällt kleiner aus
- Kleinkunstpreis Gute Unterhaltung funktioniert in Euskirchen auch ohne große Worte
- Lindlar läuft Beim Ortskernlauf trifft Volksfeststimmung auf Leistungssport
- Paartanz ohne Partner Sankt Augustiner Solo-Tänzerin erzählt, wie der Sport ihr Selbstbewusstsein stärkt
- Influenza, Corona und RSV Alle husten – aber die Grippe-Welle kommt erst noch
2023 trat Dadi Freyr beim ESC-Finale in Liverpool als Special Guest mit dem Atomic-Kitten-Coversong „Whole Again“ auf. 2025 hatte er nach eigenen Angaben ein weiteres Angebot des ESC-Teams, im Umfeld des Wettbewerbs aufzutreten, lehnte wegen der Teilnahme Israels aber schon damals ab. „Das hat sich für mich nicht richtig angefühlt.“
Positive Energie auf „Too much not enough“
Die Songs auf seinem neuen Album verbreiten sehr viel positive Energie. Und dass, obwohl Donald Trump beim Schreiben der Songs oft in seinem Kopf herumspukte, weil der zu dem Zeitpunkt gerade erneut Präsident der USA wurde. Er habe aber noch nie im Leben versucht, einen explizit politischen wütenden Song zu schreiben. „Ich will nur Positives verbreiten“, sagt Freyr. Auch Donald Trump will er öffentlich so wenig Aufmerksamkeit wie möglich entgegenbringen: „Ich hoffe einfach, dass diese Phase irgendwann vorbei ist.“
Im neuen Song „Feel It“ thematisiert Dadi Freyr seine Solidarität mit der LGBTQ-Community, die zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt ist. „Ich hoffe, dass der Sturm irgendwann vorbeizieht“, singt der Isländer, der nicht zuletzt durch seine ESC-Auftritte ein großes queere Fangemeinde hat. Auch wenn diese Zeile Hoffnung verbreiten soll: Besonders optimistisch sei er derzeit nicht, räumt Freyr ein.
Sein neues Album hat er Eigenregie veröffentlicht und komplett selbst finanziert. Angebote von Majorlabels hat er schon in der Vergangenheit abgelehnt und dabei, wie er sagt, freiwillig auf viel Geld verzichtet. „Ich weiß, dass ich es hassen würde, wenn ich bei einem Major-Label unterschreiben würde“, sagt er. Es sei ihm sehr wichtig, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam mit seiner Frau hat er darum sein eigenes Label gegründet.

Dadi Freyr lebt mit seiner Familie seit einem Jahr wieder in Island. Davor lebte er 11 Jahre in Berlin.
Copyright: Yael Bar Coen
Freyr lebte elf Jahre in Berlin, bevor er im vergangenen Jahr mit seiner Familie nach Island zurückzog, damit seine beiden Kinder hier zur Schule gehen können. Während er in Berlin selten auf der Straße angesprochen wurde, kennt ihn in Island jeder. „Davor hatte ich tatsächlich den größten Respekt, als wir zurückgekommen sind. Aber wir leben in einer kleinen Stadt etwas außerhalb von Reykjavik, hier gewöhnen sich alle langsam an mich.“ Anders sei es mit „betrunkenen Leuten“: Er sei schon lange nicht mehr im Nachtleben von Reykjavik unterwegs gewesen.
Im Herbst tourt Freyr durch die USA, mit 20 Konzerten ist es seine bislang größte Amerika-Tour. Wann und ob es eine Tour nach Deutschland geben wird, steht noch nicht fest.

