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Sanierungsbedürftiges MuseumDas MAKK interveniert mit Baumskulpturen gegen Bauzäune

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Gelbe Bänder spannen sich hinter einem Denkmal an einem Baum.

Wie ein Fächer breiten sich gelbe Bänder an einem Baum vor dem MAKK aus.

An Bäumen vor dem MAKK sind grelle Gurtband-Installationen eines Düsseldorfer Künstlerduos entstanden. Sie sollen das äußere Erscheinungsbild beleben.

Seit über einem halben Jahr ist das sanierungsbedürftige Museum für Angewandte Kunst (MAKK) mit einem Bauzaun umgeben, wird der Eingangsbereich mit einem Tunnelgerüst vor möglicherweise herabfallenden Teilen geschützt. „Wir werden oft angesprochen, ob wir überhaupt geöffnet haben“, sagt Petra Hesse, die Direktorin. Um diesem tristen äußeren Erscheinungsbild etwas entgegenzusetzen, hat sich das MAKK dazu entschieden, künstlerisch zu intervenieren. Barbara Esser und Wolfgang Horn, ein Düsseldorfer Künstlerduo, haben für acht Bäume rund um das Rudolf-Schwarz-Gebäude zehn Konstruktionen aus verschiedenfarbigem Gurtband erarbeitet, um die Bedeutung des Museums sowie des urbanen Umfelds hervorzuheben.

Aus der Richtung des WDR-Funkhauses fällt sofort ein sich leicht nach vorn neigender Baum auf, der rechts neben den Denkmälern von Ferdinand Franz Wallraf und Johann Heinrich Richartz steht. Esser und Horn haben von zwei langen Ästen einen Fächer aus gelben Bändern am Stamm zusammengeführt. An mehreren Bäumen, die sich neben dem Museum am Kolpingplatz in den Himmel recken, sind gelbe, orangefarbene oder rote Gurtbänder in kleinen Abständen übereinander um Äste gewickelt. Grafik trifft auf amorphe Stofflichkeit.

Künstler-Duo entwickelt seit über zehn Jahren Baumskulpturen

Seit elf Jahren entwickeln Esser und Horn textile Baumskulpturen, seit 30 Jahren arbeiten sie mit textilen Materialien. An verschiedenen Orten wie dem Feldmühleplatz im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel wurden Bäume zeitweise Bestandteil ihrer Installationen. Nun beauftragte das MAKK die beiden Künstler. Ziel sei es, die einzigartige urbane Umgebung des Museums sowie der Grünanlage auf der Westseite hervorzuheben, sagt Hesse. Letztere ist die älteste Schmuckanlage in der Kölner Innenstadt.

Um einen Baum sind gelbe und orangefarbene Bänder gewickelt.

Bis zu 1000 Meter Gurtband sind in einer Installation verarbeitet.

Über dreieinhalb Wochen brachten Esser und Horn die Gurtbänder an – in enger Absprache mit dem Grünflächenamt. Die Auswahl des Materials sei kein Zufall, sagt Horn. „Das Grundflächenamt benutzt diese Gurte selbst, um die Bäume zu stützen.“ Tatsächlich spannen sich an einem Baum hinter dem Adolph-Kolping-Denkmal schwarze Seile zur Befestigung. „Diese Form der Installationen passt sehr gut zu unserem Museum für Angewandte Kunst“, stellt Direktorin Hesse fest.

Bis zu 1000 Meter Band pro Form

Der Prozess begann mit der Auswahl der passenden Bäume. Der gelernte Architekt Horn schildert, wie er die Bäume fotografiert, Skizzen anfertigt und Modelle entwirft. „Da hilft mir meine Ausbildung.“ Praktisch sei, wenn der Baum einen langen Stamm habe, die Rinde keine Unformen wie Löcher oder Wucherungen aufweise. 800 bis 1000 Meter Gurtband pro Form verwendete das Düsseldorfer Künstler-Paar – jedes Einzelne in Handarbeit stramm um das Holz gewickelt oder gespannt. Dafür mussten kurzzeitig auch die Bauzäune beiseitegerückt werden.

Anfangs seien Passanten davon ausgegangen, dass es sich um Arbeiten am Gebäude gehandelt habe, erzählt Esser. Dann sei es aber schnell um das künstlerische Projekt gegangen, das ihrer Wahrnehmung nach sehr positiv aufgenommen wurde. „Dann ging es schnell nur noch um die Kunst und nicht mehr um den Zustand des Gebäudes.“

Die künstlerische Intervention, die vollständig von der Overstolzengesellschaft gefördert wurde, ist bis Oktober 2026 geplant. Die Menschen sollen behutsam auf eine Installation aufmerksam werden und dann ganz natürlich von einem Baum zum nächsten geführt werden. Esser und Horn freuen sich darauf, dass sich ihre Kunstwerke mit den Jahreszeiten weiterentwickeln werden: „Wenn die Bäume erst einmal grün sind, dann entsteht eine ganz neue Symbiose aus den Ästen, den Blättern und dem Licht“, sagt Horn.