Die lit.Cologne achtet besonders auf den Lese-Nachwuchs: Fast die Hälfte der Veranstaltungen richtet sich an Kinder und Jugendliche.
lit.kid.CologneVorschul-Bus ermöglicht Kitas Lesungen trotz Personalmangels

Angela Furtkamp ist die Programmleiterin der lit.kid.Cologne.
Copyright: Alexander Schwaiger
Dieses Wochenende startet die 26. Ausgabe der lit.Cologne. Dass die Veranstalter dabei auch dem Lese-Nachwuchs viel Beachtung schenken, wird schon beim Blick auf das Programm deutlich. Fast die Hälfte der über 200 Veranstaltungen ist für Kinder und Jugendliche konzipiert. „Die lit.kid.Cologne ist ziemlich gleichberechtigt“, sagt Angela Furtkamp, Leiterin des Kinder- und Jugendprogramms. Seit es das Literaturfestival gebe, sei es den Verantwortlichen wichtig gewesen, diese Zielgruppe zu erreichen.
Das Angebot gliedert sich in zwei Teile: Einerseits finden Veranstaltungen für Familien statt, andererseits gibt es, in noch größerem Umfang, das Programm für Schulklassen und Vorschulkinder. Diese konnten im Dezember von ihrem Erzieher – beziehungsweise Lehrpersonal angemeldet werden. Dieses Vorschul- und Klassen-Buch-Pogramm sei noch wichtiger, sagt Furtkamp. „Einfach weil wir da Kinder aus allen Bildungshintergründen, aus allen Stadtteilen Kölns, auch aus dem Umland erreichen.“
Nahezu hundertprozentige Auslastung
Da die Nachfrage immer deutlich höher sei als das Angebot, werde schließlich gelost. „Am Ende kommen wir auf eine Auslastung von nahezu 100 Prozent“, sagt die Programmleiterin. Dabei gebe es Veranstaltungen, die „viermal befüllt werden“ könnten: „Wenn man für dritte, vierte Klassen, zum Beispiel Margit Auer im Vormittagsprogramm hat, dann könnte man da 1200 Kinder reinsetzen.“ Mit drei Euro pro Kind ist der Eintritt sehr erschwinglich. Sollte es dennoch finanzielle Engpässe geben, wird das Geld vom Förderverein „Ein Herz lacht“ auf unbürokratischem Weg übernommen.
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Ich kann mich nur dann als ein mündiger Bürger und ein demokratischer Mensch in dieser Welt zurechtfinden, wenn ich die Grundfertigkeiten dafür habe. Da ist Lesen ein ganz wesentlicher Bestandteil
Dass ein Besuch bei der lit.kid.Cologne nicht zustande kommen kann, obwohl das nötige Geld vorhanden ist, mussten die Verantwortlichen im vergangenen Jahr feststellen: Weil sie personell unterbesetzt sind, sagten viele Kindertagestätten ihre Teilnahme ab. „Wir sind uns des eklatanten Personalmangels in vielen Kitas bewusst und wollten es dennoch nicht daran scheitern lassen“, erinnert sich Furtkamp. „Wenn die Kinder nicht zu uns kommen können, dann kommen wir eben zu ihnen.“ In Kooperation mit der KVB gibt es dieses Jahr erstmals den Vorschul-Bus, der am 9. März mit Christian Wunderlich und am 10. März mit Jule Wellerdiek insgesamt sechs ausgeloste Kölner Kitas auf der rechten und der linken Rheinseite für Lesungen besucht. Mit dabei sind unter anderem das Fröbel-Kindergarten und Familienzentrum in Kalk und das Katholische Montessori Kinderhaus Sankt Johannes in Bocklemünd.
Lesen als Grundfertigkeit für ein mündiges Leben
„Für uns haben die Vorschul-Bus-Lesungen auch eine bildungspolitische Dimension“, erklärt Furtkamp. Das Literaturfestival wolle darauf aufmerksam machen, wie weitgehend die Folgen des Personalmangels im Erziehungsbereich seien. „Ich habe das vor zwei Jahren das erste Mal gesagt und das ist immer noch meine feste Überzeugung: Lesekompetenz ist Lebenskompetenz“, betont die Programmleiterin. Das Angebot habe „natürlich das Ziel, Kindern und Jugendlichen die Welt der Literatur zu eröffnen“. Aber: „Ich kann mich nur dann als ein mündiger Bürger und ein demokratischer Mensch in dieser Welt zurechtfinden, wenn ich die Grundfertigkeiten dafür habe. Da ist Lesen ein ganz wesentlicher Bestandteil, weil ich dadurch andere Welten entdecke und andere Meinungen verstehe, weil ich nur, wenn ich richtig lesen kann, erkenne, was Fake News oder was veritable Informationen sind.“
Dieses Jahr freue sie sich beispielsweise sehr auf die Veranstaltung mit Titus Dittmann („Mein Skateboard und ich“, 14. März, 15 Uhr, Kölner Schauspiel im Depot 2), der 2021 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Er hat das Skaten in Deutschland etabliert, engagiert sich für benachteiligte Jugendliche und hat zum Beispiel in Afghanistan eine Skate-Schule gegründet“, erzählt Furtkamp. Außerdem sei sie auf die Lesung von US-Erfolgsautor Jason Reynolds („24 Sekunden ab jetzt“, 19. März, 12 Uhr, Grüner Saal im Comedia-Theater) gespannt. „Da machen wir dann eine rein englische Lesung. Die Jugendlichen sind dann ja auch schon 14 oder 15 Jahre alt.“
Auf Höhepunkte will sich die Programmleiterin aber nicht festlegen: „Das ist so wie: ‚Welches ist mein Lieblingskind?‘“, sagt sie. „Was das Highlight war, kann man hinterher sagen. Das ist dann auch häufig etwas, womit man vorher gar nicht gerechnet hat.“

