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Mein Kulturmonat„In Köln ist das Kino vergleichsweise erschwinglich“

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Dirk Steinkühler steht vor seinem Kino.

Dirk Steinkühler, Mitbetreiber des Kölner Kinos Filmpalette

Kinobetreiber Dirk Steinkühler über das Kölner Kulturangebot, die Kürzungspolitik der Stadt und den Kampf ums junge Publikum.

Kölns Kulturangebot ist vielfältig. Nicht einzigartig, aber ich würde es eine überschaubare Vielfältigkeit nennen. In anderen Großstädten verliere ich häufig den Überblick. In Köln ist das greifbarer, wenngleich mir auffällt, dass die öffentlich geförderten Kulturangebote durch den Sparkurs weniger werden. Gleichzeitig nehmen Initiativen, die durch bürgerschaftliches Engagement entstehen, zu. Wir vom Filmhaus haben zum Beispiel im März anlässlich des feministischen Kampftages unser Foyer für eine Veranstaltung zur Verfügung gestellt, die in Kooperation mit dem Kölner Mimosa Kollektiv – einer Vereinigung, die sich als feministisches Kunstlabor versteht und sich für die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen einsetzt – stattfand. Mimosa hat damals einen Kurzfilmabend mit dem thematischen Fokus auf Gender, Identität und patriarchale Gewalt organisiert. Das hat mir gut gefallen.

Trotzdem ist das insgesamt keine gute Entwicklung. Wenn wir von Kürzungen im Kultursektor sprechen, bedeutet das vor allem, dass junge Menschen daran nicht partizipieren können. Außerdem haben viele Kultureinrichtungen mit gestiegenen Kosten zu kämpfen – etwa mit Mindesthonoraren. Solche Preisentwicklungen sind richtig, aber wenn man fürs Personal mehr Geld ausgeben muss, soll oder will, dann passiert das auf Kosten anderer Posten, also zum Beispiel des Programms. Dann machen nicht mehr drei Kuratoren drei Programme, sondern nur noch zwei Kuratoren zwei Programme. Das sind ebenfalls Folgen der Kürzungen. Ich würde mich nie darüber beschweren, wenn die Kultur weniger Geld bekommt, weil es in andere Bildungsprojekte fließt. Ich sehe aber nicht, dass das geschieht.

Kultur sollte möglichst viele Menschen ansprechen und zugleich niedrigschwellig bleiben
Dirk Steinkühler

Kultur sollte möglichst viele Menschen ansprechen und zugleich niedrigschwellig bleiben. Genau darin liegt aus meiner Sicht eine zentrale Stärke der Filmkultur in Köln. Kino und Filmveranstaltungen sind hier im bundesweiten Vergleich vergleichsweise erschwinglich. Das kommerzielle Kino ist nicht immer günstig, vor allem dort, wo bewusst auf mehr Komfort gesetzt wird. Wer aber einfach einen Film sehen oder eine Veranstaltung mit Gespräch besuchen möchte, kann das oft schon für rund zehn Euro, teilweise sogar günstiger. Dazu kommen Ermäßigungen, etwa für junge Zuschauerinnen und Zuschauer oder mit dem Köln-Pass.

Ein Beispiel für diese Niedrigschwelligkeit ist „Cineville“. Das Abo deckt schon mit wenigen Besuchen im Monat seinen Preis, jeder weitere Kinobesuch fällt dann kaum noch ins Gewicht. Davon profitieren nicht nur die Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern auch die Kinos, weil sie an den Abo-Einnahmen beteiligt werden. Vor allem aber senkt so ein Modell die Schwelle, auch einmal schwierigere oder unbekanntere Filme auszuprobieren. Wenn man nicht jedes Mal neu zahlen muss, geht man offener an ein Programm heran. Entscheidend ist dabei, dass überhaupt ein vielfältiges Angebot gemacht wird. Nur so erreicht man auch ein junges Publikum. Der Erfolg des Klassikers „La Haine“ hat das zuletzt gezeigt. Der Film funktioniert auch 30 Jahre nach seinem Erscheinen noch, gerade für jüngere Menschen. Dass er in Köln so gut angekommen ist, lag sicher an einer Social-Media-Kampagne, aber auch daran, dass er in mehreren Kinos über längere Zeit gezeigt wurde.

Kinobetreiber bin ich über die praktische Arbeit im Kino geworden, sprich als Student als Filmvorführer im Programmkino in Bochum. Dort an der Uni war ich im Studentischen Filmclub, wo ich mich um die Filmbestellungen gekümmert habe. Als Joachim Kühn und ich 2004 die Filmpalette übernehmen konnten, wurde es dann ein Fulltime-Job. Über die Jahre haben wir dort einen zweiten Saal errichtet und weitere Projekte wie die jährliche „Kino Latino“-Filmreihe oder das Open-Air-Kino im Innenhof des MAKK ins Leben gerufen.

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Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Politik die Möglichkeiten der Filmkultur noch nicht ganz erkennt. Das heißt ausdrücklich nicht, dass sie Film nicht wertschätzt. Aber andere Künste oder Bereiche haben es oft leichter, in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung wahrgenommen zu werden. Vielleicht müsste die Stadt noch stärker und kreativer mit Kulturschaffenden in den Austausch gehen. Es bräuchte mehr Verständnis dafür, was kulturelle Arbeit für die Gesellschaft eigentlich leistet.

Denn Film kann Horizonte erweitern. Das zeigt sich besonders an thematischen Abenden zu Fragen von Flucht, Demokratie oder Solidarität. Auch wenn Filme in anderen Ländern spielen, lassen sich ihre Themen auf das eigene Leben und auf die eigene Stadt übertragen. Natürlich können das auch Theater oder andere Kunstformen. Der Film hat jedoch eine besondere Stärke: Er kann Nähe herstellen und Situationen verdichten.

Ein Beispiel dafür ist „Ich verstehe Ihren Unmut“, ein Film über Reinigungskräfte. Die Kamera bleibt dicht an der Hauptfigur und macht ihren Arbeitsalltag fast körperlich spürbar. Man erlebt den Zeitdruck, die Überforderung und die dafür verantwortlichen strukturellen Bedingungen mit. Gerade diese Verdichtung ist etwas, das der Film besonders gut leisten kann: auf der großen Leinwand, gemeinsam mit anderen, und im anschließenden Austausch darüber. Genau darin liegt auch ein wesentlicher Unterschied zum Filmeschauen zu Hause.

(Aufgezeichnet von Johannes Mönch)


Dirk Steinkühler ist gelernter Buchhändler. Er studierte Film- und Fernsehwissenschaften, Theaterwissenschaften und Publizistik. Seit 2004 ist er Geschäftsführer des Kölner Kinos Filmpalette, seit 2021 im Filmhaus, seit 2024 ist er zudem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Filmhaus Köln GmbH.