Die Folgen von künstlicher Intelligenz, neue Genre-Präferenzen oder Plattformkonzepte waren bei „Story Vision Europe“ thematische Schwerpunkte.
Neues Kölner MedienforumGeld verdienen gestattet, aber nach europäischen Regeln

Besuchte das neue Branchenforum „Story Vision Europe“: NRW-Europa- und Medienminister Nathanael Liminski (CDU).
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Ende Mai gab die Bundesregierung bekannt, dass sie eine Investitionsverpflichtung für Streamingdienste wie Netflix, Disney Plus oder Amazon Prime und Fernsehsender beschlossen hat. Demnach müssen die Anbieter künftig mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes in den Filmstandort Deutschland investieren. Aus der Branche gab es daran Kritik. So bezeichnete etwa die Deutsche Filmakademie den Plan als „erstaunlich ambitionsloses Signal“, weil die vorgesehene Investitionsquote bereits heute unter dem Niveau vergleichbarer großer europäischer Märkte liege. Der Kölner Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann, zugleich Vorsitzender des Kultur-Ausschusses, zeigte sich am vergangenen Montag bei dem neuen europäischen Branchenforum „Story Vision Europe“ in der Wolkenburg hingegen als Anhänger dieses Vorhabens: „Wer auf dem europäischen Markt erfolgreich Geschäfte macht, muss auch in europäische Produktionen investieren. Das stärkt unsere Produzenten und alle Arbeitsplätze in der Filmindustrie.“
Ziel des Tagungsformats ist es, führende Akteure aus der Medienbranche zusammenzubringen, um zentrale Fragen zur Zukunft europäischer audiovisueller Inhalte zu diskutieren. Die Folgen von künstlicher Intelligenz, neue Genre-Präferenzen oder Plattformkonzepte waren dabei thematische Schwerpunkte. Grundlage all dessen: Das sich wandelnde Nutzerverhalten. Wie Olivia Deane, Forschungsleiterin des Medien-Marktforschungsinstituts „Ampere Analysis“, in ihrer Präsentation aufzeigte, haben Abo-basierte Streamingplattformen in Westeuropa mittlerweile das lineare Fernsehen in der Beliebtheit abgelöst. Dabei ist das Krimi-Genre aktuell am populärsten, was aber auch an einer wachsenden Verfügbarkeit entsprechender Produktionen liegt.
Neue Trends aus Asien
Den Daten zufolge geht der Trend hin zu kürzeren, schneller konsumierbaren Formaten. So lässt sich etwa bei Serien, die mehr als 14 Episoden haben, keine gesteigerte Nachfrage ausmachen. Überdies nimmt der asiatische Einfluss auf dem europäischen Markt zu. Das betrifft einerseits das Phänomen der sogenannten Mikro-Dramen. Das sind sehr kurze, häufig nur ungefähr eine Minute dauernde Videos mit zumeist melodramatischen Inhalten, die stets an einer vermeintlich spannenden Stelle enden, um zum Aufrufen des darauffolgenden Videos anzuregen. Andererseits geht damit ein steigendes Interesse am Romance-Genre einher, das Deane ebenfalls als neuen Trend auswies.
Monetär gesehen, das betonte Medienanalystin Johanna Koljonen bei „Story Vision Europe“, seien die europäischen Filmproduktionen zumeist desaströs. Aus ihrer Perspektive brauche es deswegen eine andere Art der Finanzierung. In diesem Zusammenhang sprach sich die Autorin des jährlich erscheinenden, vom Göteborg Film Festival initiierten „Nostradamus“-Branchenberichts für eine publikumswirksamere Herangehensweise an die Kultur aus: „Wir denken so elitär, es ist schlimm. Wenn etwas populär ist, denken wir, dass es trivial ist. Das bedeutet, dass wir ständig die Entwicklungen des Marktes verschlafen, dass wir ständig die falschen Schlüsse ziehen.“
„Kanu des Manitu“ kooperierte mit TikTok
Eine deutsche Produktion, der wahrlich nicht der Vorwurf gemacht werden kann, sich inhaltlich und ästhetisch zu sehr in den Elfenbeinturm zurückzuziehen, war die Komödie „Kanu des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig – der erfolgreichste Film in Deutschland 2025. Wie Sonia Gleeson von TikTok Großbritannien erläuterte, sei es durch eine gezielte Kampagne auf der aus China stammenden Social-Media-Plattform gelungen, die Einnahmen an der Kinokasse zu steigern: Mit etwa 100 Millionen Videoaufrufen habe der Hype zwei Tage nach der Premiere seinen Höhepunkt erreicht. Insgesamt seien schlussendlich etwa fünf Millionen Kinotickets verkauft worden.
Trotz dieses finanziellen Erfolges müssen sich Unternehmen wie TikTok auf verschärfte europäische Regularien einstellen. Mit dem 2. August 2026 tritt der EU AI Act vollständig in Kraft und ist damit das weltweit erste umfassende Gesetzespaket zur Regulierung Künstlicher Intelligenz. Bei Verstößen gegen die neuen Regeln zur Transparenz von KI-Inhalten oder suchtförderndem App-Design drohen den Konzernen Bußgelder. NRW-Europa- und Medienminister Nathanael Liminski (CDU) sagte bei „Story Vision Europe“, dass die Verordnung noch weiter entwicklungsbedürftig sei. Trotzdem betonte er: „Es zeigt den Plattformen TikTok, X, Meta, Google etc., dass sie natürlich in Europa Geld verdienen können – aber nach unseren Regeln.“
