Tanz Köln hat das berauschende „Dream Team“ von Gauthier Dance Juniors in die Kölner Oper geladen. Mal humorvoll, mal überdreht.
Tanz im StaatenhausEric Gauthier beschwört die Kraft der Jugend

Gauthier Dance JUNIORS//Theaterhaus Stuttgart, Gastspiel im Staatenhaus Februar 2026
Copyright: Jeannette Bak
Müsste man einen heutigen Sergei Djagilew benennen, einen Tanzimpresario, der aus dem Nichts eine fantastische Kompanie aufbaut und wo immer er auftaucht, eine neue Begeisterung für die Sparte entfacht – er wäre es: Eric Gauthier, als zeitgemäß showaffinere Variante des „Ballets Russes“-Gründers. Auch als therapeutischere, denn heute reicht es ja nicht mehr, dass man auf die Kunst als Kraftwerk vertraut. Also entert Gauthier etwa mit Tanzinterventionen die Schulen.
Und unvergessen: Kaum liegt im Corona-Lockdown die Tanzwelt verzweifelt darnieder, ploppen auf Youtube „#Wohnzimmerballette“ auf und im Fernsehsender 3sat eine Serie mit Filmclips über das Schwanenmotiv. Der Initiator? Natürlich der Sunny Boy aus Kanada – man muss ihm ewig dankbar sein für diese kreative Krisen-Soforthilfe. Vor drei Jahren gründete er eine weitere Kompanie: die „Gauthier Dance Juniors“. Jetzt kam der Nachwuchstrupp das erste Mal zu Tanz Köln ins Staatenhaus. Und klar: Sie funkeln.
Erst taff, dann wunderbar zärtlich
Mit vier Choreografien und sechs Tänzerinnen und Tänzern ist die Kompanie angereist. Alle tanzen in allen Stücken, durchweg zappelig-schnell, manchmal auch ein wenig zu überdreht, und dann sehen sie beim Schlussapplaus aus, als hätten sie sich gerade mal aufgewärmt. Am Auftaktstück, dem mehr als 40 Jahre alten „Jardi Tancat“ von Nacho Duato, mussten sie sich sichtbar noch abarbeiten. Das Sujet, eine hart schuftende, aber gefühlvolle Landbevölkerung, also eine Art Bauern-Andacht zu katalanischer Musik – das ist allerdings wirklich weit weg von der heutigen urbanen Tanzwelt.
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Ab dann aber bekam man die Jugend so zu sehen, wie sie sich jede ältere Generation erträumt: humorvoll in Barak Marshalls „The Blue Brides“ über Geschlechterkämpfe mit extrem taffen Frauen, die jeden Macho das Fürchten lehren. Dann wunderbar zärtlich, sinnlich und vibrierend-leicht in Alejandro Cerrudos „Lickety Split“ – dem choreografischen Highlight des Abends. Und schließlich entfesselt und voller lebensgieriger Hybris in Virginie Brunelles „High Moon“, einer Variation auf Ravels „Bolero“.
Von all dem, was unsere Gesellschaft heute in Bezug auf die Jugend die Sorgenfalten in die Stirn treibt, von all den Gefährdungen und Grausamkeiten der Adoleszenz keine Spur an diesem Abend. Stattdessen sorgen diese ‚Juniors‘ dafür, dass Boss Gauthier glücklich mit seinem titelgebenden Dream-Team sein kann: Jeder tanzt hier in schönster Perfektion mit jedem, das Herz will einem übergehen angesichts dieser Utopie voller Liebe und Heiterkeit. Ein Tanzglück. Der charmanteste Impresario unserer Tage – er kann's einfach.
Nächste Vorstellungen bei Tanz Köln: 12./13.03. „Specky Clark“ von Oona Doherty im Depot 1

