Überraschend wurde das Theater Magedeburg zur „Bühne des Jahres“ gewählt. Auch Kölns neuer Intendant Kay Voges kann sich freuen.
„Theater heute“-KritikerumfrageDie beste Schauspielerin des Jahres ist demnächst in Köln zu sehen

Demnächst auch in Köln: Julia Riedler in „Fräulein Else“ im Volkstheater Wien
Copyright: Marcel Urlaub
Das Theater Magdeburg ist einer Umfrage des Fachmagazins „Theater heute“ zufolge die Bühne des Jahres. Mit sechs von 47 Stimmen entfielen die meisten Nennungen auf Magdeburg. Eine Überraschung, schreibt die Kritikerin Eva Behrendt im Jahrbuch. Sie lobte das junge Ensemble und die dreiköpfige Schauspieldirektion, der es immer wieder gelungen sei, das Schauspiel Magdeburg in die überregionalen Nachrichten zu bringen. Magdeburg war dieses Jahr erstmals zum renommierten Theatertreffen in Berlin eingeladen – mit Jan Friedrichs Inszenierung „Blutbuch“ nach dem Roman von Kim de l'Horizon, erschienen im DuMont Buchverlag.
Die Inszenierung des Jahres stammt von Choreografin Florentina Holzinger: In „Sancta“ setzt sie sich mit der katholischen Kirche auseinander. „Auch wenn das Publikum insbesondere in Stuttgart mit Ohnmachten zu kämpfen hatte, begeisterte das Gesamtkunstwerk über alle Genregrenzen hinaus“, heißt es im Magazin.
„Fräulein Else“ feiert im Januar am Schauspiel Köln Premiere
Als Schauspielerin des Jahres setzte sich die Österreicherin Julia Riedler durch, die am vom neuen Kölner Intendanten Kay Voges geleiteten Wiener Volkstheater in „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler zu sehen war. Riedler ist dem Kölner Publikum noch von ihrem ersten Engagement von 2013 bis 2015 am hiesigen Schauspiel bekannt. Mit ihrem gefeierten „Fräulein Else“-Solo wird sie kommendes Jahr ins Depot zurückkehren, am 14. Januar wird die Inszenierung ihre Kölner Premiere feiern.
Riedler reagierte bereits auf die Ehrung. Sie freue sich, sagte sie, „arg über diese Auszeichnung – vor allem auch, weil sie für ein Schauspiel in einem für mich sehr wichtigen Stück ist. Arthur Schnitzlers ‚Fräulein Else‘ ist ein 100 Jahre alter Text, aber seine empathischen Gedanken, die er für Else und ihre Situation hat, sind auch heute nicht so selbstverständlich. Wie schön, dass diese Inszenierung so vielen Menschen gefällt. Vielen Dank!“.
Auf Voges' Wiener Haus entfielen immerhin drei Nennungen als „Theater des Jahres“ und noch einige mehr in anderen Kategorien. Auch als Regisseur wurde Voges zweimal nominiert.
Das Schauspiel Köln muss sich für die Spielzeit 24/25 einmal mehr mit Einzelerwähnungen zufriedengeben: Kristin Steffen als „Beste Nachwuchs-Schauspielerin“ in Ivana Sokolas „Balkan Drift“, „Making the Story. Ukrainische Fixer im Krieg“, eine Koproduktion des Schauspiels mit der freien Gruppe Futur3 als „Beste Inszenierung“, Regie führte hier André Erlen. Yael Ronens „Collateral Damage“, im Depot 1 uraufgeführt, erhielt eine Nominierung als „Bestes Stück“ (wir fanden sie auch grandios).
Die „plötzliche Änderung der Pläne für das Depot des Kölner Schauspiels mit der Streichung der Tanzkompanie“ wurde einmal als „Ärgernis des Jahres“ genannt. Der Zorn der Kritiker und Kritikerinnen konzentrierte sich in dieser Kategorie auf die Spar- und Kulturpolitik in Berlin.