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LeserbriefeNicht jeder hofft auf die Rückkehr von Kardinal Woelki

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Die von Papst Franziskus verfügte Auszeit für Kardinal Woelki endet am 2. März. Seine Zukunft im Erzbistum Köln ist bislang ungewiss. 

Kölner Katholiken fordern Votum der Gläubigen zur Zukunft des Erzbischofs (7.2.)

Noch eine Chance für den Kardinal

Das Schicksal von Kardinal Woelki wird sich schon unmittelbar nach seiner Rückkehr entscheiden: Sollte er am Aschermittwoch, also direkt am ersten Tag nach seiner päpstlich verordneten Auszeit, an zentraler Stelle oder sogar als Hauptzelebrant den Gottesdienst im Dom leiten, als sei nichts gewesen, so wird er wohl nicht mehr zu halten sein.

Sollte er sich jedoch dort in aller Demut im Hintergrund halten, an der Messe ohne eigenes Zutun nur teilhaben und auch danach im Umgang mit den Gläubigen und den an der Kirche beteiligten Laien zeigen, dass er seine Auszeit dazu genutzt hat, über das Vergangene nachzudenken und sein bisheriges Verhalten radikal zu ändern, so hätte er zumindest die Chance gewahrt, das Bistum auch weiterhin leiten zu können. Im Moment sieht es jedoch leider nicht danach aus.Joachim Schneider Siegburg

Warten auf die Entscheidung des Papstes

Nach einer ganzen Reihe von Fehlern sowie Versäumnissen und einem daraus resultierenden Führungsversagen von Kardinal Woelki bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hat Papst Franziskus ihm im Oktober 2021 pauschal große Fehler in der Kommunikation vorgeworfen, ohne die Fehler im einzelnen zu bewerten und auch ohne die gravierenden Folgen dieser Fehler für das Erzbistum zu benennen.

Der Papst hielt einen bezahlten Urlaub des Kardinals, die sogenannte Auszeit, als Reaktion auf dessen Verhalten für angemessen und ausreichend, was man in Anbetracht der verfahrenen Situation im Erzbistum bezweifeln kann. Die etwas kursorische Verfahrensweise des Papstes lässt die Tendenz erkennen, Kardinal Woelki – wenn irgendwie möglich – im Amt zu belassen.

Während der Auszeit des Kardinals sind Anfang Dezember 2021 erstmals Einzelheiten über die Höhe der Kosten für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bekannt geworden. Für die Ausgabe dieser Summen hätte der Kardinal die Zustimmung der Finanzaufsichtsgremien benötigt, die er nicht eingeholt hat. Damit hat er sich sowohl nach kirchlichem als auch staatlichem Strafrecht dem begründeten Verdacht der strafbaren Untreue ausgesetzt.

Es bleibt abzuwarten, wie der Papst auf dieses erneute Fehlverhalten des Kardinals reagiert, das nach Art und Umfang an den Limburger Finanzskandal erinnert. Entweder nimmt der Papst den erneuten Fauxpas zum Anlass, Kardinal Woelki von seinem Amt zu entbinden, oder aber er verharmlost den gesamten Skandal mit wohlgesetzten Worten als bedauerlichen Betriebsunfall, wie er halt mal passieren kann. Im letzteren Falle kann man dann für die Zukunft des Erzbistums Köln nur noch schwarzsehen.Klaus-Dieter Scherer Erftstadt

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Die Kirche kann sich nur von innen erneuern

Die Vollversammlung des Synodalen Wegs – 230 nicht gewählte Mitglieder – empfiehlt im Namen von 22 Millionen Katholiken in Deutschland, dass der Kardinal sein Amt abgeben solle. Der Vorsitzende des Kölner Diözesanrats – 72 nicht gewählte Mitglieder – spricht sich im Namen von zwei Millionen katholischen Gläubigen im Erzbistum Köln gegen die Rückkehr des Kardinals aus. Woher nehmen diese nicht demokratisch gewählten Gremien ihre Legitimation, solche Forderungen im Namen aller Katholiken in die Öffentlichkeit zu lancieren?

Die Stimmen der vielen Gläubigen, die Kardinal Woelki schätzen und seine bisherige Leistung in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals anerkennen, werden unterschlagen. Die geistliche Erneuerung der Gläubigen, die der Kardinal angestoßen hat, wird kaum erwähnt. Und doch kann sich die Kirche nur auf der Grundlage dieses geistlichen Wegs von innen her erneuern und sich in ihren Strukturen den zeitgemäßen Anforderungen anpassen. Barbara Schellenberger Köln

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Tim O. Sturzbach, Vorsitzender des Kölner Diözesanrats, fordert, die Gläubigen an der Entscheidung über die Zukunft von Kardinal Woelki im Erzbistum zu beteiligen.

Generalstreik zur Abwehr größeren Unheils

Im Blick auf das Desaster der katholischen Kirche einerseits und auf die Hoffnungszeichen in Gemeinden und Initiativen andererseits lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen: Wenn Ex-Papst Benedikt sich wie ein ertappter Schulbub aus seiner Gesamtverantwortung als ehemaliger Erzbischof herausredet, dann wird der große Theologe zum Kleingeist und Feigling. Wenn Kardinal Woelki sich erdreisten sollte, nach katastrophaler Amtsführung weiter als Erzbischof zu fungieren, dann bleibt seinem Personal nur der Generalstreik zur Abwehr größeren Unheils.

Wenn Bischof Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Synodalen Weges kein Blatt vor den Mund nimmt, dann gebühren ihm Dank, Anerkennung und Unterstützung für seine Unerschrockenheit. Wenn der Aachener Bischof Helmlut Dieser sich durch seine Stellungnahmen an die Spitze der Reformbewegung stellt, dann tut er dies hoffentlich nicht nur zur Profilierung und Imagepflege. Wenn Gemeinden und Initiativen sich nicht von Kirchenoberen verbieten lassen, nach dem Evangelium zu handeln, dann stärken Katholiken ihnen dadurch den Rücken, dass sie nicht aus der Kirche austreten. Heinrich-K. Bahnen Aachen

Vertrauen in Woelkis Reformwillen

Auf mich wirkt Kardinal Woelki konzentriert, überlegt und überzeugend, einerseits in seinem bisherigen Auftreten in Gottesdiensten. Andererseits gilt das aber gerade auch für sein Bemühen, den aufgestauten Schlamm übelster Verbrechen im eigenen Haus anzupacken. Er hat doch überhaupt mit seinen Kirchen-externen Gutachten als einer der ersten begonnen, die „Brüder im Nebel“ ins Licht zu zerren.

Sicher, um das erste Gutachten wurde arg unglücklich kommuniziert. Als Geschädigter hätte ich mich wohl auch nicht ernst genommen gefühlt. Wiegt der Personenschutz bei Namensnennung von Verdächtigen juristisch relevanter als die Belange der Gewaltopfer? Das zweite Gutachten brachte aber ein noch fundierteres und zugleich schärferes Ergebnis, das nun verfolgt wird.

Im Sinne Gottes gilt es nun, die Gutachten-Erkenntnisse zu behandeln. Das trauen neben mir auch viele andere Menschen Herrn Woelki zu. Nur gegen die gerade vorherrschende Polemik traut sich kaum mehr jemand, Stellung zu beziehen. Kann man Herrn Woelki nun vernünftig zurückkehren lassen, ohne dass er ständig diskreditiert wird, speziell von Leuten, die sonst mit Gott wenig zu tun haben, sich aber selbst gerne als ach-so-abgeklärt sehen? Er wird seinen begonnenen Weg aufgreifen, auch indem er selbst weiter dazulernt.Sibylle Ohm Köln