Warum die Kölner sich endlich mehr auf ihre Stärken besinnen sollten.
KommentarBahnausbau in Köln – Schluss mit der Selbstverzwergung

Der Kölner Hauptbahnhof wird spätestens ab 2030 ausgebaut. Foto: dpa
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Hören wir auf damit, Köln ständig klein zu reden. Eine Millionenstadt, in der alles schiefläuft. Eine Millionenstadt, die sich im Niedergang befindet, der nichts mehr gelingen will: Oper, Stadtbahn, Museen, Schwimmbäder, Hochhäuser. Die nur noch Luftschlösser baut, weil die nichts kosten, die selbst den Dom dazu zwingt, von den Besuchern aus aller Welt Eintritt zu verlangen, um sein Überleben zu sichern. Eine Millionenstadt, die sich um die Olympischen Spiele bewirbt, aber so recht nicht dran glauben mag. Da könnte der 1. FC Köln ja gleich Deutscher Meister werden.
Diese Selbstverzwergung bleibt nicht ohne Folgen. Sie ist ein Geschenk an die Konkurrenz. An München, Hamburg und Berlin. Städte, mit denen sich Köln gern vergleicht und zu dem immer gleichen Ergebnis kommt: Da können wir nicht mithalten. Olympia ist dabei das beste Beispiel. München fragt nicht: Können wir das? München fragt: Wie kriegen wir das hin?
Köln kann durchaus auch anders
Dabei kann Köln durchaus anders. Zum Beispiel beim Ausbau des Bahnknotens, der zu den schlimmsten Verspätungsfallen der Republik gehört. Über den Moloch Stuttgart 21 schweigen wir lieber. München baut die zweite Stammstrecke für die S-Bahn. Die Kosten werden bald die Zehn-Milliarden-Marke sprengen, vor 2037 wird dort kein Zug fahren. Gegen das Baustellenchaos am Münchner Hauptbahnhof ist der Kölner eine beschauliche Vorort-Station. Schon vergessen? Der Neubau des Berliner Hauptbahnhofs sollte 700 Millionen kosten, am Ende waren es 1,4 Milliarden. Das wird in Köln nicht passieren. Auch wenn es Visionen namhafter Architekten gab, ihn nach Kalk zu verlegen.
In Köln hat man sich anders entschieden. Für eine Verkehrspolitik der kleinen Schritte, denen nach fast 15 Jahren Planung jetzt der erste große folgt. Für knapp 840 Millionen Euro wird jetzt der Grundstein für einen leistungsfähigen Bahnverkehr gelegt, an dessen Ende zehn S-Bahnlinien fahren, das östliche und westliche Rheinland gleichberechtigt und im Zehn-Minuten-Takt mit der Millionenstadt verbunden sein werden.
Um das zu erreichen, muss man keinen Hauptbahnhof abreißen und unter die Erde legen, man muss sein Ziel nur beharrlich, konsequent und ausdauernd verfolgen. Tugenden, die man den Rheinländern zu Unrecht abspricht. Sie können damit leben, dass die kleinen Erfolge kaum jemand mitbekommt. Weil es keine große Eröffnungsparty gibt. Aber darauf können die Planer gern verzichten. Weil Köln im Feiern schon immer die Nummer eins war. Und bleiben wird.
