Köln – Mit drastischen Worten kritisiert die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), einer der größten kirchlichen Verbände in Deutschland, die Leitung des Erzbistums Köln unter Kardinal Rainer Woelki. Deren Verhalten stelle eine „tödliche Gefahr“ für die Kirche mit ihrer „lebenswichtigen Ehrenamtskultur“ dar, so der KAB-Vorsitzende Andreas Luttmer-Bensmann.
Das Zurückhalten eines Missbrauchsgutachtens und der damit einhergehende Glaubwürdigkeitsverlust hätten „schlimmste Auswirkungen auf das Laien-Engagement“. Luttmer-Bensmann berichtete von Lähmung und Frustration in ganz Deutschland. Der KAB-Bundespräses Stefan Eirich beschrieb das Verhalten der Kölner Bistumsleitung mit einem Krebsgeschwür, „das unzählig streut“. Der entstandene Schaden dürfte nach Ansicht der KAB kaum wiedergutzumachen sein. Es schmerze, die Selbstzerlegung der Kirche „vor den Augen einer zunehmend angewiderten Öffentlichkeit“ mit ansehen zu müssen.
Der Verband appellierte an Woelki, das unter Verschluss genommene Gutachten umgehend zu veröffentlichen. „Nur so können Sie weiteres Unheil von der Kirche in Deutschland abwenden.“ Zuletzt hatte sich mit ähnlicher Stoßrichtung die Vertretung der Pfarreien und Verbände im Erzbistum geäußert. Mit dem Kölner Stadtdechanten Robert Kleine, der auch dem Domkapitel angehört, ging das erste Mitglied der Bistumsleitung öffentlich auf Distanz zur Woelki.
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Eine weitere Stellungnahme ist in dieser Woche auch vom Präsidium des „Synodalen Wegs“ zu erwarten. Die 230 Synodalen, die über Kirchenreformen als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal beraten, halten am Donnerstag und Freitag eine Internet-Konferenz ab. Auch Woelki und alle Kölner Weihbischöfe gehören dem Synodalen Weg an. Geleitet wird die Versammlung vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Georg Bätzing (Limburg), und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Beide haben sich bereits persönlich kritisch zu den Vorgängen im Erzbistum Köln geäußert.
Woelki betont seinen Willen zur Aufklärung des Missbrauchsskandals und verweist auf ein Ersatzgutachten, das angebliche Mängel des unter Verschluss genommenen ersten Gutachtens vermeiden solle. Die Veröffentlichung ist für den 18. März geplant.



