Im Podcast mit Robin Gosens verrät Hendrik Wüst, wie er mit Krisen umgeht und warum er dafür Bäume entwurzelte.
„Mir ging es dreckig“Ministerpräsident spricht über seinen seelischen Tiefpunkt

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat in einem Podcast sein Feierabend-Ritual verraten. (Archivfoto)
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In einem Gespräch mit dem Fußballer Robin Gosens gewährte Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, seltene persönliche Einblicke. Der Politiker thematisierte in dem Podcast „Wie geht's?“, der sich mit psychischem Wohlbefinden befasst, die Bewältigung von Krisen, das Erfordernis von Auszeiten und den Druck seines Amtes.
Wüst praktiziert eine feste Gewohnheit, um nach getaner Arbeit eine deutliche Trennlinie zum Privatleben zu ziehen und für seine Familie da zu sein. Dafür legt er seinen Anzug ab und schlüpft in Jeans sowie einen Pullover. „Dann hängt der Ministerpräsident sozusagen am Kleiderbügel“, erläuterte Wüst.
Die Notwendigkeit von bewussten Auszeiten
Aufgrund des straffen Zeitplans als führender Politiker musste er die Lektion lernen, Ruhephasen einzulegen, so Wüst. Einen anfänglichen Hinweis von Ex-Finanzminister Helmut Linssen („Junge, mach' mal Pause“) habe er zu Beginn seiner Karriere missachtet. „Als er mir das zum ersten Mal gesagt hat, bin ich sozusagen über diese gelbe Ampel gedanklich rübergefahren und habe gesagt: Ach, ich komm' schon klar, ich bin jung und so weiter.“
Später habe er jedoch angefangen, dem Rat Beachtung zu schenken. Dies umfasse, eine angemessene Mittagspause einzulegen, während der man nicht in einer Besprechung isst, und auch vor dem Aufbruch zur Arbeit zu frühstücken. Darüber hinaus bemühe er sich, „ein komplett freies Wochenende im Monat zu haben“, sagte Wüst. „Ich versuche dann an dem Wochenende auch vielleicht nicht ganz so viel zu telefonieren oder auch mal gar nicht. Nur Familie, Sport, Bewegung.“
Zur Verantwortung für öffentliche Äußerungen
Befragt dazu, wie er mit einem Umfeld umgeht, in dem jede unbedachte Formulierung kritisiert wird, erwiderte Wüst, er sei „eh immer eher ein introvertierterer Typ“ gewesen. Ein Pädagoge habe ihm früher den Ratschlag erteilt, erst zu überlegen und anschließend zu sprechen. Trotzdem beabsichtige er keine Verstellung: „Man muss sein, wer man ist. Und entweder das passt und die Leute akzeptieren einen so oder eben nicht.“
Gleichzeitig sei er sich des Gewichts seiner Aussagen im Klaren. „Das Wort hat Gewicht. Ich kann mich nicht benehmen wie eine offene Hose. Ich kann nicht einfach irgendein dummes Zeug erzählen und nachher sagen: Ja, komm, ich hatte drei Bier zu viel, was soll's“, unterstrich der Regierungschef.
Bewältigung einer existenziellen Krise
Der Christdemokrat thematisierte ebenfalls unumwunden eine schwere persönliche Phase. „Es gab Momente in meinem Leben, wo es mir dreckig ging.“ Sein Vater sei im Jahr 2010 verstorben, 15 Jahre nach dem Tod seiner Mutter. „Da war ich gerade als Generalsekretär der CDU zurückgetreten. Ich hatte eine Beziehung, die ging dann in die Brüche. Da stand ich so vor existenziellen Fragen, also vor den grundlegenden Fragen: Was mache ich jetzt mit meinem Leben? Was mache ich jetzt mit mir?“, berichtete Wüst.
Sein Terminkalender war „auf einen Schlag leer“ gewesen. Während dieser Phase fing er im Garten des elterlichen Anwesens an, die Wurzelstöcke von 20 verbliebenen Fichten zu beseitigen. „Dann habe ich jeden Tag einen Baum entwurzelt. Mit Hackebeil, mit Spaten, mit Kettensäge.“ Schließlich seien seine Hände „blutig von Schwielen“ gewesen – „aber ich hatte meinen Kopf sortiert.“ (dpa/red)
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