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Alarm bei BerufsanerkennungFachkräfte aus dem Ausland fehlen, weil NRW-Behörden zu langsam sind

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Ein Pfleger schiebt einen Rollstuhl über einen Flur in einem Krankenhaus.

Ein Pfleger schiebt einen Rollstuhl über einen Flur in einem Krankenhaus.

Sie könnten sofort arbeiten, aber die Behörden brauchen ewig, um ihre Berufsabschlüsse anzuerkennen. Ärzte und Pflegekräfte aus dem Ausland, die in NRW arbeiten wollen, brauchen starke Nerven.

In Deutschland kommt inzwischen fast jede fünfte Pflegekraft aus dem Ausland. In der Krankenpflege haben nach Recherchen des Mediendienst Integration mehr als 177.000 Kräfte eine Migrationsgeschichte, in der Altenpflege sind dies 130.000 Menschen. Trotz der Anwerbeprogramme sind Tausende Stellen unbesetzt. Eine Ursache dafür: Die Bezirksregierungen sind mit den Anerkennungsverfahren von ausländischen Berufsabschlüssen überfordert.

Von der Einreichung der Unterlagen bis zum Bescheid der Behörde liegen bei der Bezirksregierung Düsseldorf im Schnitt 235,7 Tage. Das geht aus der Antwort von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf eine Kleine Anfrage der FDP hervor, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Bei der Bezirksregierung Köln beträgt die Bearbeitungsdauer 130,5 Tage. Am schnellsten ist danach die Bezirksregierung in Detmold mit 72,5 Tagen.

Laumann kündigt Gesetzesänderung an

Arbeitsminister Laumann erklärte, für die besonders antragsstarke Berufsgruppe der Gesundheitsberufe sei mittlerweile ein digitales Fachverfahren entwickelt worden. Bei weiteren Berufsgruppen werde der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) geprüft.  Die schwarz-grüne Landesregierung plane zudem eine Änderung des Berufsqualifizierungsfeststellungsgesetzes (BQFG NRW). „Das Vorhaben befindet sich derzeit in der regierungsinternen Vorbereitung“, erklärte Laumann.

Werner Pfeil, Sprecher für Europa und Internationales der FDP-Landtagsfraktion, fordert Schwarz-Grün auf, bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse mehr Tempo zu machen. „Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen, sowohl bundesweit als auch in NRW“, sagt Pfeil unserer Zeitung. Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müsse Nordrhein-Westfalen attraktiv für Fachkräfte aus dem Ausland sein. „Wer realistisch betrachtet über ein Jahr bis zur Anerkennung seines Abschlusses einplanen muss, für den ist der Standort NRW sicher nicht attraktiv“, kritisierte der Liberale.

Bedarf an Pflegekräften steigt deutlich

Deshalb sei die Beschleunigung der Anerkennungsverfahren von zentraler Bedeutung, erklärte Pfeil. Digitale Verfahren und Künstliche Intelligenz müssten bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen noch viel stärker eingesetzt werden. „Im Bund wurden hier in der vergangenen Legislaturperiode zwar Fortschritte erzielt, doch noch immer dauern Verfahren viel zu lang. Daher brauchen wir auf Bundes- wie auf Landesebene dringend neue Regelungen zur Vereinfachung, Entbürokratisierung und Beschleunigung der Anerkennungsverfahren. Jeder Tag, der zu lange dauert, ist einer zu viel“, so der Fachpolitiker.

In Deutschland mussten im vergangenen Jahr 112 Pflegeheime, 247 Pflegedienste und 111 Tagespflegen schließen. Der Bedarf an Pflegekräften wird durch die Alterung der Gesellschaft weiter steigen. Nach einer Modellrechnung des Bundesamtes für Statistik werden im Jahr 2049 zwischen 280 000 und 690 000 Pflegekräfte fehlen.