Abo

Hitze in KölnWie man gesund durch die heißen Sommertage kommt

5 min
18.06.2026 Köln. Sommer 2026. Wetter. Hitzewelle. Mensch und Tier im Zoo suchen den Schatten. Erst ein kühles Bad und dann ab in den Schatten. Foto: Alexander Schwaiger

Gute Idee an Hitzetagen: Alles, was mit Wasser zu tun hat. Einmal richtig abkühlen am Tag macht jedenfalls vieles leichter erträglich.

Das Thermometer sprengt in diesen Tagen auch in Köln die 30-Grad-Marke. Wo sich das gut aushalten lässt und was man beachten muss, um gesund zu bleiben.

Unter dem schattigen Schutz grüner Blätter mit einem Buch und einer kalten Flasche Wasser sind Sommertage auch in Köln ein Grund zur Heiterkeit. Wenn man Hausärztin Dr. Mirjam Antz fragt, wo es sich in den Tagen der Hitze am besten und gesündesten verweilen lässt, dann nennt sie das Fort X im Kölner Agnesviertel. Es liegt mitten in der Stadt, gehört mit seinen dicken, preußischen Gemäuern, vielen Bäumen und Büschen sowie den etwa 40 unterschiedlichen Rosensorten aber zu einem der kühlen Orte. Gerade wer unter dem Dach wohnt und dort schlecht kühlen kann, ist ihren Angaben zufolge draußen im Schatten manchmal besser aufgehoben als drinnen. „Gewässer sind auch eine gute Idee, überhaupt Grünanlagen und der Wald“, sagt die Internistin, die eine Gemeinschaftspraxis in Longerich betreibt.

Und im Zweifel kann natürlich auch ein Ausflug ins Einkaufszentrum eine gute Idee sein. Auch zwischen gefrorenen Fischstäbchen und gekühltem Magerquark im Supermarkt normalisiert sich die Bluttemperatur wieder auf angenehme Werte.

Hitze erhöht den Krankenstand

Aus ärztlicher Sicht sind die schwülwarmen Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad eher mit Anspannung verbunden. Denn Hitze kann krank machen. Nach Zahlen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung erhöht sich an heißen Tagen nachweislich der Krankenstand. Schon nach einem Hitzetag verzeichnen Arbeitgeber ein Plus von 3,5 Prozent, je länger die Hitzeperiode dauert, umso mehr Menschen fühlen sich nicht in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. Bei zehn Hitzetagen belegen die Daten schon einen Anstieg um gut zehn Prozent.

Und in der Tat ist die Hitze nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen korreliert auffällig mit den Temperaturen. 2181 hitzebedingte Einweisungen pro Jahr allein für den Kölner Stadtteil Ehrenfeld prognostiziert beispielsweise der AOK-Gesundheitsreport für das Jahr 2100, falls dem Klimawandel keine strikten Maßnahmen entgegengestellt werden. Im Vergleich zum Durchschnitt der hitzebedingten Klinikeinweisungen aus den Jahren 2009 bis 2018 würde sich die Zahl damit mehr als vervierfachen.

In besonders heißen Sommern fordert die hohe Temperatur außerdem viele Todesfälle. Für 2022 beziffert eine Studie im Fachjournal „Nature Medicine“ die Zahl der hitzebedingten Todesfälle europaweit auf mehr als 62.000. Das sind so viele Menschen, wie allein in Hürth oder Dormagen wohnen. Deutschland gehörte den Zahlen zufolge mit gut 6000 Toten im untersuchten Jahr zudem zu den am stärksten belasteten Ländern und wurde nur geschlagen von Italien mit 19.000 und Spanien mit knapp 7000. Besonders brutal trifft die Hitze ältere Menschen, in der Altersgruppe ab 80 Jahren schätzt die Studie europaweit mehr als 1500 hitzebedingte Todesfälle pro eine Million Einwohner.

Dr. Mirjam Antz ist Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin und arbeitet in der Hausarztpraxis Dres. Antz und Team seit 2022 als Hausärztin. Seit 2023 ist sie mit ihrem Ehemann Dr. Philipp Antz Inhaberin der Praxis, die es in Köln-Longerich seit 1943 gibt.

Dr. Mirjam Antz ist Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin und arbeitet in der Hausarztpraxis Dres. Antz und Team seit 2022 als Hausärztin.

Die Gründe liegen für Internistin Antz auf der Hand: „Die Hitze verlangt dem Körper einfach viel ab.“ Betroffen ist beispielsweise das Herz, schließlich muss es mehr Blut an die Hautoberfläche pumpen, um es dort abzukühlen und wieder in den Kreislauf einzuschleusen. Damit möglichst viel Blut gekühlt werden kann, weiten sich die Gefäße, das Herz pumpt mehr Volumen. „Senioren, deren Herz vielleicht nicht mehr so stark ist, oder deren Gefäße nicht mehr so flexibel sind, kann das noch mehr schlauchen“, sagt Antz. Dazu kommt: „Alte Menschen spüren oft nicht mehr so gut, wann sie Durst haben und drohen dann bei starker Hitze auszutrocknen.“ Besonders gefährdet seien Menschen, die mit einer Nierenerkrankung zu tun hätten oder wegen einer Herzerkrankung Entwässerungstabletten zu sich nähmen.

Überhaupt: Die hohen Temperaturen wirbeln die Wirkweise von Pharmazeutika zuweilen durcheinander. Das sagt auch Dr. Beate Müller, Professorin für Allgemeinmedizin an der Universität Köln. Sie arbeitet gerade an einer Liste von Medikamenten, die bei Hitze besondere Aufmerksamkeit erfordern. Dazu gehören Entwässerungsmittel, Blutdrucksenker, Betablocker, Insulin oder Schmerzpflaster. „Was über die Haut in den Körper gelangt, kann bei Hitze beispielsweise schneller anfluten, weil die Haut stärker durchblutet ist“, sagt Müller im Gespräch mit dieser Redaktion. Zur Veränderung der Dosis könne man aber nicht ohne Weiteres raten. „Wir geben eher konservative Tipps: Messen Sie häufiger den Blutdruck, wiegen Sie sich, um Wassereinlagerungen zu bemerken, trinken Sie ein Glas mehr, gehen Sie mit den Schmerzpflastern nicht in die Sonne.“

Portrait Beate Müller Allgemeinmedizin

Beate Müller, Professorin für Allgemeinmedizin Uniklinik Köln, sagt: „Besuchen Sie an Tagen wie heute die ältere Nachbarin, die vielleicht unterm Dach wohnt. Bieten Sie an, für sie einzukaufen, damit sie nicht bei 35 Grad Tüten schleppen muss, öffnen Sie Ihren schattigen Garten für die Nachbarskinder.“

Müller mahnt ohnehin zu mehr Sensibilität, auch gesellschaftlich. Das Thema Hitze sei zu groß, um es mit einem professionellen Gesundheitssystem allein im Griff behalten zu können. Gefragt ist also die Verwandtschaft und das Veedel. „Besuchen Sie an Tagen wie heute die ältere Nachbarin, die vielleicht unterm Dach wohnt. Bieten Sie an, für sie einzukaufen, damit sie nicht bei 35 Grad Tüten schleppen muss, öffnen Sie Ihren schattigen Garten für die Nachbarskinder.“

Die Vernunft im Umgang mit zu viel Sonne und Hitze nimmt nach Müllers Beobachtung in der Gesellschaft allerdings nicht linear zu. Zuweilen müsse man sogar harsche Rückfälle beklagen. Als Beispiel nennt sie den Social-Media-Trend „Tan-Maxing“. „Da posten Influencer den UV-Index. Statt vor den hohen Werten zu warnen, missbrauchen sie ihn aber als Bräunungsfahrplan. Also: Ab acht knallt es so richtig und du wirst besonders knackig braun.“ Müller warnt eindringlich und rät, sich an die WHO zu halten, die Sonnenschutz ab einem Index von drei für angebracht hält. Die Prognose für Köln am Freitag: 8, sehr hoch.

Aber auch wer vernünftig handelt und nicht krank ist, sitzt nun vermutlich in seinem Schweiß und stöhnt. Da ist es gut, dass die beiden Expertinnen auch zum banalen Erträglichmachen der heißen Tage Tipps haben. Müller rät beispielsweise zu Ventilatoren. „Sie werden immer noch unterschätzt. Sie kühlen die Luft zwar nicht, machen die Sache durch den leichten Wind aber deutlich erträglicher.“ Antz rät zu feuchten Tüchern im Nacken, auf den Armen oder am Hals. „Man kann Kühlwesten benutzen, aber auch einfach eine Wärmflasche mit kaltem Wasser füllen und die beispielsweise mit ins Bett nehmen.“

Auch am Ernährungsplan kann man laut Müller etwas drehen: „Essen Sie alles, was viel Wasser enthält: Salat, Melone.“ Überhaupt spart man dieser Tage natürlich besser nicht an Flüssigkeit, sagt Antz: „Wer draußen arbeitet, muss wirklich viel trinken. Das können auch mal sieben Liter am Tag sein.“ Von schweren Speisen ist dagegen dringend abzuraten. Den meisten mangelt es bei 30 Grad vielleicht auch an Appetit auf Schnitzel oder Käsefondue. Müller kann das auch erklären: „Der Körper braucht das Blut, um sich zu kühlen. Wenn er es zum Verdauen in den Magen pumpen muss, klappt das nicht so gut.“