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Hospiz – die letzte StationChrista Gustson koordiniert ambulante Sterbebegleitung in Köln

4 min
Eine Frau in Jeansjacke lächelt in die Kamera.

16 Jahre Krankenschwester im Hospiz, heute Koordinatorin: Christa Gustson schickt ehrenamtliche Sterbebegleiter zu Menschen, die zu Hause sterben wollen

Christa Gustson war 16 Jahre Krankenschwester im stationären Hospiz. Heute koordiniert sie den ambulanten Hospizdienst der Johanniter in Köln, damit schwerstkranke Menschen zu Hause sterben können, begleitet von Ehrenamtlichen, die nicht heilen, sondern da sind.

Christa Gustson: „Ambulante Sterbebegleitung des Hospizdienstes bedeutet, dass schwerstkranke Menschen möglichst lange im eigenen Zuhause leben können. Wir sind da, um die Erkrankten und ihre Angehörigen psychosozial zu stärken. Die medizinische Versorgung übernimmt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).

Im palliativen Kontext spricht man immer von einer „Unit of Care“, das soziale Umfeld wird gesehen. Die Angehörigen haben oft schon über Jahre begleitet, von der Diagnosestellung über die Therapie. Sie sind am Ende ihrer Kraft und wissen das oft selbst nicht. Und sie sind es nicht gewohnt, dass jemand sie fragt, wie es ihnen geht, wie sie geschlafen haben. Manchmal ist es sogar so, dass nicht der Erkrankte die meiste Unterstützung braucht, sondern die Person, die daneben sitzt.

Meine Kollegin und ich besuchen die Familie zunächst persönlich, um die Situation kennenzulernen: den erkrankten Menschen, die Angehörigen und das soziale Umfeld. Dann suchen wir aus unserem Pool eine passende Begleitperson aus, die in dieses Setting passt.

Dafür ist der Vorbereitungskurs wichtig. Wir erfahren in diesen Monaten sehr viel über die ehrenamtlichen Begleiter: ihre Hobbys, ihre Einstellung zum Leben und zum Tod. Und dann entsenden wir sie in eine Begleitung, nachdem wir die wichtigsten Informationen ausgetauscht haben. Was sehr spannend ist, ist, wie schnell sich daraus eine freundschaftliche, manchmal sehr persönliche Beziehung entwickelt.

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Ich habe mit dem Wechsel von der stationären Pflege in meinen jetzigen Job gehadert. 16 Jahre war ich selbst Krankenschwester in einem stationären Hospiz, körperlich und emotional immer nah an den Menschen. Manchmal brechen aus Menschen im Nachtdienst Dinge raus, die sie den Angehörigen nicht sagen wollen. Das ist in der ambulanten Versorgung anders.

Was diesen Job im ambulanten Bereich so rund macht, ist meine 16-jährige Erfahrung in der stationären Begleitung, die ich jetzt weitergeben kann. Für mich ist das ein besonders schöner Ausklang meines Berufslebens.

Mit sterbenskranken Menschen zu arbeiten bedeutet, den Fokus zu verschieben: weg vom Heilen, hin zum Lindern. Es ist das Gegenteil von dem, was viele mit Pflege zuerst verbinden: nicht mehr alles auf Genesung auszurichten, sondern Beschwerden zu reduzieren, Angst zu nehmen und Würde zu sichern. Was diese Arbeit leichter macht: Man arbeitet in einem Team, das alle in dieselbe Richtung schauen. Im hospizlichen Kontext engagieren sich Menschen, die genau diese Begleitung leisten möchten. Und es ist eine Arbeit, in der man unglaublich viel zurückbekommt. Die Gäste selbst geben einem sehr viel zurück. Durch Offenheit, durch Humor, durch Dankbarkeit.

„Wie geht das denn eigentlich mit dem Sterben?“

Den Vorteil, den Sterbebegleiter haben, ist, dass sie den Menschen erst dann kennenlernen, wenn er schon krank ist. Man kennt ihn nicht als strahlenden Urlauber, sondern sieht ihn so, wie er in diesem Moment ist. Dadurch denken wir weniger an Verluste und Einschränkungen, sondern sehen vor allem den Menschen, der gerade unsere Begleitung braucht.

Interessant ist, was am Ende des Lebens wichtig wird und was unwichtig. Oft habe ich das Gefühl, dass sich Menschen in ihr Schneckenhaus zurückziehen. Die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr nach innen, auf das, was sie unmittelbar bewegt und beschäftigt.

Sterbebegleiter zu sein, bedeutet nicht, dass der Mensch mir gegenüber verpflichtet ist, über seinen Tod zu sprechen. Er bestimmt, worüber wir reden. Er kann jederzeit darüber sprechen, wenn er will. Aber er muss nicht. Was trotzdem häufig kommt, ist die Frage: Wie geht das denn eigentlich mit dem Sterben? Ich kann dann aus meiner Erfahrung erzählen und ein Stück Beruhigung aussprechen, dass diese Menschen nicht allein sterben werden, dass immer jemand da sein wird.

Jemand kann medizinisch optimal versorgt sein und trotzdem darunter leiden, dass die Tochter aus Hamburg nicht kommt. Gegen diesen Schmerz gibt es kein Medikament. Was ich tun kann, ist, da zu sein und dem Menschen beizustehen. Manchmal bedeutet das, eine Hand zu halten. Manchmal bedeutet es, zu sagen: ‚Ich sehe da eine beeindruckende Plattensammlung. Welche LP mögen Sie am liebsten? Und dann hören wir sie zusammen.‘

Darf ein Mensch wütend sein, wenn er stirbt? Ja, natürlich. Selbst mit 95 Jahren kann man noch hadern. In den meisten Fällen sind wir nicht bereit, Abschied vom Leben zu nehmen. Es sei denn, der körperliche Verfall ist so weit fortgeschritten, dass man für sich sagt: So möchte ich nicht mehr leben.

Letztens wollte jemand noch angeln gehen, hat den Angelschein verlängert, das Angelzeug rausgeholt. Es hat nicht mehr gereicht zum Angeln. Aber der Ehrenamtliche und der Erkrankte sind noch mal an den Rhein gefahren, haben Eis gegessen und auf das Wasser geschaut. Das war die Vorstufe des eigentlichen Wunsches. Und es hat gereicht.“


Zur Person: Christa Gustson ist Koordinatorin im ambulanten Hospizdienst der Johanniter im Regionalverband Köln/Leverkusen/Rhein-Erft und ehemalige Palliativpflegekraft.