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Freiwilliges Soziales JahrZwischen Gangsta-Rap und Chorgesang

Lesezeit 4 Minuten
Die Jugendtheatergruppe "Bunte Bühne" im Bensberger Zentrum für Aktion und Kultur ist eines der Projekte von Dorothea Kimmerle. (Bild: RUN)

Die Jugendtheatergruppe "Bunte Bühne" im Bensberger Zentrum für Aktion und Kultur ist eines der Projekte von Dorothea Kimmerle. (Bild: RUN)

Bergisch Gladbach – Gangsta-Rap neben klassischem Gesang? Schwarz-Weiß-Fotografie neben Graffiti? Musik, Tanz, Theater, Streetart und Beatboxing? Die kulturellen Ausdrucksformen von Jugendlichen sind unbegrenzt und unterschiedlich. Dass man dazu nicht unbedingt in die Tiefen der Metropolen vorstoßen muss, will Dorothea Kimmerle mit einem ambitionierten Filmprojekt zeigen, dessen Darsteller Jugendliche aus Bergisch Gladbach sind. Bereits vor dem Projektstart hat sie dafür einen ersten Preis gewonnen. Sie ist eine von 30 Siegern, deren Konzept von der Initiative „PlusPunkt Kultur“ unter 230 Einsendungen mit 1000 Euro gefördert wird.

Freiwilliges Soziales Jahr

Dorothea Kimmerle absolviert seit September 2008 ein „Freiwilliges Soziales Jahr Kultur“ (FSJ) beim Stadtverband Kultur (siehe Kasten). Nach dem Abitur war sie eine derjenigen, die noch nicht recht wussten, wie es mit der persönlichen Karriere- und Lebensplanung weitergehen sollte. Mit Vorurteilen gegenüber unentschlossenen Jugendlichen sei jedoch sparsam umgegangen, denn die Entscheidung für das FSJ war nicht nur für die Abiturientin, sondern auch für die Bergisch Gladbacher ein Glücksfall. Kimmerle stammt aus Alpirsbach im baden-württembergischen Schwarzwald, aus einem 7000-Seelen-Ort, der durch Kloster und Klosterbräu bekannt ist. Von dort wollte sie in die Großstadt, nur nicht nach Stuttgart. „Es hat mich in die Ferne gezogen“, sagt die 20-Jährige, die das Kunststück fertig bringt, gleichzeitig schüchtern und selbstbewusst zu wirken. „Ich bewarb mich in Köln und Umgebung und bin in Gladbach gelandet“, sagt sie und ist damit sehr zufrieden. Ihre Arbeitszeit teilt sie auf für den Stadtverband Kultur und das Zentrum für Aktion und Kultur (ZAK) in Bensberg. Hier organisiert sie ein Netzwerkprojekt für Schulen, dort Theater- und Fotoprojekte in der Jugendarbeit. Gerade hat sie einen „Kulturkalender“ erstellt, der alle Veranstaltungen der Gladbacher Schulen auflistet - „damit man weiß, was es gibt“.

Alles zum Thema Filme

Damit man weiß, was es gibt, gilt auch für ihren Film. „Er soll die Vielfalt der Jugendlichen spiegeln“, sagt Kimmerle, „und zeigen, dass sie doch was können.“ Noch arbeitet sie am „roten Faden“ und nimmt Kontakt zu Gruppen und Jugendlichen in der Stadt auf. Ob es ein reiner Dokumentarfilm wird, oder ob der Film eine Geschichte erzählt, ist noch offen. Auch den Kunstbegriff fasst die „Regisseurin“ sehr weit und will beim Dreh größtmögliche Freiräume lassen. „Die Jugendlichen sollen etwas machen, was sie selbst sind“, erläutert sie ihre Vorstellung, und es ist ihr wichtig, dass alles die gleiche Wertschätzung erhält.

Ursprung der Idee war die für September geplante Kulturwoche des Stadtverbandes mit dem Titel „Von der Wiege bis zur Bahre“. An sieben Tagen sollen sieben verschiedene Lebensabschnitte in sieben Veranstaltungen dargestellt werden. Der Tag „Jugend“ liegt in der Hand von Dorothea Kimmerle. Unterstützung erhält sie von weiteren Mitgliedern des Stadtverbandes, dem Jugend- und Kulturzentrum „Q1“ und vom „Sport- und Kulturverein Adler“.

Akteure finden

Dorothea Kimmerle wirkt gelassen, mit dem notwendigen Touch an Aufregung, um ein solches Projekt wirklich durchzuziehen. Schließlich geht es dabei nicht nur um Drehbuch, Regie und Produktion, sondern auch darum, die Technik an Kamera und Schneidetisch zu beherrschen, die pädagogische Ader für die Akteure zu haben und nicht zuletzt, diese überhaupt erst zu finden und vor die Kamera zu bekommen. Zu allem Überfluss lässt sich das Projekt nur mit einem gewissen finanziellen Hintergrund gestalten. „Ich brauchte Geld“, ist denn auch Kimmerles lapidare Begründung für die Teilnahme am Wettbewerb von „PlusPunkt Kultur“. Dass die Jury ihr Projekt unter die besten wählte, bringt ihr nicht nur das Geld, sondern auch Motivation und die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.

In einem Seminar im Rahmen des FSJ hat Kimmerle, die bekennender „Herr der Ringe“-Fan ist, an einem Film-Workshop teilgenommen und festgestellt: „Es ist sehr schwer und viel Arbeit, einen guten Film zu machen.“ Es ging um die Wirkung von Blickwinkeln, Geschwindigkeit, Raum, Aufbau und den richtigen Schnitt. Wer der jungen Frau zuhört, merkt ihr an, dass sie diese Informationen nicht nur aufgenommen hat, sondern sie mit hohem Anspruch umsetzen will. Als wäre das alles nicht genug, möchte sie gleich zwei Versionen des Films produzieren. Eine mit Ton und Kommentaren versehene Reportage und eine Version, die ohne Ton nur mit ihren Bildern und Stilmitteln wie etwa „Stop-Motion“ (eine Art Daumenkino-Effekt) wirken soll. Diese zweite Version soll in der Kulturwoche des Stadtverbandes im Hintergrund der Bühne in einer Endlosschleife laufen, während davor Jugendliche live ihre Kunst demonstrieren. An diesem Abend im September wird Dorothea Kimmerle ihr Freiwilliges Soziales Jahr gerade beendet haben, aber eins weiß sie heute schon: Ein verlorenes Jahr war es ganz bestimmt nicht.

Jugendliche, die Interesse haben, ihr Können vor der Kamera zu zeigen, setzen sich mit Dorothea Kimmerle in Verbindung: 02204 / 97 88 27.

dorothea.kimmerle@zak-gl.de

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