ProzessEhefrau mit Messer attackiert

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Wegen versuchten Mordes steht ein Bergheimer in Köln vor Gericht.(Symbolbild: dpa)

Wegen versuchten Mordes steht ein Bergheimer in Köln vor Gericht.(Symbolbild: dpa)

Bergheim/Köln – „Ich bring’ dich um. Hier, nimm“, hörte sie ihn noch sagen, dann stach Saban Y. zu. Mit einem 16 Zentimeter langen Messer verletzte der 43-jährige Bergheimer seine Ehefrau am 24. April so schwer, dass ihr Leben nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte.Seit gestern muss sich der Täter nun vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Köln verantworten. Laut Anklageschrift wirft ihm die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in zwei Fällen sowie gefährliche Körperverletzung vor. Bereits am 11. April habe es – nach einem Streit – einen ersten körperlichen Angriff auf die 41-jährige Ehefrau des Angeklagten gegeben.

Dabei habe er ihr durch Faustschläge und Fußtritte schwere Verletzungen zugefügt – unter anderem sei ihr Nasenbein dabei gebrochen worden.Vier Tage sei sie damals im Krankenhaus gewesen, die Polizei sei eingeschaltet worden. In der Absicht, sich von ihrem Mann zu trennen, habe sie sich nach ihrer Klinikentlassung in die Obhut ihres Bruders und dessen Frau begeben. In deren Wohnung kam der Angeklagte in den Abendstunden des 24. April. Nach seinen Angaben und denen des Opfers habe er um ein Gespräch mit ihr gebeten. Als diese seinem Wunsch nicht entsprochen und ihn auf den nächsten Tag vertröstet habe, habe er sich zunächst abgewandt, dann wieder zu ihr gedreht, mit einem Messer in der Hand – und ihr mehrfach in den Brustkorb gestochen. Dabei wurde unter anderem der Herzbeutel verletzt. Dem Bruder, der zur Hilfe eilte und versuchte, ihm das Messer zu entreißen, stach er in die Hand, die Brust und den Rücken, „in der Absicht, ihn zu töten“, sagte Staatsanwalt Elmar Köstner.

Der Tat gingen nach Angaben des Opfers wiederholte Streitgespräche über die hohen Ausgaben des Angeklagten, den gemeinsamen Schuldenberg von 82 000 Euro, den steigenden Alkoholkonsum des Ehemanns sowie mögliche Glücksspiele im türkischen Café voraus. Y., der bis zu seiner Verhaftung 24 Jahre bei dem Heiztechnik-Unternehmen Vaillant in Bergheim gearbeitet hat,soll vor seiner Nachtschicht häufig das Kulturcafé aufgesucht haben. „Danach war das Portemonnaie immer leer“, so die Ehefrau, die noch heute unter Schmerzen leide und traumatisiert sei.

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Unabhängig von diesen beiden Übergriffen am 11. und 24. April sei ihr Mann nie gewalttätig gewesen. Ihre Ehe sei – trotz großen Kinderwunschs – kinderlos geblieben. Vor fünf Jahren habe man „aufgegeben“. Ihr Mann habe immer zu ihr gehalten, ihr keine Vorwürfe gemacht. Dennoch habe man sich mit der Zeit entfremdet, ihr Mann habe immer mehr Alkohol getrunken. „Tagsüber schlief er, stand nachmittags auf, ging ins türkische Café und dann zur Arbeit“, sagte die 41-Jährige mit brüchiger Stimme.Durch den Kauf eines Hauses in der Türkei, einer Wohnung und eines Appartements in Bergheim sei der Schuldenberg gewachsen. „Das hat mich nervös gemacht, meine Seele war kaputt, es gab oft Krach darüber.“ Zuletzt sei er häufiger aggressiv geworden, jedoch nicht handgreiflich. Es seien „böse Worte“ gefallen.

Am 24. April, dem Tattag, habe Y. der gemeinsamen Schwägerin eine Kurznachricht per Handy geschrieben: „Bis 16 Uhr seid ihr da. Wenn was passiert, seid ihr Schuld.“ In einer Erklärung, die Rechtsanwalt Reinhard Schön im Auftrag seines Mandanten verlas, bedauerte der Angeklagte die Tat und entschuldigte sich bei seiner Frau.Er wolle die Tat nicht in Abrede stellen, „aber ich kann mich nicht erinnern, hatte einen völligen Kontrollverlust“. Es wäre nichts geschehen, hätte seine Frau mit ihm gesprochen, heißt es in der Erklärung. Und weiter: Der steigende Alkoholkonsum habe mit den zunehmenden Eheproblemen zusammengehangen.

Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

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