Frederik Tepe aus Mutscheid half gemeinsam mit Freunden den Menschen im Katastrophengebiet. Er hat ein Spendenkonto eingerichtet.
Aus dem Reisenden wird ein HelferDer Mutscheider Frederik Tepe war nach der Sturzflut in Nepal

Der Pilgerort Betravati wurde stark verwüstet.
Copyright: privat/Tepe
Das Video ging um die Welt. Eine gewaltige Wasser- und Schlammlawine hat Ende August den Grenzübergang Gyirong Port zwischen Nepal und China überflutet und alles, was sich ihr in den Weg gestellt hat, mitgerissen. Rund 1500 bestätigte Todesfälle hat es bei der Sturzflut in Nepal und China gegeben. Aber mehr als 6600 Menschen werden noch vermisst. Rund 10.000 Verletzte gab es. Ein geschätzter Schaden von 2,4 Milliarden Euro ist in Nepal entstanden, in China beläuft sich die geschätzte Summe auf 75 Millionen Euro.
Fassungslos hat auch der Mutscheider Frederik Tepe die Katastrophe in Nepal verfolgt. Das Land, vor allen Dingen der Himalaya, ist so etwas wie eine zweite Heimat für den 30-Jährigen geworden. Mit 19 Jahren hat sich der passionierte Bergsteiger erstmals an einen 6000er in Nepal gewagt. Alle zwei Jahre besucht er das höchste Gebirge der Welt, zuletzt 2025. Gleichzeitig bietet er mit seiner Firma Fair Away Eco Tours Reisen in den Himalaya an.
Tepe schaltete in den Helfer-Modus
Die Videos von der Sturzflut gingen mit ein wenig Verspätung um die Welt. „Ich habe erst ein oder zwei Tage später gesehen, was passiert ist“, berichtet der Mutscheider. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass seine Freunde und Geschäftspartner allesamt wohlauf sind (obwohl sie tragischerweise Bekannte verloren haben), schaltete Tepe in den Helfer-Modus. Eine Spenden-Kampagne bei der Plattform GoFundMe (Stichwort: „Flutkatastrophe in Nepal“) hat er eingerichtet, bisher sind knapp 10.700 Euro eingegangen. Weitere Spenden sind erwünscht.

Frederik Tepe (r.) mit einem Helfer in Trishuli.
Copyright: privat/Tepe
„Dimensionen, die nicht vorstellbar waren“, so Tepe.
Doch das reichte Frederik Tepe nicht. Eine Woche lang sammelte er Infos über befahrbare Routen ins Katastrophengebiet. Als klar war, dass es Strecken gibt, flog er nach Nepal, um mit dem Geld direkt zu helfen. Medizin, Hygieneartikel, Nahrung, aber auch Decken oder Moskitonetze schaffte er im ersten Schritt in Kathmandu an und brachte sie mit seinen Freunden in Orte, in die noch kein Helfer vorgedrungen war.
„Ich hatte erwartet, dass es sehr schlimm sein wird. Aber das waren Dimensionen, die nicht vorstellbar waren“, sagt er über die Ausmaße der Katastrophe. Häuser und Bäume wurden durch die Wucht der Wassermassen mitgerissen. Der Schlamm liege meterhoch, teilweise seien nur noch obere Etagen sichtbar.
Elf Stunden haben Tepe und sein Team für die 70 Kilometer lange Anreise nach Betravati gebraucht. Der Pilgerort wurde quasi dem Erdboden gleichgemacht. 297 Häuser wurden zerstört. Die Schlammlawine erfasste außerdem die Jüngsten. „200 Schulkinder sind mitgerissen worden, teilweise findet man nur noch ihre Rucksäcke“, berichtet Tepe. Über der Ortschaft liege ein penetranter Geruch von Verwesung. „Die Leichen liegen unter Schlamm begraben in ihren Häusern“, erzählt er.
Die hohe Zahl der Vermissten hat laut Tepe auch einen schrecklichen Grund. Die Schlamm- und Gerölllawine, deren Ursache Tepe im Klimawandel sieht, erstreckt sich über eine Länge von 140 Kilometern. „Und man findet immer wieder Leichenteile. Menschen sind von den Trümmern regelrecht zerrissen worden“, schildert er eindrücklich. Eine Identifizierung sei deshalb kaum möglich.
Spendengelder für Medizin und Bildung
Wovon der 30-Jährige ausgeht: Die Sturzflut hat Auswirkungen auf die Zukunft von Nepal. Es werde nun noch schwieriger, als ohnehin schon. Schulen wurden zerstört. Das Bildungssystem werde die Ausmaße spüren, weil viele Kinder nicht mehr unterrichtet werden könnten. „Das tut mir so unendlich leid. Die Leute dort haben ohnehin schon so wenig, aber sie sind immer fröhlich und positiv gestimmt“, berichtet er von seinen bisherigen Reisen.
Am meisten sei derzeit mit Geldspenden geholfen. „In der ersten Akutphase benötigten wir auch Sachspenden. Aber die humanitäre Hilfe ist mittlerweile angelaufen“, so Tepe. Die ersten Behelfsbrücken seien errichtet worden, der Monsun habe auch nachgelassen, sodass die Helfer gut in die betroffenen Ortschaften gelangten.
Kinder hätten Eltern verloren, Frauen ihre Männer, die für das Einkommen gesorgt hätten, das Land von Familien wurde zerstört. Spendengelder sollen deshalb für Medizin, aber auch für die Bildung eingesetzt werden.
„In einer zweiten Phase schauen wir, wo Familien mit Problemen sind.“ Tepe selbst will Nepal spätestens kommendes Frühjahr noch einmal besuchen. So lange besucht sein Team vor Ort die Notunterkünfte. Immer vier bis fünf Leute von Fair Away Eco Tours seien im Einsatz.
