Der erste Teil des Zugvögel-Festivals am Weißen Stein musste wegen Brandgefahr vorzeitig beendet werden. Viel Lob gab es für die Veranstalter.
Hohe BrandgefahrSchon am Sonntagmorgen war zunächst mal Schluss für die Zugvögel in Udenbreth

Noch einmal richtig krachen ließen es die Gäste und Teilnehmer nach der Absage für den Festivalsonntag wie bei dieser Karaokeshow. Am kommenden Wochenende unternehmen die Zugvögel einen neuen Anlauf.
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Am Samstagmorgen um 7 Uhr war die Welt für die Zugvögel am ersten Festivalwochenende am Weißen Stein in Udenbreth plötzlich nicht mehr in Ordnung. Denn die schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) setzte in seiner Prognose den Graslandfeuerindex (GLFI) für Montag auf Stufe 4 – mit fatalen Folgen für das Festival.
Die Gemeinde Hellenthal hatte per Ordnungsverfügung festgelegt, dass das Festivalgelände geräumt werden muss, sobald der GLFI auf Stufe 4 oder der Waldbrandindex auf Stufe 5 steigt – und zwar bereits am Vortag der entsprechenden Prognose. Damit endete das erste Festivalwochenende bereits am Sonntagmorgen vorzeitig, obwohl Freitag und Samstag ohne Zwischenfälle verlaufen waren. Schon der ursprünglich für die Anreise vorgesehene Donnerstag war wegen der hohen Waldbrandgefahr abgesagt worden.
Gemeinde Hellenthal hatte erhebliche Bedenken
Die vorzeitige Beendigung war ein Szenario, das die Organisatoren seit Wochen befürchtet und immer wieder thematisiert hatten. Nach der ersten Hitzewelle im Juni sei absehbar gewesen, dass Trockenheit und hohe Temperaturen zum Problem werden könnten. Bis zum 3. Juli habe jedoch Einigkeit bestanden, dass die Veranstaltung stattfinden könne, berichtete Carsten Kugele, einer der Gründer des Zugvögel-Festivals. Nachdem der Kreis Euskirchen und der Landesbetrieb Wald und Holz keine Einwände erhoben hätten, sei mit dem Aufbau begonnen worden, ergänzte Mitorganisator Tobias Kirchgatter.
Erst am 13. Juli habe die Gemeinde Hellenthal mitgeteilt, dass die Feuerwehr aufgrund der anhaltenden Trockenheit erhebliche Bedenken gegen die Durchführung habe. Zu diesem Zeitpunkt seien Aufbau und Organisation bereits so weit fortgeschritten gewesen, dass eine Absage kaum noch möglich gewesen sei.

Als professionelle Brandwache standen Uwe Klein und David Kuhna bereit.
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Für Stimmung sorgten die DJs auf der Tanzbühne.
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Die Maßnahmen gegen mögliche Brände waren überall zu sehen, wie hier bei den bereitstehenden Löschwasserpumpen.
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„Wenn wir das zehn Tage früher gewusst hätten, hätten wir uns sehr genau überlegt, ob wir das Festival überhaupt veranstalten“, sagte Kirchgatter. Er selbst hätte sich unter diesen Voraussetzungen gegen eine Durchführung ausgesprochen. Vor allem die kurzfristige Abhängigkeit von den DWD-Prognosen sei für die Organisatoren nicht planbar gewesen. Darauf habe man die Gemeinde bereits im Vorfeld hingewiesen.
Kirchgatter verwies zudem auf historische Daten des DWD. Demnach habe der Graslandfeuerindex in den vergangenen Jahren mehrfach Stufe 4 erreicht, ohne dass dies Konsequenzen für Veranstaltungen gehabt habe. Langfristig müsse deshalb eine tragfähige Lösung gefunden werden. „Sonst wird es Veranstaltungen in Waldnähe irgendwann nicht mehr geben“, sagte er.
Festival beschäftigte im Vorfeld die Gerichte
Die Gemeinde Hellenthal hatte zunächst am 21. Juli eine Ordnungsverfügung erlassen, nach der das Festival abgesagt werden müsse, wenn der GLFI an einem der Veranstaltungstage auf Stufe 4 steigt. Diese Verfügung wurde am 28. Juli aufgehoben und durch eine neue ersetzt. Danach durfte am prognostizierten Tag sowie am Vortag weder Festivalbetrieb stattfinden noch durften sich Besucher auf dem Gelände aufhalten.
Auslöser für die verschärfte Regelung war nach Angaben der Gemeinde ein Waldbrand auf belgischer Seite bei Elsenborn. Dort habe sich der Waldboden einen Tag nach dem eigentlichen Brand erneut entzündet. Die Organisatoren wollten die Verfügung nicht akzeptieren und beantragten beim Verwaltungsgericht Aachen einstweiligen Rechtsschutz.
Organisatoren haben erheblicher Aufwand betrieben
Die Gemeinde argumentierte vor Gericht, dass am Weißen Stein aufgrund der häufig starken Winde bei einem Brand erheblicher Funkenflug drohe. Ein Feuer könne sich rasch zu einem grenzüberschreitenden Waldbrand entwickeln. Das Verwaltungsgericht folgte dieser Einschätzung und sah bei einem Graslandfeuerindex von Stufe 4 eine konkrete Gefahr, die nur durch eine Absage des Festivals wirksam eingedämmt werden könne.
Auch das Oberverwaltungsgericht bestätigte am Freitag die Ordnungsverfügung. Die umfangreichen Brandschutzmaßnahmen der Veranstalter hatten die Richter nicht überzeugen können.

Einen Ravestick im Quallendesign hatte Konstantin gebastelt, damit seine Gruppe sich immer wieder finden konnte.
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Als Campingplatz diente wieder einmal der ehemalige Udenbrether Sportplatz.
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Dabei hatten die Organisatoren einen erheblichen Aufwand betrieben. So waren der Rodelhang und angrenzende Waldflächen komplett gesperrt. Auf dem gesamten Gelände galt ein Rauchverbot. Geraucht werden durfte ausschließlich in ausgewiesenen Raucherbereichen mit wassergefüllten Aschenbechern. Auch Gaskocher waren nur an festgelegten, mit Feuerlöschern ausgestatteten Stellen erlaubt.
Feuerwehr ständig vor Ort Zusätzlich waren während des Festivals ständig Feuerwehrkräfte vor Ort. Strategisch auf dem Gelände verteilt, standen Tragkraftspritzen bereit, zudem wurden an drei Stellen IBC-Container mit Löschwasser aufgestellt. Dennoch folgte das Verwaltungsgericht der Argumentation der Gemeinde. Bei rund 1500 Menschen in einer „ausgelassenen Festivalatmosphäre“ könne die Einhaltung eines Rauchverbots nicht vollständig gewährleistet werden.
Es sind sehr gute Maßnahmen. Das Letzte, was wir wollen, ist eine Absage.
Die rund 950 Besucherinnen und Besucher sowie etwa 500 Helfer, die an jedem Festivalwochenende im Einsatz sind, gingen mit den Einschränkungen jedoch sehr diszipliniert um. Beim Vor-Ort-Besuch zeigten viele Verständnis für die Sicherheitsvorkehrungen. „Es ist fair“, sagte eine Besucherin.
Gesprächiger war Louisa aus Köln, die mit ihrem Freund Thorsten in einer der Raucherzonen saß. „Jeder kennt die Gefahr. Die Maßnahmen sind richtig“, sagte sie. Sie habe selbst einmal einen Wohnungsbrand erlebt. Auch Konstantin aus Köln lobte das Sicherheitskonzept der Veranstalter. „Es sind sehr gute Maßnahmen. Das Letzte, was wir wollen, ist eine Absage“, sagte er. Sollte er jemanden beim Rauchen außerhalb der ausgewiesenen Bereiche sehen, würde er die Person ansprechen. „Ich habe aber noch keinen gesehen.“
Konstantin fiel auf dem Gelände ohnehin auf. Er hatte einen rund drei Meter hohen „Ravestick“ gebaut, auf dessen Spitze eine Fantasiefigur aus Oktopus und Qualle thronte. „Der ist dafür da, dass unsere Gruppe sich immer wiederfindet“, erklärte er.
Auch Monika und Reiner Breuer aus Udenbreth, deren Hof nur wenige hundert Meter vom Festivalgelände entfernt liegt, fanden ausschließlich lobende Worte. Sie besuchten das Festival am Freitagabend. „Es ist beeindruckend, was die Organisatoren hier auf die Beine stellen“, sagte Reiner Breuer. Auch der Geräuschpegel störe sie nicht. „Ab 22 Uhr werden die Bässe deutlich reduziert“, so Monika Breuer. Beschwerden ihrer Feriengäste gebe es ebenfalls nicht.
Besucher kommen sogar aus Amsterdam in die Eifel
Dass die Veranstaltung bereits am Sonntagmorgen enden musste und nicht wie geplant bis Montag dauern konnte, nahmen die Besucher mit bemerkenswerter Gelassenheit auf. „Ich glaube, die Absage ist richtig“, sagte Naomi. Natürlich sei es schade, aber die Sicherheit gehe vor. Ähnlich äußerte sich Timo aus Amsterdam: „Es tut mir vor allem für die Veranstalter leid.“ Beeindruckt zeigte er sich davon, wie diszipliniert sich alle an die Vorgaben hielten. „Heute Abend wird aber trotzdem noch einmal richtig gefeiert“, sagte er.
Am Samstagnachmittag diskutierten Organisatoren und Vertreter der Gemeinde erneut über mögliche Lösungen für die Zukunft. Kirchgatter plädierte dafür, die Bewertung der Waldbrandgefahr nicht allein am Graslandfeuerindex festzumachen. Brandschutzberater Florian regte an, den Graslandfeuerindex künftig mit dem Waldbrandindex zu kombinieren.
Dadurch könne die tatsächliche Gefährdung besser eingeschätzt und zugleich mehr Planungssicherheit geschaffen werden. Für das zweite Festivalwochenende lasse sich eine solche Lösung jedoch kurzfristig nicht umsetzen, machte Wilfried Knips deutlich. Zudem sei die Ordnungsverfügung inzwischen zweimal gerichtlich bestätigt worden.
Zwar sagte der Deutsche Wetterdienst für die Tage vor dem zweiten Wochenende Regen und damit sinkende Werte beim Graslandfeuerindex voraus. Ob die Wetterlage dann stabil bleibt, ist jedoch offen.

