Prinz Torsten I. legte beim Auftritt von Kuhl un de Gäng spontan eine Tanzeinalge ein. Abends durften auch andere Männer zur Sitzung kommen.
760 jecke WieverDie Damensitzung in Mechernich ist für einige ein Familientreffen

Für et Jeföhl: Zum Schunkelständchen versammelten sich Kuhl un de Gäng mittendrin zwischen den jecken Wievern.
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760 jecke Wiever feierten auf der Damensitzung der Prinzengarde in Mechernich. Mit dabei, aber eher am Rande des turbulenten Geschehens: die doppelten Achims.
In Mechernich gibt es drei Karnevalsvereine: den Festausschuss Mechernicher Karneval, den KC Bleifööss, die Prinzengarde. So war es viele Jahre, doch seit 2024 stimmt das nicht mehr. Da gründeten sich die Karnevalsfreunde Mechernich (KFM), und die sind auch ein Verein. „Wir wollen den Mechernicher Karneval einfach unterstützen“, so Achim Schmitz, Vorsitzender der KFM. Daher sei man im vergangenen gleich im Zoch mit einem Wagen mitgegangen. In diesem Jahr habe man auch noch eine Fußgruppe dabei.
Als rein ideelle Förderung sieht man das Projekt allerdings nicht, wie Achim Schmitz, zweiter Vorsitzender der KFM andeutet: „So ganz mittelfristig könnten wir uns vielleicht sogar vorstellen, uns auch der Tollitätenfrage zu stellen.“ Achim Schmitz – „wir sind weder verwandt noch verschwägert“ – grinst sein Namensdouble an.
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Kuhl un de Gäng-Sänger Hubert „Hubi“ Pieper: Loss mer springe!
Der doppelte Achim ist auf Ebene des jecken Ehrenamtes ohnehin schon kurios genug. Und dann noch Prinz und Bauer? Oder Bauer und Jungfrau? Oder Prinz und Jungfrau? Zwei von drei Tollitäten als Achims – das können Schmitz und Schmitz nicht unversucht lassen.
Die beiden Achims hielten sich bei der Damensitzung eher in der Vorhalle auf. Drinnen feierten 760 Frauen – etwas weniger als im Vorjahr. Ja, das sei schon schön mal so ganz ohne Männer, hieß es. Die waren – eine Wiedereinführung des PG-Teams um den Vorsitzenden Michael Hammer – in diesem Jahr ab 18.30 Uhr ebenfalls „zugelassen“. Bei Herrensitzungen wirkt sich das Fehlen der besseren Hälften ja oft eher stimmungsdämpfend aus, bei den Damen- oder Mädchensitzungen heißt es dagegen: Holla, die Waldfee!

Bunte Kostüme gehören zum Fastelovend, hier die Meerjungfrauen aus Mechernich und Kommern.
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„Loss mer springe!“, forderte dann Hubert „Hubi“ Pieper, Sänger von Kuhl un de Gäng, das jecke Publikum auf. Und das tat ihm den Gefallen. Das Trio samt Begleitmusikern wusste genau, wie man die Stimmung hochtreibt, inklusive eines Schunkelständchens, gespielt im Publikum, fürs Jeföhl.
Das sei bei der Prinzengarde eben immer so: toll zusammen feiern, so Beate, die mit einer zehnköpfigen Hexen-Clique aus Tondorf und Wallenthal, bestehend aus Müttern, ihren Töchtern und Schwiegertöchtern, nicht zum ersten Mal in Mechernich war. Man nutze den Termin zu einer Art Familientreffen. Sabine aus Kommern stimmte ihr zu: „Die ganze Party hier: Wir können als Frauen einfach mal ausgelassen sein.“ Das gefalle ihr und den anderen zehn Meerjungfrauen.
Musik kam besser beim Publikum an als Comedynummer
Unterdessen bemühte sich Klaus Rupprecht auf der Bühne um die Aufmerksamkeit der jecken Wiever, die allerdings mehr oder weniger deutlich machten, was sie von dem Bauchredner „Klaus und Willi“ hielten: Hintergrundrauschen fürs Schwätzchen. Auch wenn die Comedynummer des Bauchredners zu den ältesten überhaupt gehört, mittlerweile vom Prinzip her vielleicht eher was fürs Kinderprogramm. Es wirkt deprimierend, einem Bühnenkünstler zuzusehen, wie er an seinem Publikum scheitert.

Prinzendanz: Torsten I. mit Kuhl un de Gäng-Sänger Hubi Pieper.
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Leev Marie: Keine Frage, die Paveier drehten die Halle auf links.
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Das war nicht das Problem von Bands wie Kuhl un de Gäng, die auch Mechernichs Tollität Torsten I. (Krieg) zum jecken Tanzsolo animierten, erst recht nicht von den Paveiern. Deren Sänger Sven Welter ist souverän genug, den Auftritt für eine Botschaft zu nutzen: „In der Welt läuft derzeit so viel schlecht, da sind wir froh, dass wir hier einfach mal feiern können!“ Sprachs und stimmte „Leev Marie“ an – und die Jecken tanzten.
Tanzgarde Schiff Ahoi aus Vernich war Überraschungsgast
Mittendrin zehn silber-glitzernde Disco-Kugeln aus Mechernich-Nord. „Alle aus einer Straße, und alle vergeben“, grinste Nadine, die als einziges Glitzer-Girl ganz in Gold war: „Ich hatte das Kostüm noch vom Vorjahr, unsere Kostüme sollen ja auch nachhaltig sein, wenigstens zum Teil.“ Neu waren die Haarreifen, genutzt als Träger für silbernes beziehungsweise goldenes Lametta und funkelnde Disco-Kügelchen. Was einmal mehr deutlich machte: Das Haarreifkleinkostüm ist der Megatrend der Session.
Außerdem im Programm, das von den beiden Präsidenten Stefan Thum und Karl Theissen geleitet wurde: die Domstürmer, Lieselotte Lotterlappen alias Joachim Jung, der wie in den Vorjahren die jecken Wiever begeisterte, Dave Davies Motombo, die Tanzgruppe „De Höppemötzjer“, die Kölsch-Musikband Eldorado und die Partyband Big Maggas, schließlich als Überraschungsgast die Tanzgarde Schiff Ahoi aus Vernich. Für die Saalmusik sorgte die Big Band der Prinzengarde unter der Leitung von Peter Blum.

