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TierschutzFeuerwehr musste in Euskirchen eine Taube aus einem Abfangnetz befreien

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Zahlreiche Tauben sitzen in Euskirchen auf einem Dach. .

Auch größere Ansammlungen von Tauben gibt es im Stadtbild von Euskirchen.

Die Tierschutzorganisation Peta klagt über grausame Vergrämungsmethoden. Die Stadt Euskirchen setzt auf einen betreuten Taubenschlag.

Der Vorfall hatte Mitte April die Feuerwehr auf den Plan gerufen: Wie die Tierschutzorganisation Peta berichtet, hatte sich eine Taube über einem Ladenlokal in Euskirchen in einem Abwehrnetz verfangen. Noch am gleichen Abend meldete ein Zeuge den Vorfall bei Peta und bei der Feuerwehr, die das Tier befreite und freiließ.

Während der Rettung, so Peta, entdeckten die Einsatzkräfte auch eine tote Taube in dem Netz. Die Tierschutzorganisation spricht von einer „grausamen Vergrämungsmethode“ – und teilt mit, in der Angelegenheit Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet zu haben.

Peta: Abwehrvorrichtungen können zu einem grausamen Tod führen

„Abwehrvorrichtungen wie ‚Taubennetze‘ können für sogenannte Stadttauben und andere Tiere einen grausamen Tod bedeuten“, so Monic Moll, Fachreferentin bei Peta: „Verfangen sich die Tiere in ihnen, leiden sie oft stunden- oder tagelang, bevor sie gefunden werden oder qualvoll sterben.“ Viele verhungerten, verdursteten oder erlägen ihren Verletzungen.

Eine Taube in der Euskirchener Innenstadt

Im Gleichschritt: Tauben sind in der Euskirchener Innenstadt ein gewohnter Anblick.

Wie Peta weiter erläutert, seien die Stadttauben ebenso wie Hunde und Katzen auf menschliche Fürsorge angewiesen. Die Stadttauben stammten von den Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der am Mittelmeer heimischen Felsentaube gezüchtet worden seien. Im Gegensatz zu Wildtauben, die in Bäumen brüten, benötigten sie kleine, flache Flächen, auf denen sie ihre Nester bauen können, beispielsweise an Häuserfassaden. „Doch nahezu überall werden sie durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt“, so Peta.

Tauben finden in Städten kaum mehr gesunde Nahrung

Zudem fänden die Tauben in den Städten kaum mehr gesunde Nahrung. In der Folge seien die Tiere gezwungen, immer dichter zusammenzurücken; dies sei für die Tiere unangenehm und erwecke bei Menschen den Eindruck, dass es übermäßig viele Stadttauben gebe. Oft werde die städtische Population auch durch verirrte Tiere aus Taubenwettflügen oder Hochzeitsauflässen vermehrt.

Und dennoch: Rasant wachsende und übermäßig große Taubenpopulationen können zu einem Problem werden. „In vielen Städten vermehren sich die Tauben wegen ihres angezüchteten Brutzwangs ungebremst“, teilt dazu Peta mit.

Taubenschlag entsteht auf der Johannesbergstraße in Euskirchen

Die einzige nachhaltige Lösung, um die Populationen dauerhaft und tierfreundlich zu verringern, sind aus Sicht der Tierschützer betreute Taubenschläge. Die Vögel erhielten dort artgerechte Nahrung, und die Eier können durch Attrappen ersetzt werden, um so die Taubenpopulation zu verkleinern.

Tauben haben sich in einem Netz in Euskirchen verfangen und wurden von der Feuerwehr befreit.

Tauben haben sich in einem Netz in Euskirchen verfangen und wurden von der Feuerwehr befreit.

Die Einrichtung eines solchen Taubenschlages hat auch der Euskirchener Stadtrat beschlossen, und zwar im März 2025. Peta unterstützt diesen Vorstoß ausdrücklich. Wie Tim Nolden, Pressesprecher der Stadt Euskirchen, auf Anfrage mitteilte, soll der Taubenschlag in der Johannesbergstraße auf einem umfriedeten Grundstück platziert und täglich vom Tierschutzverein Euskirchen betreut werden. „In dem Taubenschlag werden die Tiere artgerecht gefüttert, versorgt und Eier professionell und tierschutzgerecht ausgetauscht“, so Nolden weiter.

In Euskirchen gilt ein Fütterungsverbot für Tauben

Ein Bauwagen, der als Taubenschlag ausgebaut wird, sei bereits angeschafft worden. Der Ausbau werde vom Projekt „Mo.SE.S“ des Caritasverbands Euskirchen vorgenommen und sei kurz vor der Fertigstellung. Darüber hinaus setze die Stadt Euskirchen auf ein „tierschutzgerechtes und nachhaltiges Konzept“, das darauf abziele, sowohl die Population der Stadttauben zu regulieren als auch das Stadtbild sauber zu halten. Zentrale Maßnahme seien regelmäßige Kontrollen des Ordnungsaußendienstes im gesamten Stadtgebiet.

Verstärkt wird dabei darauf geachtet, ob das in Euskirchen geltende Fütterungsverbots für Tauben eingehalten wird. Unkontrollierte Fütterungen, so Nolden, könnten erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner sowie auf die Sauberkeit und Sicherheit im Stadtgebiet haben. Hierzu zählten insbesondere Rattenbefall und andere Beeinträchtigungen.

Stadt Euskirchen verzichtet auf Vergrämung und Vergiftung

Durch die Kontrolle könnten Missstände früh erkannt und unterbunden werden. Bei Verstößen gegen das Fütterungsverbot, insbesondere bei wiederholten oder erheblichen Zuwiderhandlungen, droht ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro. „Sollten die Außendienstkräfte im Rahmen ihrer Kontrollen unzulässige Vergrämungsmethoden feststellen, werden entsprechende Fotos gefertigt und zur weiteren Prüfung an das Kreisveterinäramt weitergeleitet“, so Nolden weiter.

Die Stadt stehe auch im regelmäßigen Austausch mit dem Tierschutzverein Euskirchen. Auf schädliche Maßnahmen wie Vergiftung, Vergrämung oder Tötungsaktionen werde seitens der Stadt bewusst verzichtet. Verletzte oder kranke Tiere können direkt an den Tierschutzverein Euskirchen oder an das Ordnungsamt gemeldet werden, telefonisch unter 0 22 51/1 42 27 oder per E-Mail.

Auch die Stadt Euskirchen weist ausdrücklich darauf hin, dass es nach Paragraf 13 des Tierschutzgesetzes  verboten ist, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden ist. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz können direkt an das Kreisveterinäramt Euskirchen gemeldet werden.