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ParteinachwuchsPolitikverdrossenheit ist für Weilerswister Trio kein Thema

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Die drei jungen Männer stehen nebeneinander auf einer Wiese, die Hände vor sich verschränkt.

Sie sprechen für und über die Anliegen junger Menschen in der Gemeinde Weilerswist: Julian Schulz (SPD, v.l.), Moritz Jonen (CDU) und Sven Rollinger (FDP).

Die Nachwuchspolitiker Moritz Jonen, Julian Schulz und Sven Rollinger wollen die Zukunft in Weilerswist aktiv mitgestalten.

Obwohl die drei jungen Männer nach eigenen Angaben bereits verbal angegangen wurden, als sie für die Kommunalwahl Flyer verteilt und Plakate aufgehängt haben, sind sie überzeugte Vertreter der politischen Arbeit für ihre Gemeinde. Julian Schulz (SPD), Moritz Jonen (CDU) und Sven Rollinger (FDP) betätigen sich neben dem jeweiligen Jura-Studium ehrenamtlich in der Kommunalpolitik.

Die drei Studenten aus Weilerswist berichten, dass einigen Bürgerinnen und Bürgern nicht bewusst sei, dass die meisten kommunalpolitischen Ämter ehrenamtlich übernommen werden. Die Folge: Vorwürfe, dass Gemeindemitglieder aus finanziellen Gründen kommunalpolitisch aktiv werden. Die drei Ehrenamtler weisen das entschieden von sich.

Jonen, Schulz und Rollinger haben sich früh für Politik begeistert

Moritz Jonen (21) und Julian Schulz (29) kommen aus Lommersum, Sven Rollinger (22) ist Müggenhausener. Jonen wurde bei der Kommunalwahl gewählter Vertreter im Wahlkreis Lommersum/Bodenheim. Er und Schulz sind Sachkundige Bürger, Rollinger ist stellvertretender Sachkundiger Bürger in Weilerswist. Christdemokrat Jonen und Sozialdemokrat Schulz sitzen auch als stellvertretende Sachkundige Bürger im Kreistag.

Alle drei bringen sich an mehreren Stellen politisch ein. Ihnen ist zudem gemeinsam, dass sie sich früh für Politik begeisterten, Freude am Verstehen der Prozesse haben und dabei selbst aktiv werden wollten. „Auf kommunaler Ebene liegen FDP, CDU und SPD sehr eng beieinander“, sagt Schulz: „Um es runterzubrechen: Wir sind alle für die Bürger da.“

Bundespolitik wirkt sich auch in Weilerswist aus

Auf Landes- und Bundesebene sehe es mit der Nähe der Parteien anders aus, sind sich die Männer einig. Wenn es im Gespräch um deutschlandweite oder internationale Politik geht, verschärft sich die Diskussion zwischen dem Trio indes merklich.

Aber zurück zum Einfluss der Bundes- und Landespolitik auf die Kommunen. „Die Streitigkeiten der Parteien auf Bundesebene kommen bis an die Weilerswister Haustüren“, sagt Jonen. Schulz pflichtet ihm bei. Laut dem SPD-Mitglied zeichnen bundesweite Skandale, wie etwa Jens Spahns (CDU) Maskenaffäre, ein schlechtes Bild politischer Akteure, das auch in der Gemeinde spürbar werde.

Viele gute Entscheidungen dringen zu den Bürgern einfach nicht durch.
Moritz Jonen

Weiter spricht Schulz Probleme wie Inflation, fehlenden bezahlbaren Wohnraum und Lobbyismus als überkommunale Ursachen für eine um sich greifende Politikverdrossenheit an. Jonen ergänzt mit Blick auf die politischen Prozesse in der Gemeinde: „Viele gute Entscheidungen dringen zu den Bürgern einfach nicht durch, sondern bleiben im Gemeinderat.“

Problematisch sei hierbei auch eine mediale Verzerrung, besonders in den sozialen Netzwerken, ergänzt Schulz. Die drei Jungpolitiker heben an dieser Stelle etwa den Pumptrack mitsamt Hütte und die Förderung des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) als gelungene Begegnungsmöglichkeiten für jüngere Menschen hervor.

Sven Rollinger: Steuererhöhungen sind schwer zu vermitteln

Was noch zu einer Abkehr von der Politik führt? Rollinger vertritt die Ansicht, dass es schwerer wird, den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, wenn Steuern weiter steigen. Er findet: „An dem Punkt, an dem wir sind, müssen wir über Ausgaben reden.“ Jonen wirft ein, dass es auf der kommunalen Ebene besonders wichtig sei, die Aufgaben zu priorisieren. Das Trio verweist auf die angespannte finanzielle Lage ihrer Gemeinde.

Was den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern angeht, pocht Jonen auf das klassische Gespräch beim Bäcker. Schulz wendet ein, dass eine jüngere Zielgruppe hierbei nicht mitgedacht würde. Rollinger fügt an: „Social Media ist die wichtigste und einfachste Möglichkeit, mit den Bürgern in Kontakt zu treten. Es braucht aber Kapazitäten, die Plattformen regelmäßig zu bespielen.“

Je nach Alter nutzen die Leute Facebook, Instagram oder TikTok

Je nach Alter nutzten die Leute Facebook, Instagram oder TikTok. Die unterschiedlichen Zielgruppen und Kanäle bedingten verschiedene Herangehensweisen, erläutert der Liberale. Schulz weist auf die Plattformlogiken hinter den Inhalten hin und kritisiert, dass dadurch emotionalisierende Beiträge und unsachgemäße Diskussionen gefördert würden.

Er geht im Zuge dessen auf das Wort „Kulturkampf“ ein, also auf Auseinandersetzungen unterschiedlicher Ideologien, die eine Spaltung der Gesellschaft befeuern können. Die jungen Politiker verständigen sich darauf, dass für den Zugang zu Bürgern und Bürgerinnen digitale Kanäle genutzt werden müssen. Der persönliche Austausch solle dadurch aber nicht ersetzt, sondern das Spektrum der Möglichkeiten erweitert werden. Außerdem sei ihnen daran gelegen, Möglichkeiten zur Begegnung auszubauen. Hierfür seien Veranstaltungen in Schulen oder Gemeindefeste denkbar.

„Viele junge Menschen werden verbrannt, weil sie als selbstverständlich wahrgenommen werden“, kritisiert Rollinger. Seine Gesprächspartner nicken. Die drei Kommunalpolitiker appellieren, stärker darauf zu achten, Kinder und Jugendliche für Politik zu begeistern. Das KiJuPa zeige ja bereits Wirkung.

Schulz spricht sich dafür aus, die Situation für (junge) Frauen angenehmer zu machen: „Stammtischparolen sind abschreckend!“ Jonen stimmt zu. Er bringt daraufhin den Generationenwechsel ins Gespräch: „Die Erfahrungswerte sind Gold wert.“ Eine Vermittlung an jüngere Kommunalpolitiker gelinge in der Gemeinde bereits gut. „Das muss nicht per Übergabe der Ämter geschehen“, sagt Rollinger: „Es reicht, proaktiv auf die jüngeren Leute zuzugehen. Der Austausch mit erfahrenen Ratsmitgliedern bildet Selbstvertrauen bei jungen Menschen, um selbst Politik zu machen.“