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TraumjobWarum eine junge Schauspielerin aus Zülpich nicht von Hollywood träumt

3 min
Schauspielerin Laura Schukten steht im Diplomstück ihres Jahrgangs auf der Bühne.

Eine tolle Erfahrung war das Spielen des Diplomstücks auf der Bühne des Orangerie Theaters für Laura Schulten.

15 Castings, eine Zusage: Laura Schulten berichtet von der Ausbildung und dem langen und mühsamen Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Wann genau der Traum, Schauspielerin zu werden, entstanden ist, weiß Laura Schulten nicht mehr. Irgendwann habe sie als Kind verstanden, dass das, was da in Serien und Filmen im Fernsehen gezeigt wird, gar nicht alles echt passiert, sondern ein Beruf ist. Von da an sei der Gedanke, „das will ich auch machen“, nicht mehr aus ihrem Kopf verschwunden.

Und nun setzt sie ihn in die Tat um: Die 27-Jährige aus Zülpich steht kurz vor ihrem Abschluss an der Theaterakademie Köln. Anfang Mai bot sie gemeinsam mit ihrem Abschlussjahrgang „Die Geschichte des Kommunismus, nacherzählt für Geisteskranke“ von Mateï Visniec auf der Bühne des Orangerie Theaters in Köln dar. „Das Diplomstück war eine tolle Erfahrung“, erzählt sie begeistert. Sie kenne das Theaterspielen zwar vom Kindertheater am Kölner Künstlertheater, aber: „Es ist noch einmal etwas ganz anderes, für Erwachsene zu spielen.“

Die Entscheidung fürs Schauspiel fiel  während der Corona-Pandemie

Ausschlaggebend für die Wahl des Schauspielberufs war für Schulten ausgerechnet die gerade auch für die Kulturbranche schwierige Zeit der Corona-Pandemie. Nach dem Abitur habe sie sich von ihrem Umfeld überreden lassen, erst einmal etwas „Vernünftiges“ zu studieren. Sie wählte Englisch und Germanistik, spielte parallel aber weiterhin in verschiedenen Theatergruppen mit. Dann kam Corona, und die junge Studentin verbrachte viel Zeit in ihrer Wohnung am Schreibtisch. Dabei sei ihr klar geworden: „Ich möchte nicht meinen Lebtag damit verbringen, in irgendeinem Büro zu sitzen“, berichtet Schulten.

Also ließ sie ihr Studium bleiben und bewarb sich stattdessen an sehr vielen Schauspielschulen. Und auch ihre bis dahin skeptische Familie unterstützte sie dabei. Ohne das wäre es wahrscheinlich auch nicht gegangen, denn die Theaterakademie Köln ist eine private Schauspielschule und kostet laut Schulten rund 500 Euro pro Monat an Studiengebühren. Die hätten dankenswerterweise ihre Eltern gezahlt, so Schulten.

Laura Schulten möchte die Dinge selbst in die Hand nehmen

Doch auch sie selbst hat während des gesamten Studiums gearbeitet und das nicht zu knapp. Sie habe ein Gewerbe angemeldet für ihre Schauspielerei, über das sie als Eventprinzessin, Walking Act auf Kirmessen, Simulationspatientin und am Kindertheater tätig ist. Dazu kommt noch ein Kleingewerbe als Fotografin und ein Minijob als hauswirtschaftliche Aushilfe für Senioren. Und daneben müsse sie sich ständig bewerben. „Wenn man im Schauspiel erfolgreich sein möchte, muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen“, sagt Schulten dazu.

Und eine hohe Toleranz für Frust schade ebenfalls nicht. „Auf einen von vielleicht 15 Jobs bekommt man eine Zusage“, berichtet sie. Das müsse man aushalten können. Als junge Schauspielerin am Anfang ihres Berufslebens sei das aber nicht immer so einfach. Sie habe deshalb auch schon mal Rat bei Dozenten eingeholt. „Man darf’s halt nicht persönlich nehmen“, betont sie. Und ein Sicherheitsjob sei ratsam, wenn es mal ein paar Monate gar nicht klappe mit den Castings.

Von Hollywood träumt Schulten nicht, das wirke vermutlich von außen viel glamouröser, als es in Wahrheit sei. Aber mal international arbeiten, das reize sie schon. Immerhin hat sie ja auch ein paar Semester Englisch studiert. In Köln würde sie gerne einmal auf der Volksbühne am Rudolfplatz spielen, das sei noch ein ganz altes Theater mit viel Charme. Außerdem sei auch eine sprechende Rolle im Hänneschen-Theater ein kleiner Traum.

Nun stehen aber erst einmal die Abschlussprüfungen an.