Ein brutaler Überfall auf ein Ehepaar in Zülpich-Füssenich könnte nach drei Jahren vor der Aufklärung stehen und mit einem Drogenfall in Verbindung stehen.
Prozess in BonnKommt jetzt das Motiv des Überfalls auf ein Zülpicher Ehepaar ans Licht?

Mit Handfesseln wird der 40-jährige Angeklagte in den Verhandlungssaal des Bonner Landgerichts geführt.
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Den Neffen hatte das ältere Ehepaar nach dem brutalen Überfall in den frühen Morgenstunden des 15. August 2023 noch anrufen können. Der schlug Alarm, verständigte Polizei und Rettungsdienst. Als die Helfer in der Hofanlage eintrafen und vom Neffen die Treppe hinauf ins Schlafzimmer dirigiert wurden, bot sich ihnen ein schreckliches Bild.
Inmitten von zerrissenen Bettlaken, Kissen, Blut und umgeworfenen Gegenständen lag der 76-jährige Ehemann am Boden neben seinem Bett, mit rotem Nylonseil gefesselt und mit Spuren brutalster Gewalt. Seine gleichaltrige Ehefrau war ebenfalls verletzt, sie lag zusammengekauert am Fußende ihres Bettes. Ein Hubschrauber, so erinnerte sich einer der Sanitäter jetzt als Zeuge vor dem Bonner Schwurgericht, konnte wegen der noch herrschenden Dunkelheit nicht nach Füssenich fliegen.
Ein Mittäter ist schon zu lebenslanger Haft verurteilt
Mit Rettungswagen wurden die Eheleute in Kliniken gefahren. Der Ehemann starb ein halbes Jahr später, im März 2024, an den Folgen der massiven Kopfverletzungen. Über den Raubüberfall auf die schlafenden Eheleuten verhandelt das Bonner Schwurgericht seit Dienstag zum zweiten Mal. Wegen Mordes, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung wurde bereits im Juni 2024 ein 37-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt.
Er hatte das Verbrechen überraschend im Prozess gestanden, aber auch erklärt, er habe bei der Tat nur eine untergeordnete Rolle gespielt, es gebe zwei weitere Mittäter und einen Auftraggeber. Namen verriet er jedoch nicht. Im Fokus der Ermittler stand der 40 Jahre alte Rumäne, der sich nun wegen Mordes verantworten muss. Zweimal war er wegen dringenden Tatverdachts festgenommen worden, zweimal kam er mangels Beweisen wieder auf freien Fuß.
Durch Erkenntnisse des Landeskriminalamtes (LKA) NRW geriet er erneut ins Visier der Fahnder. Im November 2025 wurde der Mann per internationalem Haftbefehl in Italien verhaftet und im Januar 2026 ausgeliefert. Zum Prozessauftakt jedoch hielt er sich bedeckt, er wolle sich schweigend verteidigen, erklärten seine Verteidiger. Auch zur Person wolle er vorerst nichts sagen.
Bei dem Überfall in Zülpich-Füssenich wurde keine Beute gemacht
Das erneute Verfahren könnte spannend werden, da bis heute die Fragen weiteren Mittätern und nach dem Motiv offen ist. Beute wurde laut Anklage damals nicht gemacht, obwohl die Täter es angeblich auf den Safe der Eheleute abgesehen haben sollen. Ein Mittäter soll das Anwesen gekannt haben, durch ein Fenster eingestiegen sein und den Komplizen geöffnet haben.
Es gibt Bezüge zu einem Drogenverfahren.
Eine junge Frau war von der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe angeklagt worden. Aber wie Behördensprecher Martin Kriebisch bestätigte, wurde das Verfahren 2024 mangels ausreichender Beweise nicht vom Schwurgericht eröffnet. Bei der jungen Frau handelt es sich um die Schwägerin des Angeklagten. Als sie zum Prozessauftakt am Dienstag im Zuschauerraum entdeckt wurde, wurde sie gebeten, den Saal zu verlassen. Das galt auch für die Ehefrau des 40-Jährigen. Beide kämen als Zeugen in Frage, so Kammervorsitzender Jens Rausch.
Der Fall hat womöglich eine neue Dimension bekommen, nachdem im Juni 2024 Anwohner vom Nachbargrundstück der Eheleute verdächtigen Geruch wahrgenommen hatten und daraufhin ein kapitales Drogenlabor entdeckt wurde. Ein Reaktor, 60 Fässer mit 67 Liter Amphetaminöl sowie weitere Utensilien zur Herstellung von Amphetamin wurden sichergestellt.
Drei Tage später wurde nach weiteren Durchsuchungen in Köln ein 73-Jähriger Rentner festgenommen, bei dem es sich um einen Verwandten des Ehepaars handeln soll. Der Verteidiger wies darauf hin, dass es neue DNA-Spuren gebe, die sowohl im Drogen- wie im Mordfall ein Rolle spielen könnten. Vorsitzender Jens Rausch bestätigte dies: „Es gibt Bezüge zu einem Drogenverfahren. Die sind wichtig für die Erhellung der Motive in dem aktuellen Mordprozess.“
Als Nebenklägerin tritt die heute fast 80-Jährige Ehefrau auf. Am Prozess wird sie nicht teilnehmen. Ihr Vertreter sagte, sie sei „zu krank und zu gebrechlich“. Möglicherweise, so Rausch, wird sie per Videoübertragung vernommen. Insgesamt 14 Verhandlungstage hat die Kammer terminiert, Ende August wird mit einem Urteil gerechnet.
