Der Eigentümer von Haus Diepental trat noch vor zweieinhalb Jahren mit dem Plan eines großen Hotelneubaus an die Öffentlichkeit. Das ist passé.
AusflugszielAus für Hotelplan – Was aus Haus Diepental in Leichlingen werden soll

Die Pläne für ein neues Hotel am Standort von Haus Diepental haben sich erledigt.
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Winfried Leßmann spannte seine Gäste in einem Saal von Haus Diepental ein bisschen auf die Folter: Der Mit-Eigentümer des traditionsreichen Gasthauses ließ vor den Zuhörerinnen und Zuhörern, die die Leichlinger Senioren-Union eingeladen hatte, zunächst die alten Zeiten aufleben, als auf der damaligen Talsperre Diepental ab den 1920er-Jahren Ruderbootfahrten angeboten, Baden im See möglich war und das Gelände und die Gaststätte am Seeufer zu einem beliebten Ausflugsziel wurden. „Das ist der Grund, warum ich das Gelände erworben habe, das seit Anfang der 2000er-Jahre einen Niedergang erlebt hat. Mein Ziel ist, diesen Ort als Naherholungsgebiet wiederzubeleben“, so Leßmann vor rund 55 Gästen.
An diesem Ziel, das verdeutlichten Leßmann und Projektsteuerer Andreas Rotterdam im Laufe der Veranstaltung, wollen beide zwar festhalten. Doch am Standort von Haus Diepental wird es keinen Hotelneubau geben. Diesen Plan hatten Leßmann und Rotterdam noch Ende 2023 der Öffentlichkeit vorgestellt. Aber: „Wir müssen jetzt überlegen, wie wir das deutlich kleiner betreiben.“
Warum er seinen Hotelplan aufgibt, sagt Leßmann im Verlauf der Veranstaltung nie so ganz eindeutig. Eine große Rolle spielt beim Abrücken von seinen Plänen für Leßmann offenbar, dass es perspektivisch keinen See mehr vor Haus Diepental geben wird. Das Gewässer, das jetzt schon nur noch maximal einen halben Meter tief ist – ein Graureiher, der vor Haus Diepental durchs Wasser stakste, hatte am Mittwoch noch deutlich Luft unter seinem Bauchgefieder – verlandet zusehends, weil der Murbach aus seinem Oberlauf große Mengen an Sediment in den See hineinträgt.

Etwa 55 Gäste waren der Einladung der Senioren-Union Leichlingen nach Haus Diepental gefolgt.
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„Der letzte Stand der Dinge ist, dass das Wasser abgelassen wird. Mit dem Wegfall der Wasserfläche würde die Hauptattraktion des Ortes entfallen. Das Historische, was hier war, ist nicht mehr herstellbar. Wir müssen uns da neu erfinden“, konstatiert Leßmann vor seinen Gästen. Der Wupperverband sei zwar im Prinzip gewillt gewesen, eine Wasserfläche in kleinerer Form vor dem Gebäudekomplex zu akzeptieren. Dafür wäre aber ein neuer Dammbau nötig gewesen, dessen Kosten Leßmann auf 2,2 Millionen Euro bezifferte. Der Verband wiederum habe an der Stelle gesagt, ihm stünden für diesen Zweck nur 700.000 Euro zur Verfügung.
Wasserfläche hin oder her, ein weiterer Grund für Leßmanns Abrücken von dem Plan eines Hotelneubaus mit 30 Zimmern scheint auch in seinem Ärger über die Behörden, mit denen er für die Genehmigung seiner Hotelpläne zu tun hatte, zu liegen – und im Naturschutz. „Die oberste Priorität für dieses Gebiet ist der Natur- und Artenschutz: die Krickente, der Graureiher und der Biber. Der Mensch ist demzufolge keine Art. Der Biber und die Bruthabitate haben Vorrecht vor dem Menschen.“ Aus Leßmanns Sicht sitzen „die eigentlichen Verhinderer in der Unteren Naturschutzbehörde. Die Fachbehörden sind durchsetzt mit einem ganz bestimmten Klientel“. Diese Einlassungen führten bei Teilen der christdemokratischen Zuhörerschaft zu beifälligem Gemurmel und Schmunzeln.
Der Vorsitzende der Senioren-Union, Ronald Hillbrenner, pflichtete Leßmann bei: „Wenn die Wasserfläche nicht mehr da ist, verliert dieses Areal an Attraktivität und Anziehungskraft.“ Hillbrenner verwies noch auf einen weiteren Aspekt: „Die für einen Hotelneubau zu erwartenden Investitionen von zwölf bis 15 Millionen Euro hätten auch die örtliche Handwerkerschaft sicher sehr gefreut.“ Die Handwerker der Region werden aber wohl dennoch auf dem Gelände in naher Zukunft einiges zu tun bekommen. Denn Leßmann und sein Projektsteuerer Rotterdam schauen jetzt nach vorne.

Winfried Leßmann und Andreas Rotterdam (v. r.) wollen Haus Diepental zu einem attraktiven Naherholungsziel machen
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Auf dem Gelände einer ehemaligen Minigolfanlage wollen die beiden Tiny Houses aufstellen und Stellplätze für Wohnmobile einrichten. Das Hauptgebäude will Leßmann entkernen, die Gebäudehülle aber im Großen und Ganzen erhalten. Die Arbeiten sollen zunächst in einem Gebäude östlich des Waldquellbades beginnen, wo gleichfalls Zimmer für Übernachtungsgäste entstehen sollen. Auf diese Weise soll genügend Platz für Besucherinnen und Besucher entstehen, die Haus Diepental zum Beispiel für eine Hochzeitsfeier oder eine Firmenparty besuchen und in der Nacht nicht mehr nach Hause fahren wollen. Leßmann hat das Ziel, aus Haus Diepental ein attraktives Ziel für die Naherholung zu machen, nicht aus den Augen verloren. „Ich habe nicht vor, die Flinte ins Korn zu werfen.“
Der Wupperverband, den der „Leverkusener Anzeiger“ um Stellungnahme bat, weist darauf hin, dass das Gebiet aus seiner Sicht bereits jetzt eine große Attraktivität für Ausflügler hat. „Der Bereich des ehemaligen Rosenthaler Teichs hat sich in ein Naturparadies verwandelt, das auch von Wasserbüffeln beweidet wird. Die Wasserbüffel haben sich zu einer Attraktion entwickelt. Auch auf den Flächen nahe des Hauses Diepentalsperre werden sie später zu sehen sein, da sie dort ebenfalls die Beweidung übernehmen werden“, teilt der Verband mit.

Der untere Teil der früheren Talsperre hat sich in ein Naturparadies verwandelt, sagt der Wupperverband.
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Im Übrigen setze sich der Verband seit Jahren dafür ein, „mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden, die allen Punkten gerecht wird“. Und er zählt auf, was er damit meint: Sicherheitsaspekte, Hochwasserschutz, für den ein „grünes Hochwasserrückhaltebecken“ geplant sei, das sich bei Regenfluten mit Wasser füllt, ein renaturierter Gewässerverlauf und der Erhalt eines attraktiven Naherholungsgebietes. Dabei müsse die angestrebte Lösung förderfähig und bezahlbar sein.
Mit Blick auf die Wasserfläche vor dem Haus Diepental seien die Möglichkeiten, diese zu erhalten, intensiv geprüft worden. Alle berechneten Varianten hätten sich aber als technisch nicht umsetzbar, nicht finanzierbar oder nicht genehmigungsfähig erwiesen. Ein Problem für den Bau von Dämmen oder Spundwänden sei die mehr als vier Meter dicke Schlammschicht auf dem Grund des Sees. Man prüfe für die Gestaltung des Areals aber weitere Varianten und sei mit der Diepental GmbH im Austausch.