Im Ratssaal des Leichlinger Rathauses treten die Schulsieger im Stadtfinale des Vorlesewettbewerbs an und zeigen eindrucksvoll, wie lebendig und spannend Lesen sein kann.
Wenn Plüschtiere mitfiebernLeichlinger Kinder lesen um die Wette

Casey Schmidt wurde Stadtgewinnerin bei den Schülerinnen und Schülern der 2. Klassen. Charlotte Wagner gewann den Wettbewerb bei den 1. Klassen.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Im Ratssaal des Leichlinger Rathauses liegt eine besondere Mischung aus Konzentration und Erwartung in der Luft. Auf den Stühlen sitzen Eltern, Geschwister und Lehrkräfte, während vorne nacheinander Kinder, aus einem Buch vorlesen. 20 Schulsiegerinnen und Schulsieger aus vier Grundschulen und zwei weiterführenden Schulen nehmen am Stadtfinale des Vorlesewettbewerbs teil. Mit dabei sind unter anderem die Städtische Gemeinschaftsgrundschule Uferstraße, die Gemeinschaftsgrundschule Büscherhof, die Katholische Grundschule Kirchstraße und die Grundschule Witzhelden.
Lesen als feste Größe im Alltag
Für Ingrid Pohl, Leiterin der Stadtbücherei Leichlingen, ist der Wettbewerb ein wichtiger Teil der Leseförderung in der Stadt. „Wir haben sehr viele Kinder, die bei uns Bücher ausleihen“, sagt sie. Besonders erfolgreich sei die Aktion zur Einschulung: Alle Erstklässler erhalten eine kostenlose Jahresmitgliedschaft. „Da hatten wir im letzten Jahr einen sehr großen Rücklauf“, so die 57-Jährige. Viele Kinder bleiben dabei und nutzen die Bücherei regelmäßig.
Die größte Herausforderung beim Wettbewerb für die Kinder sei nicht der Text selbst, sondern die Zuschauer. „Die größte Schwierigkeit ist das Vorlesen vor Publikum“, erklärt Ingrid Pohl. Eltern, Geschwister und Freunde verfolgen die Beiträge aus nächster Nähe. Die Atmosphäre ist ruhig, aber angespannt – jedes Rascheln, ist zu hören. „Wir haben das extra hier im Ratssaal gemacht, damit wir genug Platz für die Mamas und Papas haben“, sagt Ingrid Pohl über den Veranstaltungsort.

Charlotte Wagner, Maja Kramer, Carlo Eisweiler und Jeremia Galka traten beim Lesewettbewerb der 1. Klassen gegeneinander an.
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Auf die Betonung kommt es an
Die Kinder lesen jeweils rund drei Minuten. Die Texte stammen aus „Detektivbüro Eulenauge“ und „Hexe Lilli und die Zaubernacht im Klassenzimmer““, Titel, die in der Stadtbücherei aktuell häufig ausgeliehen werden. Die Jüngsten dürfen sich vorbereiten und ihre Texte vorher kennenlernen. Ab der dritten Klasse wird direkt aus unbekannten Texten gelesen. Das Publikum kann den Text über eine PowerPoint-Projektion mitverfolgen.
Bewertet wird nach Lesetechnik, Betonung und Verständlichkeit. Bei älteren Kindern spielt auch die sichere Beachtung von Satzzeichen eine Rolle, bei den Jüngeren wird altersgerecht bewertet. Die Jury besteht aus Julia Danner, 41 Jahre, vom Förderverein und Lesementorin, Jens Reid, 56 Jahre ebenfalls im Förderverein und Lehrer an der Gesamtschule Schlebusch, sowie Bürgermeister Maurice Winter.

Die Jury Julia Danner, Lesementorin und Mitglied im Förderverein, Bürgermeister Maurice Winter (CDU) und Jens Reid, Mitglied im Förderverein und Lehrer an der Gesamtschule Schleebusch, zusammen mit den Teilnehmenden.
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Kulschetiere die mitfiebern
Die Stadtsiegerinnen und Stadtsieger erhalten Buchgutscheine, von lokalen Buchhandlungen. Alle anderen Kinder, die bereits als Schulsieger angetreten sind, bekommen Urkunden. Eine Teilnahme am landesweiten Vorlesewettbewerb ist in diesem Jahr zeitlich nicht möglich.
Wenn ein Kind liest, ist es im Raum still. Eltern halten kleine Plakate mit „Du schaffst das“ in die Luft oder zeigen, dass auch die Lieblingskuscheltiere „die Daumen drücken“. Die Kinder blicken immer wieder zu den Eltern in den Reihen. Man spürt ihre Anspannung, es gut machen zu wollen. Charlotte Wagner, sechs Jahre alt, gewinnt bei den Kinder der 1. Klasse. Sie liest besonders gern Bücher der Reihe „Die Schule der magischen Tiere“.
In der zweiten Klasse setzt sich am Ende Casey Schmidt durch. „Ich habe gestern Abend meinen Eltern vorgelesen“, erzählt sie. Nach ihrem Schulsieg wählte sie mit dem Buchgutschein das Buch „Unsere Welt in Zahlen – Erde“. „Da lernt man richtig viel, das ist sehr interessant“, sagt die Achtjährige begeistert.
