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Kippe von Dynamit NobelLeverkusener Verwaltung will der Firma eine Altlast abnehmen

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Blick von der Kalkstraße über die Eisenbahn auf den Willy-Brandt-Ring: Die Deponie Petersberg liegt links hinter der sonnenbeschienenen Böschung. Bild: Ralf Krieger

Blick von der Kalkstraße über die Eisenbahn auf den Willy-Brandt-Ring: Die Deponie Petersberg liegt links hinter der sonnenbeschienenen Böschung. Bild: Ralf Krieger

Die Verwaltung empfiehlt dem Rat, die Petersberg-Kippe in Schlebusch von Dynamit Nobel zu übernehmen.

Eine mögliche Übernahme der Altlast an der Petersbergstraße stand schon 2021 zur Diskussion und wurde damals im Rat abgelehnt. Die geschätzt mindestens fünf Hektar große Altlast zwischen der Eisenbahnstrecke, den Gärten der Häuser an der Petersbergstraße und dem Willy-Brandt-Ring, gehört heute der Nachfolgefirma von Dynamit Nobel. Die Verwaltung schlägt dem Rat vor, in der kommenden Ratssitzung den Kauf  eines fast fünf Hektar großen Flurstücks mit der Altlast für einen symbolischen Euro zu beschließen und das Grundstück in öffentlichen Besitz zu übernehmen. Die Diskussion und die Entscheidung sollen in nicht-öffentlicher Sitzung laufen.

Ein Luftbild der Deponie Petersberg von 1951.

Ein Luftbild der Deponie Petersberg von 1951, noch ohne den Südring, heute: Willy-Brandt-Ring.

Die ehemalige Deponie Petersberg, heute eine Altlast mit viel Grün an der Oberfläche, liegt zwischen der Bahnlinie und der Petersbergstraße, im Süden wird sie vom Willy-Brandt-Ring begrenzt.  Foto: Geobasis NRW

Die ehemalige Deponie Petersberg, heute eine Altlast mit viel Grün an der Oberfläche, liegt zwischen der Bahnlinie und der Petersbergstraße. Im Süden wird sie vom Willy-Brandt-Ring (unterer Bildrand) begrenzt.

Zweimal schon, 2021 und 2022, hatte sich der Rat gegen eine Übernahme der alten Kippe entschlossen. Jetzt also der dritte Versuch. 2021 verschob der Rat die Übernahme. Man wollte das Grundstück nur nehmen, wenn gutachterlich sichergestellt werden könne, dass ein Kauf „im Hinblick auf die dort befindlichen Altlasten als unbedenklich anzusehen“ sei. Es sollten Untersuchungen folgen, neue Grundwassermessstellen sollten Aufschluss geben.

Erhöhte Werte für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Drei neue Grundwassermessstellen wurden eingerichtet. Das Umweltamt ließ seit Frühjahr 2025 halbjährlich Proben im Grundwasserzustrom und in den Abströmen ziehen, um zu erfahren, welche Schadstoffe das Grundwasser aufnimmt, wenn es durch den Deponiekörper oder unter der Kippe entlangfließt. In einer Probe hinter der Kippe fanden sich erhöhte Werte für Mineralölrückstände polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Laut Umweltamt könne „nicht ausgeschlossen werden, dass die Schadstoffe aus der Altlast ausgewaschen wurden“. Alle anderen Proben seien unbelastet gewesen.

Die Untere Bodenschutzbehörde geht davon aus, dass von der Liegenschaft gegenwärtig keine Gefährdung für das Schutzgut Grundwasser ausgeht. So steht es in der Vorlage: Falls das Grundstück weiter als Brachfläche genutzt werde, seien Menschen nicht direkt gefährdet, weil belastete Schichten erst ab Tiefen von 1,6 Metern unter der Erde festgestellt wurden. Im Bodenschutz- und Altlastenkataster steht das Grundstück mit der Bewertung „kein Handlungsbedarf bei derzeitiger Nutzung“. Gegen eine Übernahme der Altlast in öffentliche Hände habe man nichts, schreibt die Bodenschutzbehörde der Stadt.

Bei der letzten geologischen Erkundung im Auftrag der Stadt Leverkusen 2003 brachte man 16 Bohrungen, zum Teil bis ganz unten in den bis 16 Meter mächtigen Deponiekörper nieder. Bohrkerne rochen nach Teer oder Öl, Analysen ergaben lokal erhöhte oder deutlich erhöhte Werte. In der Bodenluft maß man Stickstoff und schwache Konzentration von Methan, das dürfte für die Nachbarn interessant sein.

2021 gehörte die Altlast noch Dynamit Nobel, inzwischen wechselte sie zur Konzerngesellschaft Metalon Environmental Management & Solutions GmbH, laut Portal Northdata ist das eine Firma für  Altlasten- und Umweltmanagement in Bezug auf ehemalige Produktions-, Deponie- oder Lagerflächen; sie gehört der Dynamit.

Die Deponie Petersberg, auch Wolkenburg-Kippe genannt, ist eine ehemalige Kiesgrube, die laut Gutachten bis 1920 ausgekiest wurde, die aber schon ab 1913 mit Abfällen verfüllt worden sein soll. Dort liegen laut Verwaltungsbewertung  neben Hausmüll, Gewerbemüll auch Bauschutt. 1962 sei das Deponiegelände wegen des Baus des Südrings durch einen Grundstückstausch an Dynamit Nobel gefallen. Abgekippt worden soll dort bis 1964 sein. Im Tauschvertrag zwischen Stadt und Dynamit soll der Übergang von Besitz, Nutzung und Lasten festgeschrieben sein. Ein Passus soll den Ausschluss von Sachmängelhaftung regeln.

In dem Grundstückskaufvertrag mit Dynamit hatte sich die Stadt Leverkusen verpflichtet, das Kipp-Gelände abschließend zu verfüllen und auf eigene Kosten einen Sportplatz für die Dynamit Nobel AG zu errichten, dazu kam es nicht.

Die meiste Zeit hat also die Stadt die Deponie betrieben, woraus die Verwaltung den Schluss zieht, dass sie in der „Störerhaftung“ steht, also für eine theoretische Sanierung sowieso zahlen müsste, so eine Einschätzung aus dem Rechtsamt; dann, so die Schlussfolgerung, könne man die Kippe auch gleich in öffentlichen Besitz übernehmen. Ein juristisches Gutachten dazu gibt es nicht in den Unterlagen.