Abo

BundesligaLeichlinger malt die Momente, die Fußballfans feiern

4 min
„Ich möchte das Bild noch um sieben bis acht besondere Fußballmomente erweitern“, sagt Julius Schulz.

„Ich möchte das Bild noch um sieben bis acht besondere Fußballmomente erweitern“, sagt Julius Schulz. 

Vom Rasen auf die Leinwand: Wenn Fußballprofis auf dem Platz für besondere Momente sorgen, hält Julius Schulz sie in seinen Bildern fest.

Mario Götze jubelt nach seinem WM‑Tor. Der Körper in Bewegung, das Gesicht nun, ja, bisher nicht vollständig. Auf der Leinwand von Julius Schulz ist dieser Augenblick nur ein Teil einer viel größeren Geschichte. Rund zwölf ikonische Fußballmomente sollen am Ende zusammenkommen. Fünf davon hat er bereits gemalt.

Auch wenn auf der großen Collage bislang noch kein Bayer-04-Highlight verewigt ist, tauchen die Leverkusener regelmäßig in den Arbeiten von Julius Schulz auf. Der Leichlinger freut sich auf die kommende Bundesligasaison und ist gespannt, wie sich die Mannschaft unter dem neuen Trainer Carles Martínez Novell präsentieren wird. Zwei- bis dreimal pro Saison fährt Julius Schulz zu Auswärtsspielen von Bayer 04. Bei Heimspielen versucht er ebenfalls öfter, die Mannschaft im Stadion zu unterstützen. „Mein Lieblingsspieler ist Edmond Tapsoba, weil er schon am längsten dabei ist“, sagt er.

Sowohl Ex-Bayer-Profi Granit Xhaka als auch den aktuellen Mittelfeldspieler Ibo Maza hat Julius Schulz porträtiert.

Sowohl Ex-Bayer-Profi Granit Xhaka als auch den aktuellen Mittelfeldspieler Ibo Maza hat Julius Schulz porträtiert.

Julius Schulz spielt Basketball beim TV Leichlingen. Dreimal in der Woche Training, am Wochenende ein Spiel. Daher haben auch Basketballgrößen ihren Weg auf seine Leinwände gefunden, unter anderem Michael Jordan, Dennis Schröder und Franz Wagner.

Die Bilder zeigen dynamische Szenen. Teilweise realistisch, teilweise mit abstrakten Elementen kombiniert. Die Vorlagen findet Julius Schulz häufig auf Instagram und Pinterest. Entscheidend ist für ihn, dass ein Foto genügend Details erkennen lässt, etwa bei Proportionen, Schatten oder dem Gesichtsausdruck.

Das iPad liegt beim Malen meist griffbereit neben der Leinwand. Manchmal sucht er gezielt nach einem Sportler, den er malen möchte. Andere Bilder findet er fast nebenbei und bekommt neue Ideen. Ein Porträt von Schauspieler Cillian Murphy, in seiner Rolle als J. Robert Oppenheimer, malte Julius Schulz spontan, nachdem er den Film im Kino gesehen hatte.

Angefangen mit einem Bleistift

Begonnen hat alles während der Corona-Zeit. 2020 malte er seine erste Bleistiftzeichnung. Die Inspiration kam zunächst aus dem Schulunterricht. In einem Projekt sollte ein Starporträt entstehen. Julius Schulz entschied sich für Basketballer Dennis Schröder. Zunächst blieb es beim Bleistift auf einfachem Druckerpapier. Ende 2020 startete er den Instagram-Account drawnbyjulius, auf dem er seine Zeichnungen zeigte. Später wechselte er zur Leinwand. Das erste größere Bild entstand 2022.

Ein Jahr später, dann ein besonderer Moment. Der Leichlinger zeichnete ein Porträt des damaligen Bayer 04‑Fußballers Jeremie Frimpong und schenkte es dem Spieler vor der Bay-Arena. Das Video der Übergabe erzielte auf „TikTok“ rund 40.000 Aufrufe. Für Julius Schulz war das eine neue Größenordnung. Danach malte er regelmäßiger. Jetzt sind es im Schnitt zwei Bilder pro Monat. 

Mehr knallige Farben

Inzwischen ist Acrylfarbe das wichtigste Material, manchmal kommt Sprayfarbe hinzu. Julius Schulz mag knallige Farben und starke Kontraste. Gleichzeitig probiert er verschiedene Techniken aus. Farbe wird gesprenkelt, mit dem Spachtel verteilt oder einfach auf die Leinwand geworfen. Manchmal verteilt er die Farbe mit einem Föhn in verschiedene Richtungen auf der Leinwand. 

Für ein Bild mit einem Eisvogel begann Julius Schulz beispielsweise zunächst ohne konkreten Plan. „Ich habe mir Farben ausgesucht, die ich noch nicht oft benutzt hatte. Das waren Orangetöne. Irgendwann habe ich in dem Abstrakten ein Gesicht erkannt. Daraus entwickelte sich die Idee für eine nach oben blickende Person“, sagt er. Als Kontrast zum Orange kam Blau hinzu und schließlich der Eisvogel. 

Es muss nicht immer Fußball sein. Auch abstraktere Werke in knalligen Farben malt Julius Schulz gerne.

Es muss nicht immer Fußball sein. Auch abstraktere Werke in knalligen Farben malt Julius Schulz gerne.

Schnell fertig ist dabei kaum ein Bild. Eine Dreiviertelstunde braucht Julius Schulz mindestens, um richtig in den Arbeitsprozess hineinzukommen. Farbe anmischen, Pinsel waschen, die nächste Schicht auftragen. „Dafür lohnt es sich nicht, nur ein paar Minuten Zeit zu haben“, sagt er. Die meisten Bilder entstehen deshalb in Etappen.

Das Standardformat von Julius Schulz ist 60 mal 80 Zentimeter. Für die einzelnen Motive seiner Fußball-Collage benötigt er ungefähr acht bis zehn Stunden. Das erklärt, warum das Gesamtwerk sich manchmal hinten anstellen muss. „Ich brauche auch mal ein fertiges Bild wieder in der Hand“, sagt Julius Schulz.

Von Ende 2024 bis Mitte 2025 hingen mehrere Bilder von Julius Schulz im Café Espresso Perfetto in Wiesdorf und später bei Bergisch Bürger in Leichlingen. Geld verdient hat er mit der Kunst noch nicht. 

Im Oktober beginnt sein BWL-Masterstudium in Köln. Die Malerei bleibt ein Hobby. „Man weiß ja nie, wie weit es geht“, sagt er. Sein Tipp, um selbst kreativ zu werden: „Einfach mal draufloslegen. Man kann sich schnell verbessern. Ich habe auch mit einem Bleistift und Druckerpapier gestartet. Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen.“