Der Abbruch der Gründerzeitvilla Schillerstraße 4-6 in Opladen mit einem Bagger hat auf der Gebäuderückseite begonnen. Schon die ganze vergangene Woche waren Arbeiter im Inneren mit dem Ausbau von Heizkörpern und anderen wertvollen Teilen beschäftigt. Der Abbruchbagger stand seit Freitag auf dem Grundstück. Zurzeit werden Inventar und Innenausbauten demontiert. Ob von den Teilen etwas erhalten bleibt und wiederverwendet, also in andere Häuser eingebaut werden kann, ist unklar. Es sieht aber so aus, als würden Fenster, Türen und Rahmen vorsichtig ausgebaut.

Hinter dem Türrahmen: Zeitung aus Opladen von 1905 als Makulatur
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An einer Wand, an der ein Türrahmen demontiert wurde, sind alte Opladener Zeitungen von 1905 zum Vorschein gekommen. Im Jahr 1905 wurde das Haus gebaut. Man verwendete Zeitungspapier, um es als Makulatur unter die Tapeten zu kleben. Im Haus lehnen unzerstörte und ausgebaute alte Fenster an Wänden. Die knarrende Treppe aus dunklem Holz ist fest verbaut und eingepasst; sie wird vermutlich zerkleinert im Container landen.
Rettungsversuche bis zuletzt
Die Arbeiter sagten, dass die Fassade wahrscheinlich am Donnerstag oder Freitag niedergerissen werde. Dafür wird die Schillerstraße halbseitig gesperrt.

Die Gründerzeitvillen in der Schillerstraße werden abgebrochen.
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Das Haus strahlt Identität aus, hatte es bei der Diskussion um eine mögliche Unterschutzstellung durchs Denkmalamt in der Bezirksvertretung geheißen. Die beiden aneinandergebauten Villen, deren Fassadengestaltung sich einerseits sehr unterscheidet, die aber dennoch ein harmonisches Gesamtbild ergeben, repräsentierten das viel beschworene schöne alte Opladen, das leider an vielen Stellen verloren sei, hieß es.

Mehrere Bürger stellten bei der Stadt Anträge, das besondere Doppelhaus unter Denkmalschutz zu stellen, worauf die Abbruchgenehmigung für eine Weile über den Sommer ruhte.
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Mehrere Bürger stellten bei der Stadt Anträge, das besondere Doppelhaus unter Denkmalschutz zu stellen, worauf die Abbruchgenehmigung für eine Weile über den Sommer ruhte. Dass ausgerechnet der Gemeinnützige Bauverein Opladen (GBO), eine Opladener Institution, die Villen abbrechen lässt, stößt vielen auf. Andere sehen den Bau von 70 Wohnungen als wichtiger an, als das Stadtbild zu erhalten. Hätte man das Haus erhalten, wären 40 Neubauwohnungen auf den Grundstücken um die Villa herum entstanden.

Fenster werden ausgebaut.
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Anfang September kam die Wende: Die Stadt hebt den vorläufigen Denkmalschutz für die beiden alten Wohnhäuser im Opladener Zentrum auf. Kurz danach erscheinen Bauarbeiter und trennen das Haus vom Strom und Wasser.

Die Treppe von 1905 ist aus dunklem Holz, die Türrahmen sind ausgebaut.
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Unentwegt, bis in diese Tage, versucht der Ratsherr Benedikt Rees (Klimaliste), einen Verwaltungsvorgang in Gang zu setzen, der den Bau noch stoppen soll: Dafür habe er Akteneinsicht im Landschaftsverband Rheinland in der Denkmalbehörde genommen. Aus wissenschaftlicher Sicht soll demnach die eine Haushälfte, Haus Schillerstraße 4, denkmalwürdig sein, wurde von dem Amt festgestellt. Vieles im Haus soll original erhalten geblieben sein: Türen, Fenster, Fischgrätparkett, die Eingangstür, Holzdielen, Badfliesen etwa. Unter Schutz gestellt hat es die Obere Denkmalbehörde aber nicht. Zuletzt versuchte Rees am Montag, als der Bagger schon im Garten stand, beim Verwaltungsgericht Köln eine einstweilige Anordnung auf vorläufige Unterschutzstellung zu erreichen. Offenbar ohne Erfolg.
Schon 2021 wollte der GBO die beiden Villen abreißen. Damals beugte man sich aber der heftigen Gegenwehr aus Opladen und sagte, man wolle das Haus verkaufen. Dazu kam es nicht. Am Dienstag bleiben Leute auf der Straße stehen und sehen zu, wie die Baggerschaufel die Bachsteinmauern einreißt.


